Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

39 Schnizlein: Die 80genannten Schulpredigten des 16., 17. und 18. Jahrhunderts. 
 
von den Kanzeln herab zur „Guttätigkeit“ aufgefordert;?) die Coburgische 
Kirchenordnung von 1626 schreibt (8. 163): „Dieweil auch Jährlich die 
Schüler ihr FWestum Gregorii halten, an welchem die Jungen Schüler ein- 
geholet und zur Schulen geführet werden, als Soll auf den Selbigen Tag 
jederzeit Jährlich vom Superintendenten, oder wem Solches aufgetragen 
wird, eine besondere Schul-Predigt geschehen, darinnen Lehrmeister und. 
Schüler ihres Amts erinnert und Gott dem Herrn dafür gedancket werde, 
daß er bißhero die Schulen erhalten und zur Schul-Arbeit das Gedeyen 
gegeben.“ Und in der gleichen Ordnung ist (S. 40) noch näher auf diese- 
Predigten eingegangen ; in der dem Gregoriusfest vorhergehenden Sonntags- 
predigt Soll das Volk mit Fleiß ermahnt werden, „ihre Kinderlein, 80 wol 
Mägdlein als Knäblein, dem Herrn Christo zu rechter Zeit zuzuführen 
und in die Schule zu Schicken, auch zur verordneten Schulpredigt Sich. 
persönlichen einzustellen und für die liebe Schul-Jugend beten zu helfen. 
Ks Soll aber die Predigt, welche der Superintendent oder Pfarrer Jedes 
Orts Selbs zu thun, fürnehmlich auf die Punct: Was Schulen 8eyn, wer 
Sie gestifftet und erhalten, und was Sie für Nutzen Schaffen und bringen etc. 
gerichtet seyn und die Zuhörer hiervon umständig und nach Nothdurfft. 
docirt und verständigt werden“. Auch an Orten, wo dergleichen Schul- 
predigten nicht üblich waren, wurde wenigstens ihre Kinrichtung Vor- 
geschlagen; 80 legte Matthias Schenk, der geit 1549 in Augsburg bei 
St. Anna tätig war, im J. 1555 dem Rat eine Denkschrift vor, in der er 
forderte, es Solle ein Prediger in den Aufsichtsrat über die Schulen ge- 
nommen werden, „damit die Schulen von der Kanzel empfohlen würden“. 
Und in Rothenburg o. T. Schrieb im J. 1558 der Rektor Abdias Wickner?*) 
in einem Gutachten an den Rat, der ihm „ein Buchlein Michaelis '"Poxitae“ *) 
überantwortet hatte, in welchem er anzeigt, „wie mann ein Lateinische 
Schull erst vnd nutzlich anrichten Solle“: der Kat Solle die Prediger und 
Kirchendiener ermahnen, „das Sie alle Quatember zum wenigsten einmal 
oder zweir ein Schulpredig tun, wie dan auch an vielen andern orten ge- 
breuchlich vnd in denselbigen die leut unterrichten, wie hoch die zucht 
bey unser Jugentt von nötten Sey vad was für groger nutz daraus ge- 
meiner Statt vnd der Christlichen kirchen erfolge, wenn man die kinder 
vad Jugentt fleissSig zur Schull vnd sStudirn Sonderlich aber zu den nott- 
wendigen kunsten vnd Sprachen halte. Item waß für grogsger vnd geſferlicher 
"Schaden entstehen werde, wen man die kinder nicht in dem zaum vnd in 
der Forcht heltt vnd gie nichts rechtschaffenes Studirn noch lernen lesSet“. 
Wickner Spricht dann weiter davon, daß die Geistlichen dies zwar bis 
jetzt nicht ganz unterlasgen, aber doch nur gelten und nicht mit dem 
) Vgl. O. Kämmel, Gegech. d. Leipziger Schulwesens. Leipzig 1909. S. 244. 
?) Vgl. dazu Schnizlein: Blätter f. d. Gymnagialschulwesgen 50 (1914), 
S. 294-303. 
3) Gemeint ist die 1557 im Druck erschienene Schrift „Consultatio de 
emendandis recteque instituendis litterarum Iudis“; s. dazu C. Schmidt, Michael 
Schütz, genannt Toxites. Straßburg 1888. S8. 67 if. und Würtiemberg 8. 493 8. 
Auch Toxites hatte Schulpredigten emplohlen: ebenda 5. 496.
	        
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