Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Änzeigen. 
Scekrates. Von Adolf Busse. (= Die großen HBrzieher, Bd. 7). 
Berlin, Reuther & Reichard. 1913. X, 248 8. 4,20 M, geb. 5 M. 
Vergleicht man diesgen Band der yerdienstlichen R. Lebhmannschen Mono- 
graphiengammlung mit denen, die Erzieher der neueren Zeit behandeln, 80 
wird einem recht bewußt, mit welch außerordentlichen Schwierigkeiten die 
Darstellung einer Pergönlichkeit aus der Antike zu kämpfen hat, wenigstens 
wenn ernstlich nach wisgenschaftlich gegicherter Erkenntnis gerungen wird; 
denn wenn es nur gilt einen Typus zu Schildern, wie er der Jugend bei 
ihren ersten Bemühungen um das ErfasSgen mensgchlicher Kigenart faßlich 
iSt, 80 Stellt Sich die Lage ganz anders dar: für Solchen Zweck hat die 
Begchäftigung des Späteren Altertums mit dem früheren Sogar -- z. B. 
in dem Niedergchlag in Plutarchs Parallelbiographien --- ein didaktisch 
kaum zu überbietendes Material zugerichtet. 
Bei dem ganzen Charakter der Sammlung, in welcher dieser „Sokrates“ 
erschienen ist, und bei der Pergönlichkeit des Vf., dem auf diesgem Gebiet 
ein Sehr beachtenswerter Aufsatz („Die Anfänge der Erziehungswisgenschaft“ : 
Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik 26 [1910], S. 465 ff.) ver- 
dankt wird, versteht es Sich von gelbst, daß Strenge Wissgenschaftlichkeit 
angestrebt ist. Da. war es denn unvermeidlich, einen Weg durch das 
Gestrüpp der Überlieferung zu Suchen, das Sich um die Persönlichkeit 
des Sokrates dichter herumgelegt hat als um irgendeinen der großen Er- 
zieher der europäischen Menschheit, den Stiſter der christlichen Kirche 
nicht ausgenommen. Denn nicht nur fehlen alle originalen Aufzeichnungen, 
auch die Überlieferung des Sokratesbildes durch Seine Freunde und Schüler 
iSt beispiellos problemreich; zunächst Sind uns von deren Sokratesbildern 
nur zwei unmittelbar zugänglich, das des Platon und das des Xenophon, 
während alle andern Brechungen mühevoll und großenteils ohne Gewähr 
der Richtigkeit aus trümmerhafter Tradition rekonstruiert werden müggen. 
Wer nur ein wenig von den Porschungen der letzten dreißig Jahre über 
Antisthenes gekostet hat, der weiß, wie hier die Phantasie ihr Inftiges 
Spiel treibt. . Und hält man Sich an Platon und Xenophon, 80 hat 
man da, bei reichlichstem Stoffe für die Forschung, erst recht Seine Not, 
den wahren Sokrates zu finden: welcher der beiden hat richtiger gegehen ? 
welche ihrer Schriften geben das treueste Bild (es ist ja nicht in allen 
das nämliche)? wollten S8ie denn überhaupt irgendwo die Art und die 
Lehre des Sokrates historiSch treu wiedergeben? ist nicht vielmehr beiden 
oder doch dem einen von ihnen Sokrates nur die Maske, hinter der Sie
	        
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