Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Stölzle: Ein vergessener Erziehungstheoretiker aus der Reformationszeit. 79 
 
 
und ihrer Kinder als um der Schulmeister willen habe er dies Büchlein 
geschrieben. Die Schulmeister haben andere Vorbilder für Unterweisung 
der Kinder, obwohl Sie auch in dieszem Buch finden werden, daß es nütz- 
lich und gut Sei, 80 mit den Kindern umzugehen. Er habe in der Praxis 
diese Art, die Kinder 80 zu unterweisgen, als die rechte Art und W eise 
befunden, begonders was die Anfänge betreffe. Sage doch der Poet: Soviel 
Köpfe, Soviel Sinne. Kin jeder habe Seine Weisge. Wer es besger könne 
und wis8se, der gebrauche es und danke Gott für golche Gaben. Dies Buch 
Sei um der Kinfältigen und besonders um der Eltern willen geschrieben, 
die es nicht besser wisSen. Alle Seien verpflichtet und Schuldig, ein 
jeder nach geinem Verstand und Vermögen zu helfen und zu raten, daß 
Solch christlich und nützlich Werk (nämlich die jungen Kinder recht und 
christlich aufzuziehen und zur Schule zu halten, auch mit tüchtigen 
Lehrern und Schulmeistern zu vergehen) möchte im Schwang bleiben und 
erhalten werden. Nach dieser Vorrede gibt TLauterbeck die Einteilung 
Seines Buches an, das im ersten Teil von Anufziehung der Kinder, im zweiten 
von Unterweisung dergelben, im dritten von guten Sitten handle. Den 
wesentlichen Inhalt dieser Erziehungs- und Unterrichtglehre geben wir 
im folgenden. 
1 Von Auferziehung der Kinder. 
Dieger Abschnitt umfaßt, 4 Kapitel, nämlich: 1. „Wie Sich die Elter n 
halten Sollen, welche Kinder haben, 80 zur Lehre und guten Sitten gollen 
gezogen werden“; 2. „Was Schadens und Nachteils erfolget, wenn die Eiltern 
Säumig und nachlässig Sein in der Kinderzucht“; „3. In wagerlei Stücken 
die Auferziehung der Kinder stehe“; 4. „Von der Kleidung“. Lauterbeck 
führt im einzelnen folgendes aus. Die Eltern müsgen ihre Kinder für 
andere erziehen, daher Sie von Jugend auf in Gottesfurcht, Znacht, Khre 
und guten Küngsten zu erziehen und zur Lehre und Schule zu halten gind. 
Nicht bloß der Leib, Sondern noch mehr der Verstand mügse gebildet 
werden, denn nicht die Gestalt, Sondern das Gemüt mache zum Mengchen 
oder zum Tier. Diege Erziehung der Kinder müsse 8chon anfangen, wenn 
Sie kaum reden gelernt haben, mit guter Lehre und Exempeln. Die Ritern 
müssSen Selbst ein gutes Beispiel geben in Reden und Handeln. Denn die 
„Jugend folge lieber dem Argen als dem Guten und behalte eher und 
länger, was Sie mit Augen Sehe, als was gie mit Ohren höre. Daher 
werde Sie besger mit Kxempeln als mit viel Worten zur "Tugend und 
Ehrbarkeit gezogen (Kap. 1). Den Nachteil nachläsgsiger und den Segen 
rechtschaffener Erziehung illustriert Lauterbeck durch Beispiele von den 
gut erzogenen Königen Cyrus und Darius und ihren Schlecht erzogenen 
Söhnen Cambyses und Xerxes. VYür übel geratene Kinder gei nicht immer 
der Praeceptor, Sondern die nachlässige Krziehung der Kiltern verantwort- 
lich zu machen. Als Beispiele Sorgfältiger Erziehung führt er die Römer 
an, des Tacitus Schilderung römischer Erziehung (im „Dialogus“), Cornelia, 
die Mutter der Gracchen, und Aurelia, die Mutter des Kaizers Julins (Kap. 2). 
Bezüglich der Wartung des Leibes der Kinder gibt Lauterbeck eingehende 
6*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.