Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Tenscher: Die Erziehungsanstalten d. Philanthropisten Christian Carl Andre. 131 
 
des Unternehmens zeugt die Tatgache, daß er lediglich die Kosten für 
Wohnung und Verpflegung ersetzt haben will, dagegen „das ganze Geschäft der 
Beobachtung, Prüfung, Beratung und der erforderlichen Benachrichtigungen 
Sebr gern umsonst verrichten will, wenn nur dadurch hie und da etwas 
mehr Zweckmäßigkeit und Harmonie in die Befriedigung des allenthalben 
noch 30 großen und wichtigen Krziehungsbedürfnisges gebracht werden kann“. 1) 
Sein Plan Scheint Anklang gefunden zu haben. Andre Selbst berichtet, 
daß mehrere Familien von Seinem Anerbieten, Krzieher und Erzieherinnen 
auszuguchen und ihre Vähigkeiten in Seiner eigenen Vamilie zu prüfen, 
Gebrauch gemacht haben.*) Freilich hatte er auch mannigfachen Zuspruch 
von Erziehern, die vollkommen unvorbereitet zu ihm kamen, die er aber 
bereits im November 1797 im Interesse der andern abzuweisen nicht unterließ. 
Die gemeingame Krziehungsarbeit beider Männer, unter 80 glücklichen 
Umständen begonnen, nimmt ein rasches Ende. Andre erhält -- ihm gelbst 
wohl unerwartet -- eine Berufung nach Brünn in Mähren, als Direktor 
und erster Lehrer der dortigen evangelischen Schulanstalt. Kurz entschlossen 
nimmt er das Anerbieten an, und damit ist das Schicksal Seiner Krziehungs- 
anstalt beSiegelt. Kr löst Sie auf, ein "Teil Seiner Zöglinge kehrt zu den 
Kiltern zurück; ein andrer Teil begleitet ihm an den Ort Seiner neuen 
Wirkgamkeit. Im September 1798 verläßt er Rigenach und damit das Werk, 
das von ihm unzertrennlich Schien. Später gab Andre die Krziehertätigkeit 
ganz auf. Er wurde Sekretär der KaiSerlich Mährischen Gegsellschaft zur 
Beförderung des Ackerbaus, der Natur- und Landeskunde und entfaltete 
als Solcher eine vielseitige Schriftstellerische Tätigkeit. 1821 trat er als 
Hofrat in Württembergische Dienste über und wirkte auch hier Segensreich 
für die Ausbreitung gemeinnütziger Kenntnisse. Er starb 1831.*) 
1) Ebenda 1797, N. 207. 
7) Ebenda 1798, Bd. 1 (vgl. Register). 
8) Allgemeine Deutsche Biographie 1, 8. 432. 

	        
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