Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Ellinger über Schwabe: Das Gelehrtenschnlwegen Sachgens. 133 
 
 
einer emporstrebenden Geistesrichtung kam nunmehr dem Sächgischen Schu]l- 
wesen zugute. Meist waren die der Univergität Entfremdeten junge 
Männer; freilich blieben Sie keineswegs immer der Schule treu. Unmittelbar 
mit diegem Einströmen junger und frischer Kräfte in den gächgigchen 
Schuldienst hängt die Seit etwa 1520 eingetzende allgemeine Bewegung 
zuSammen, deren Ziel eine gründliche Hebung des Schulwegens bildet; 
bezeichnend für das ungestüme Vorwärtsdringen ist die, allerdings wohl 
Sicher renommistische, Schulordnung B. Natthers in Zwickau (1523). Hand 
in Hand mit diesen Bestrebungen geht der Wunsch nach religiöger Er- 
'neuerung, und 80 begegnet Sich jene Strömung innerhalb des gächgigehen 
Schulwesens mit der Reformation und ihren Bemühungen um die Neu- 
gestaltung der Schule. Der Hauptvertreter dieger Synthese pädagogischer 
und religiöSer Bestrebungen ist J. Rivius (+ 1553), eine ungemeine eindrucks- 
volle PerSönlichkeit; Westfale von Geburt, stellt er Seine Arbeitgkraft doch 
in den Dienst Sachgens, erzieht Sich eine große Anzahl bedeutender Schüler 
und erhält Schließlich eine Art Aufsichtsamt über die Sächgischen Schulen, 
das freilich durch die Bifersucht der Leipziger Univergität 30 gut wie 
unwirksam gemacht wird. Das Fortschreiten des gächgischen Schulwegens 
offenbart Sich nun allerdings weniger an den Stadtschulen als an den S0L. 
Vürstenschulen; Schon deren Gründung durch Moritz von Sachgen ist als 
eines der wichtigsten KEreignisge der Schul- und. Kulturgeschichte des 
16. Jh. zu bezeichnen. Moritz benutzte das bisher vielfach verschleuderte 
kirchliche Gut, um Staatliche Bildungsstätten für die künftigen Sächsischen 
Beamten und Geistlichen zu Schaffen. So entstanden die gut ausgestatteten 
Fürgtenschulen zu Meißen, Grimma und Pforta, um deren Krrichtung 
Sich Rivius hervorragende Verdienste erworben hat. Daß yon den drei 
Anstalten Grimma Sofort, Meißen 'und Pforta nach einigem Schwanken 
zu gesunder Entwicklung gelangten, ist das Werk der drei Fürstengechul- 
rektoren Ch. Baldauf, G. Fabricius und A. Siber; alle drei, namentlich aber 
Fabricius, waren bedeutende, ihren Ämtern in jeder Beziehung ge- 
wachgsene Persönlichkeiten, und ihre Tätigkeit hat lange nachgewirkt. 
Die im ganzen günstigen Zustände an den VFürstenschulen dauern an, 
bis die Anstalten in die religiöSen Streitigkeiten hineingezogen werden. 
„Ks iSt allbekannt, wie in den erbitterten Kämpfen zwischen Philippismus 
und Orthodoxie die giegreiche Partei die AndersgeSinnten aus allen 
Stellungen vertrieb; ein lehrreiches Beispiel bietet die Geschichte der 
Schule zu Geringswalde. Wenn sich nun auch der Philippismus um kein 
Haar duldSamer erwies als das Schroffe Luthertum, 80 ist Seine Herrgchaft 
doch zweifellos für die Entwicklung der Schule günstiger gewegsen. Seit 
die Orthodoxie jedoch das Heft endgültig in der Hand behielt, wurde der 
Schule 50zusagen die Seele ausgetrieben ; der Religionsunterricht beschränkte 
Sich auf die verstandesmäßige Einprägung der Lehrmeinungen und ver- 
fiel einer völligen Verödung. Diegsen Verhältnisgen entspricht es, daß 1580 
die Stadtschulen unter die Aufsicht der Geistlichkeit, die Fürstenschulen 
unter die der Kongistorien gestellt wurden. Das geschah in dem Schul-
	        
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