Full text: Das Schulwesen in Preußen ... im Staate, in den Provinzen und Regierungsbezirken - 1921 (1924) (1)

Einleitung. 
onmmnnn m wnn Dern tterrn 
Die ſchulſtatiſtiſche Erhebung vom 25. November 1921 in Preußen. 
1, Bedeutung, Umfang und Methode der Erhebung. 
. Das preußiſche Schulweſen befindet ſich gegenwärtig in einem Umbau, deſſen Grundriß der preußiſche Unterrichtsminitter 
Dr. Boelit ſelbſt fürzlich in feiner Schrift gezeichnet hat *). Das Ziel diefe3 Umbaus iſt die Durchführung der Einheit3ſ<ule, die 
Iur< Artikel 146 der Reichsverfaſſung vorgeſchrieben ilt. Danach ſollen die biSher getrennt nebeneinander beſtehenden Zweige des 
Schulweſens, die Volksſchulen, die mittleren und die höheren Schulen, derart in eine organiſche Verbindung gebracht werden, daß 
aus der vierjährigen Grundſchule als einer gemeinſanten Wurzel die drei obengenannten Schularten hervorgehen; man will ferner 
Übergangsmöglichfeiten und Querverbindungen herſtellen; man will dur< Schaffung gänzlicß neuer Schultypen (der Deutſchen Ober- 
ſchule und der Aufbauſchule) den ſchroffen Gegenſaß zwiſchen Stadt und Land mildern und den Aufſtieg aus der Volksſchule zur 
Uniwertität ermöglichen: man will durc< Umgeſtaltung der Lehrerbildung der Einheitsſchule einen einheitlichen Lehrerſtand zur Seite 
itellen; man will neben den konfeſſionellen ſogenannte Weltanſchauungsſchulen errichten. Außer dieſen organifatoriſhen Änderungen 
ſind methodiſche, inSbeſondere die ſtärkere Betonung des Arbeitsprinzips im Unterricht, vorgeſchen. Zu dieſen Unngeſtaltungen, die 
iich aus veränderten pädagogiſchen Anſchauungen ergeben, treten ſolche, die durc< die Finanzlage des Staate8, den Zwang zu |paren, 
der UnterrichtsSverwaltung aufgenötigt werden. „In unſerem geſamien Bildungö3weſen“, ſagt Boelit, „werden wir, wie zu beſorgen 
it, mit einer ſtarken Planwirtſchaft, jogar mit einer Ginſchränkung der Zahl der Lehrkräfte und mit wenig erfreulichen Veränderungen 
feibſt auf jolhen Gebieten zu rechnen haben, die eben exſi neu ausgeſtaltet wurden“ **). 
Nur im Zuſammenhang mit den vorſtehend kurz geſchilderten Maßnahmen kann die Bedeutung der ſchulſtatiſtiichen Erhebung, 
die in Preußen am 25. November 1921 ſtattgefunden hat, richtig gewürdigt werden. Die Erhebung ſtellt im weſentlichen noch den 
Zuſtand dar, wie er vor Inangriffnahme der Reform beſtand, obwohl gewiſſe Maßnahmen, wie 3. B. der Abbau der Borſchulen***) 
und die Errichtung von Sammelklaſſen ohne Roligion3unterricht, bereit3 im November 1921 in Durc<hführung begriffen waren. 
Wenn die künftigen Geſchichtsſchreiber der preußiſchen Schulreform der Nachkriegszeit ſich die Frage vorlegen, wie das preußiſche 
Schuiwejen vor der Reform beſchaffen war und was durch die Refoxm daran geändert worden iſt, ſo werden ſie daher immer 
genötigt jein, auf die Erhebung de8 Jahres 1921 zurückzugreifen. Aber auch für die Dur<führung der Reform ſelbſt bietet die 
Zählung der Unterrichtsverwaliung die erforderlichen ſtatiſtiſchen Unterlagen, wie e8 denn in erſter Linie deren praktiſche Bedürfniſſe 
waren, die den Anſtoß zu der Vornahme der Erhebung gegeben haben. 
