Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Quellen und Abhandlungen. 
Der Philogophische 
Unterricht an der Universität Würzburg 1762- 63 
im Urteil eines ehemaligen Jesuitenzöglings. 
Von Remigius Stölzle in Würzburg. 
Legen wir in der Geschichte der Philosophie oder in der Geschichte 
einer Univergität oder eines Ordens, der oder jener habe PhiloSophie 
gelehrt, 80 wisgen wir etwa, wer der Mann war, was er Schrieb, welcher 
Richtung er huldigte, aber über den eigentlichen Unterrichtsbetrieb erfahren 
wir nichts. Darüber geben uns erst besondere Aufzeichnungen von Lehrern 
oder Schülern Aufschluß. Solche Aufzeichnungen -- es gibt deren nicht 
viele -- begitzen wir von einem ehemaligen JeSuitenzögling: Franz Ober- 
thür. 
Oberthür, geboren 1745, Studierte an der Universität: Würzburg 
Philogophie und Theologie, wurde 1773 Professor der Dogmatik ebenda 
und entfaltete als Lehrer und Pädagoge und in gemeinnützigem Wirken 
eine rege, auch Schriftstellerische Tätigkeit. Er Starb 1831, 86 Jahre alt. 
In Seiner Selbstbiographie!) hat er Schulerinnerungen niedergelegt, über 
die wir anderwärts berichtet haben.?) Seine Schilderung des philo- 
Sophischen Unterrichts, den er bei den Jeguiten in Würzburg genoß, teilen 
wir im Folgenden mit: . 
Die Philosophie wurde zwei Jahre gelehrt und zwar an der Univer- 
Sität und umfaßte Logik, Metaphysik, Ethik, theoretische Physik, Experimen- 
talphilosophie, Mathematik und'AStronomie. Oberthür hörte die Vorlegungen 
des philosophischen Kurses als Zögling des juJiusspitälischen MusSäums. 
Wir teilen zuerst Oberthürs Urteile über den philosophischen Unterricht 
ünd dann die über Seine Lehrer mit. 
Über den philogophischen Unterricht an der Univerzität, den 
Jeguiten erteilten, urteilt Oberthür im wesentlichen abfällig. Er gibt 
zuergt eine Erklärung geiner ablehnenden Haltung gegenüber. der Philo- 
Sophie und berichtet dann von Sgeinen Vortschritten in der Philosophie. 
'Oberthür legt Seine Abneigung gegen die damals gelehrte Philosophie 
!1) Würzburger VUniversitätsbibliothek. Mchgq. 3521. 34--40. 
2?) Über Seinen Aufenthalt im jzuliusspitälisechen Studentenmusäum Ss. 
Stölzle: „Erziehungs- und Unterrichtsanstalten im Juliusspital zu Würzburg 
von 1580--1803. München 1914.“ S. 135/6. Die „einnoerangon aus 0.8 Gym- 
naglalzeit bieten wir Später in einem zweiten Anuigsatz. 
Zeitzchr., f. Gesch. d. Erzichg, u. d. Unterrichts, V. 4. 1915. 16
	        
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