Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

130 Teuscher: Die Erziehungsanstalten d. Philanthropisten Christian Car] Andre. 
 
nicht müßig Sein, wenn der Verstand arbeitet; darin liegt nicht unbedingt 
die Forderung des organiSchen Zugammenhangs mit dem Unterrichtsstoff 
eingeschlossen. Die Motivierung der Begchäſftigung mit Handarbeiten 
geSchieht lediglich durch folgenden Erziehungsgrundsatz: „Was die eigene 
Hand bewerkstelligen kann, dazu ist keine andere zu gebrauchen. Eine 
Hauptregel erstlich, weil doch kein Kind in der Welt auch bei den 
elänzendsten Ausgichten Seiner künftigen Schicksale gewiß Sein Kann» 
zweitens, um Kindern Achtung der niederen Stände recht einzuprägen“. 
Die Begründung it also rein utilitaristisch; in dieser Bedeutung hat die 
Begchäftigung mit Handarbeiten Schon vor Andre im Philanthropismus 
Gestalt gewonnen. 
Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir diese Starke Betonung der körper- 
lichen Arbeit auf den Kinfluß B. H. Blasches?) zurückführen. BlaSche, 
ein langjähriger Mitarbeiter in Schnepfenthal, hat in der Gothaer Zeit auch 
an Andres Institut gewirkt. Andre Selbst berichtet darüber: „Herr Blasche 
Sammelt, ordnet, unterhält und vermehrt unsre Naturalien, unsern kleinen 
physikalischen undtechnologischen Apparat, erteilt Unterricht in mechanischen 
Handarbeiten und inder Systematischen Naturkunde“.?) Begonders interesSant 
ist aber, daß auch der Mann, den wir als den Schöpfer der Idee der modernen 
Arbeitsschule angehen müsgsen, im letzten Jahre ihres Bestehens der Anstalt 
als Mitarbeiter angehört hat. Es iSt der Schon genannte Heusinger.*?) Ein 
eigenartiger Zufall ist es, daß diese beiden Männer, die für die Arbeitsschul- 
bewegung um die Wende des 18. Jh. von 80 hoher Bedeutung geworden 
Sind, an demselben Institut, wenn auch nacheinander, gewirkt haben. 
Im Herbst 1797 tritt Heusinger als Mitarbeiter in Andres Erziehungs- 
familie ein. Durch geine Mitarbeiterschaft erwachen in Andre alte Pläne 
zu neuem leben, die er bereits früher mit Kifer verkündet, aber wegen 
der Menge der an ihn gestellten Anforderungen nicht zu realiSieren vermocht 
hat.) So trägt er Sich jetzt erneut mit dem Gedanken der Gründung einer 
Erzieherbildungsanstalt kleinsten Maßstabes. Erzieher und Krzieherinnen, 
weiche Sich in der Krziehungs- und Unterrichtskunst vervollkommnen wollen, 
will er auf einige Zeit in Seinem Institut aufnehmen. Die große Anzahl 
Seiner Vamilienmitglieder, ihr verschiedenes Alter und Geschlecht wird 
jedem Erzieher zahlreiche und vielseitige Gelegenheit geben, Sich vorzubereiten 
und geine Geschicklichkeit zu erproben. „Herr Doktor Heusginger, meine 
Frau und ich werden Seine unparteiischen Beobachter und Prüfer Sein, und 
nach dem Übereinstimmenden in unseren Urteilen werde ich dann meine 
Meinung über Seine 'Panglichkeit mitteilen. “*) Von der Uneigennützigkeit 
1) Vgl. A. Teuscher u. Th. Franke, Quellen zur Gegchichte der Arbeits- 
Schule. Leipzig 1913. 
?) Andro, Das Weib S. 28. 
3) Vgl. über ihn: A. Teuscher, J. H. G. Heusinger als Pädagog. Langen- 
Salza 1911. 
4) ReichSanzeiger 1794, 2, S. 788. 
9) Ebenda 1797, Nr. 207.
	        
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