Bon nicht geringerer Bedeutung als für den künftigen Geſchichtsſichreiber der Nachkriegszeit wird aber die Grhebung des 
Jahres 1921 für dentenigen werden, der die geſchichtliche Entwicklung de38 preußiſchen Schulweſens bi8 1921 darſtellen will. Das 
weiſt auf den Vergleich mit den Zählungen vor dem Kriege hin. Leider iſt e8 nicht ohne weiteres möglich, die Ergebniſſe des 
Jahres 1921 denen der Vorkriegszeit gegenüberzuſtellen, da ſich dieſe auf ein ganz anderes Staats8gebiet beziehen. Für die legte 
Erhebung vor dem Kriege, die des Jahres 1911, ſind die Zahlen im Statiſtiſchen Lande3amte auf da3 verkleinerte Staatsgebiet 
anmgere<net worden und werden im Anhang zu den Tabellen vorliegenden Werkes veröffentlicht. Diei3 Umrechnung auch auf die 
übrigen Vorkrieg8zählungen auszudehnen, war aus finanziellen Gründen unmöglich; wegen Vernichtung des Urmaterial8 der älteren 
Zählungen hätte eine ſolche Umrechnung auch nur mit Zuhilfenahme von Schätzungen erfolgen können und hätte daher nur annähernd 
riehtige Ergebniſſe gezeitigt. Benutzer der preußiſchen Schulſtatiſtif, die auch die Zeit vor 1911 dem Jahre 1921 gegenüberſtelleit 
wollen und zeitraubende und foſtſpielige Umrechnungen nicht vornehmen können, werden daher genötigt ſein, die Jahre ſeit 1886, 
dem Beginn der Sculſtatiſtk in ihrer heutigen Form, mit 1911 alten Gebietes und dann 1911 neuen Gebietes mit 1921 zu ver- 
leichen. Auf dieje Weiſe iſt e8 möglich, die Entwicklungstendenzen immerhin einigermaßen zutreffend feſtzuſtellen. Da die Ent 
wicklung des preußiſchen Volksſchulweſens in den Jahren 1886 bis 1911 bereit3 in der Einleitung zu Band 231 der „Preußiſchen 
Statiſtik“ dargeſtellt worden iſt, beſchränken ſich folgende Ausführungen im weſentlichen auf den Vergleich der Jahre 1911 und 1921. 
Ter Vergleich dieſer beiden Jahre iſt in der Weiſe vorgenommen worden, daß nicht nur die Veränderungen der Staaisgrenzen, 
zondern auch die Veränderungen der Grenzen der Verwaltungsbezirke innerhalb de38 Staates auf da8 Jahr 1911 projiziert wurden ; 
ferner wurden Landgemeinden, die nach 1911 in Stadtgemeinden umgewandelt worden ſind, bereits für 1911 als Stadtgemeinden 
vehandelt, ſodaß alſo Verſchiebungen zwiſchen Stadt und Land nicht aus dem Stadtwerden von Landgemeinden erklärt werden dürfen. 
Die Erhebung des Jahres 1921 geht einerſeit3 erheblich über die de3 Jahres 1911 hinaus, andererfeit38 bleibt ſie hinter 
diejey zurück. Umfangreicher iſt ſie inſofern, al8 ſie das geſamte Schulweſen mit Ausnahme der Hochichulen, der Lehrerbildungs- 
anttaiten und des größten Teiles der Kunſtſchulen umfaßt, während die Zählung von 1911 ſich nur auf Volk3- und mittlere Schulen 
ertirecfte. Zwar fanden bereit38 vor 1921 Erhebungen über die höheren Schulen, die Beruf8- und Fortbildungsſchulen und vereinzelte 
 
" *) Vergl. Otto Boelitz, Der Aufbau des preußiſchen Bildungsweſens nach der Staatsumwälzung, Leipzig, Quelle & Meyer, 1924. -- 
Jaa DO. S. 158, -- ***) Vergl. das Geſet betr. die Grundſchule und Aufhebung der Vorſchulen vom 28. April 1920. 
Kreußiſche Statiſtik. Heft 272. 4
	        
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