Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Gerlach: Das Schuldrama des 18. Jahrhunderts usw. 121 
 
Aktus Setzen, während andere von der öffentlichen Schaubühne, die Jetzt 
aufzublühen begann, Nahrung aufnahmen, traten wieder andere für ein 
SpezifiSches Jugenddrama ein. Aus denselben philosophischen und päda- 
gogischen Voraussetzungen heraus, aus denen der Philanthropismus hervor- 
ging, war die Vorderung entstanden, das Kind nur golche Romane, Erzählungen 
und Dramen legen und hören zu lassen, die Speziell auf gein kindliches 
Gemüt und Auſfassungsvermögen zugeschnitten Seien, Zuergt ertönte dieger 
Ruf auf dem Gebiet des Schuldramas und zwar 8chon 1760. Diese 
Tatgache dürfte ebenso wenig wie die Kntwicklung der Idee eines Spezi- 
fisechen Jugenddramas ſfür Schulen in einer Gegchichte der deutschen 
Jugendliteratur fehlen. Doch weder Merget noch Göhring noch H. L. Koester 
haben das berücksichtigt. Zuerst Sprach die Forderung eines 8pezifiSchen 
Jugenddramas klar und dentlich Lindner aus. weine Ideen wurden von 
Hamann gedanklich und ästhetisch vertieft. EKbenso wie verschiedene 
Schulmänner verhielten Sich namentlich die Klassiker dieser Idee gegen- 
über Skeptisch; dagegen traten die Philanthropisten, die hierin ein ihrer 
Erziehungsmethode entsprechendes Mittel Sahen, dafür ein. Begonders 
ihrem Kinfluß ist die reiche Produktion von Jugenddramen in den 70er 
und 80er Jahren zuzuschreiben. Die Idee eines Spezifischen Jugenddramas 
für Schulen ist in Deutschland gelbst entstanden. Nur auf die Ver- 
körperung dieser Idee übten die französSiSchen Gouvernanten-Dramoletts 
Einfluß aus. Dadurch, daß das Kinderdrama in die Hände der Philan- 
thropisten und der eigentlichen Kindergschriftsteller geriet, die immer nur 
die Moral in den Vordergrund Stellten und denen ein feineres künstlerisches 
Empfinden fehlte, nahm die Idee eines 8pezifiSchen Jugenddramas eine 
Gestaltung an, die nie Lindners, vor allem nie Hamanns Beifall gefunden 
hätte, die ebenso wenig ungeren Beifall finden kann, auch wenn wir Sie 
als Produkte ihrer Zeit zu begreifen Suchen. 
Wie gezeigt werden konnte, wurden diege SpezifiSchen Jugenddramen 
auch in Schulen aufgeführt, wenn Sie auch nicht ausschließlich dazu 
bestimmt waren. Im allgemeinen hatte das Schuldrama als Ständige wSchul- 
institution Seine Bedeutung. verloren. Mehr und mehr ging es Seinem 
Ende entgegen, wurde Schließlich eingesargt und begraben. Nur zur 
Fastnachtszeit Stieg der Geist des Schuldramas hier und da hervor, „Schlich 
'<““ Sich Scheu und doch neugierig durch die närrisch belebten Straßen in die 
Seminare und Institute und versuchte hier in den allzu kurzen Kleidern 
ungegehickter Dilettantendichtungen Seine klappernden Gebeine zu verhüllen 
oder tanzte mit der plumpen Narrenmütze der Farce bekrönt, groteske 
Kapriolen.“) | 
Erst in ungern "Pagen beginnt map diegzen alten Geist mit neuen Augen 
zu betrachten und Sucht ihm neue Lebenskraft einzuflößen. Durch den 
Hinweis der Kinderpsychologie auf den Starken Spieltrieb im Kinde,*) 
1) A.Dürrwächter, Von der Schulbühne in alter und neuer Zeit. Hochland 5 
(1907), 8. 587. . 
- 9) C. Groos, Die Spiele der Menschen. Jena 1899.
	        
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