Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

Stölzle: Ein vergesgener Erziehungstheoretiker aus der Reformationszeit. 81 
 
Trembde örter verschicken 801“; Kap. 24: „Ob es besser 8ey, die Kinder 
in gemeinen Schulen oder daheim im Haus lernen zu lasgen“. -- Wir 
heben das Wesgentliche von diesen Kaviteln hervor, Lauterbeck mahnt 
die Eltern, ihren Kindern mehr gute Erziehung als Reichtümer zu geben: 
letztere könne man verlieren, erstere nicht, und bekräftigt Seine Mahnung 
mit Verweisung auf Aussprüche (von Stilpo und Aristipp) und Beispiele 
der Heiden. Dabei klagt er über die Reichen, die ihre Kinder viel lieber 
Arznei oder Rechte studiren oder Händler oder Kaufleute werden als die 
H1. Schrift lernen lasSen, auch tadelt er die Reichen, weil Sie oft Armen 
die Stipendia wegnehmen (Kap. 5). Bezüglich des Schulbeginns notiert 
Lauterbeck die Verschiedenheit der Angichten hierüber. Dis einen Setzen 
das 7. Jahr für den Beginn fest, andere, wie Quintilian und Erasmus 
wollen möglichst früh mit dem Lernen beginnen, gobald die Kinder reden 
können. Lauterbeck lehnt ein bestimmtes Jahr ab. Aber er unterscheidet: 
Kinder, welche Schlechte Erziehung zu Hause haben, 8011 man möglichst 
bald in die Schule Schicken, denn mit Solchen Kindern hat der Schul- 
meister doppelte Müh und Arbeit, nämlich einerseits ihnen die gewohnten 
Laster abzugewöhnen, andergeits Sie recht zu unterweisen. Bei andern 
Kindern ist zu prüfen, ob Sie vor dem 7. Jahr nicht zu Schwach zum 
Lernen gind. Jedenfalls will Sie Lauterbeck vor dem 5. Jahr nicht in 
der Schule wissen. Verstand und Sinn der MensSchen brauchen Zeit zur 
Entwicklung. Zu früher Unterricht Schadet. Denn mit Verstand können 
Kinder nicht 80 bald arbeiten, besonders wenn Sie grobe unverständige 
Lehrer bekommen. Dadurch werden Solche Kinder der Schule feind und 
laufen davon. Die Praeceptores und Schulmeister sollen Knaben Instig 
und durch Geschenke, Verheißungen, Loben willig erhalten, Sich zu ihnen 
herunterlasSen, Sie gütig und freundlich behandeln, nicht grimmig, nicht 
Zornig und nicht mit Schlägen (Kap. 6). Die Eltern Sollen, wenn gie ihre 
Kinder in die Schule bringen, um Gottes Gnade und Segen für gie bitten, 
denn ohne diese richten Kinder trotz Studieren nichts aus (Kap. 7). Dann 
Sollen die Kltern begonderes Augenmerk haben auf die richtige Wahl 
eines Schulmeisters. Nicht den ' nächsten besten Soll man nehmen, wie es 
jetzt oft geSchehe, wo man größeren Vleiß auf Abrichtung von Pferden 
und Wachtelhunden verwende als auf die Wahl richtiger Lehrer. Be- 
Sonders wird den großen Herren Vorgicht in der Auswahl der Lehrer em- 
Pfohlen. Die Unterweisung durch den Vater, die manche als das Beste 
preisen, 8ei bei den Deutschen nicht durchführbar, weil Sie Sich dieser 
Dinge nicht befleißigen, große Herren auch andere Sachen zu thun hätten. Es 
müßten also Not halber die Kinder fremden Meistern übergeben werden. 
Dabei Soll nicht bloß auf Kenntnisse, Sondern besonders auf gute Sitten 
der Lehrer geSehen werden. Auch Schon für den Unterricht der Anfänger 
Sei nicht etwa ein geringer oder Schlechter Meister zu wählen, Sondern 
der beste. Denn werde der Grund am Anfang gschlecht gelegt, 80 Sei das 
Schwer gutzumachen. Auch goll man nicht einen Schulmeister wählen, 
der allzu viele Schüler hat. Denn Solche Menge erzeuge Beschwerung,
	        
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