Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

122 Gerlach: Das Schuldrama des 18. Jahrhunderts usw. 
 
durch die Forderung, Anschaulichkeit im Unterricht durch Selbstbetätigung 
(Arbeitsschule) zu unterstützen, iSt man wieder auf das Schuldrama auf- 
merksam geworden. Schon 18938 war H. Gloel für die Idee eingetreten, *) 
und in neuester Zeit fordern ein Schüldrama: Dürrwächter,?) H. Grabke, 3) 
P. Matzdorf,*) W. Michaelis,*) H. Grosche.*) Man verspricht Sich davon Be- 
friedigung des Spieltriebs, des Tätigkeitsdrangs, Stärkung des Gefühls, des 
Gemüts, der Phantasie, inneres Verständnis für Dramen, Stärkung des 
Gedächtnisses, Sicherheit des Auftretens, Freiheit der Bewegung, Ge- 
Schicklichkeit, ausdrucksvolle und klare Aussprache. Im entgegengesgetzten 
Lager weist man auf die mit den Aufführungen verbundenen Gefahren bin 
und glaubt nicht, daß etwas in höherem Sinne dabei herauskomme. Die 
ganze Erscheinung hat jetzt noch zu Sehr den Charakter des Experiments, 
als daß man Sich mit Bestimmtheit dafür oder dagegen erklären könnte. 
Ks ist nicht, zu leugnen, daß mit der Verwirklichung dieser Ideen, die viel 
Gutes an Sich haben, große Schwierigkeiten verbunden Sind. So z. B. die 
Wahl der Stücke. Den Anschanungen unseres Jahrhunderts entsprechend, 
das eine spezifieche Jugendliteratur verwirft und wirkliche Dichtungen für 
Kinder fordert, Dichtungen, die auch künstlerisch befriedigen, hat man zum 
Zwecke des Schultheaters ungere Klassiker bearbeitet, z. B. Schillers „Pell“ 
(P. Gall Morell), wan hat auf die Dramen Martin Greifs, auf die historischen 
Dramen Wildenbruchs hingewiesen, ist aber auch Schon zu der Angicht 
gekommen, daß hier von Dichterpädagogen Neues geschaffen werden mügse. 
Man fordert Dichtungen, in denen der kindliche Dialog wirklich getroffen 
iSt, in denen die 'Vendenz unaufdringlich in frischer Handlung an die Kinder 
herangebracht wird, Dichtungen von künstlerischem Wert. 
Im Schuldrama liegt noch ein Feld vor uns, das, wenn nicht alles 
trügt, gute Krunte verspricht. Zur Verwirklichung derldee wird die Geschichte 
des Schuldramas manchen nmutzbringenden Rat geben können. 
1) Z. 1. d. dtschen Unterr. 7 (1893), 8. 381. 
?) Vel. oS. 121, Anm. 1. 
8) „Kinder als Schauspieler“. Jugendschriften- Warte 1909, 38. 5. 
) . "Erziehungstheater“. Jugendschriſten-Warte 1910, S. 87. 
») „Bin Wort über dramatische Schüleraufführungen“. .. 1. d. dtschen 
Unterr., '25 (1911), S. 299 if. 
6) „Schulkomödien“. JJugendschriften-Warte 1911, S. 45 f.
	        
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