Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

78 Stölzle: Ein vergessener Erziehungstheoretiker aus der Reformationgzeit. 
 
Georg Lauterbeck,?) gebürtig von Singinga (Sünching bei Stadtamhof 
in der Oberpfalz?) aus Bayern, Studierte in Leipzig, wurde Dr. iuris, war 
dann in Schulen tätig, Später Stadtschreiber in Naumburg, hernach Mans- 
feldischer Kanzler und endlich Kulmbachischer Rat und Starb 1578. Er 
verfaßte mehrere Jjuridische Werke und zwei pädagogische, nämlich das 
„Regentenbuch“, das mehrmals aufgelegt wurde (1559, 1567, 1579, 1581), 
eine Art Vürstenspiegel, für die Geschichte der Yürstenerziehung nicht ohne 
Bedeutung, *) und die oben genannte „Kurtze und gründliche Anweisung“. 
Wie kam Lauterbeck der Jurist unter die Pädagogen? 
Kr erzählt uns in der Widmung, daß er durch den Krieg geinen 
Dienst verloren, aber doch in Seinem Hause habe bleiben und Seiner Bücher 
warten dürfen. Da habe er in den Büchern zufällig ein Verzeichnis ge- 
funden, wie man die Kinder gottgelig auferziehen, zur Schulen halten und 
mit guten Künsten und Sitten rechtschaffen unterweisen 8011, welches er 
zur Selben Zeit, als er in Schulen gewesen, für Sich gemacht, damit er 
wüßte, wie und was er die Kinder lehren Sollte. In den zwölf Jahren, 
die er zu Hofe mit andern Geschäften beladen gewesgen, Sei es ihm etwas 
fremd und Schier unkenntlich geworden. Er habe es von neuem übergehen 
und, da er Jetzt nicht viel zu tun gehabt, in diese Ordnung gebracht und 
mit etlichen feinen Historien gebessert, den einfältigen Laien, die Kinder 
haben und dieselben gern recht und wohl ziehen wollten, besonders aber 
den gräflichen Söhnen zum besten. Ir widmet das Büchlein auch Hans 
Georgen Grafen und Herrn zu Mansfeld, edlem Herrn zu Veldrung, Seinem 
gnädigen Herrn, Dienstags nach Judica anno 1550.“ Lauterbeck war also 
in früheren Jahren Lehrer gewesen, wie er auch in der Schrift gSelbst Sich 
auf Seine Lehrerfahrungen beruft. In der an die Widmung anschließenden 
»„ Vorrede“ erklärt er: Er Sei vor dieger Zeit (d. h. vor 1550) viele Jahre 
und Schier von Jugend auf in Schulen gewegen und habe allerlei erfahren, 
Sehe auch Jjetzund, wie unfeißig von allen Teilen an etlichen Orten mit 
der Jugend umgegangen werde. Daher habe er als der geringste der 
Jugend zum besten Seinen Dienst auch daran wenden und was er dazumal 
geschrieben, Jetzt, weil er Zeit und Raum gehabt, wieder übersehen und 
an den 'Tag geben und also etliche Tage um der Kinder willen wieder zum 
Kinde werden wollen. Man könnte ein großes und langes Buch darüber 
Schreiben, besonders wie die Kinder, ehe man gie in die Schule gebe, er- 
"zogen werden Sollen. Man Sei hierin 80 unfleißig, daß man die Kinder 
ohne alle Zucht dahingehen und aufwachsen lasse. Auch Lactantius er- 
kläre die Aufziehung des Menschen für mühsam, und den Mangel daran 
Schreibe er unserem Unfleiß zu, und Quintilian und andere hätten weit- 
läufig davon gehandelt. Er wolle es kurz machen. Mehr um der Kiltern 
!) Vgl. Jöcher, Gelehrtenlexikon 2 (Leipzig 1750), Sp. 2321/2; Zedler, 
Universgallexikon 16 (1737), 8.1208; Regentenbuch 1579, hinter dem Titelblatt: Verse 
von Henricus Brem, Curiensis, über Lauterbecks Geburt, Leben und Studien. 
2?) Vgl. W. Münch, Gedanken über Fürstenerziehung. München 1909, wo 
öS. 316. Anm. 47, das Regentenbuch, Leipzig 1537 (statt 1567), erwähnt ist,
	        
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