Full text: Zeitschrift für Geschichte der Erziehung und des Unterrichts - 5.1915 (5)

99 GStölzle: Ein vergessener Erziehungstheoretiker aus der Reformationsgzeit. 
 
Lauterbeck beruft Sich zwar manchmal auf Seine eigenen praktischen 
Schulerfahrungen, aber er ist doch vielfach abhängig von Quintilian, von 
Plutarch, Tacitus („Dialogus“), auch Erasgmus, die er ausdrücklich und 
öfter nennt, wie er überhaupt über eine reiche Belegenbheit in Literatur 
und Geschbichte verfügt. Auch hat er z. B. das Kapitel 20 über die Zeit- 
einteilung für das Studium einfach fast wörtlich von Petrus MoSellanus 
herübergenommen, ohne die Quelle zu nennen. Dieses Verfahren legt den 
Gedanken nahe, daß Seine Originalität und Selbständigkeit nicht allzu 
groß ist, doch bedürfte es zu einem endgültigen Urteil hierüber einer be- 
Sonderen Unterguchung. 
Dagegen haben Anspruch auf Originalität Seine verschiedenen Aus- 
führungen, welche kulturhistoriSche Dinge betreffen. Wir gewinnen Ein- 
blick in die damaligen Zeitverhältnisge, wenn wir Lauterbecks Klagen 
hören. Er klagt über rohes und unzüchtiges Leben an Höfen (Saufen, 
Fressen, Schwören), über Habsucht der Reichen, über Kleiderluxus und 
über Trunksgucht, über die Gewohnheit zu fluchen und auf die Obrigkeit 
bei Bier und Wein zu rägonieren, über die materielle GeSinnungsrichtung, 
die die Studien und die Geistlichen gering achte, und über Vernach- 
läsSigung der Iinderzucht, über Schlechte Bezablung und Geringschätzung, 
auch über pädagogisches Ungeschick der Lehrer, über die geringen PFort- 
Schritte der Schüler im Latein und über die vielfach herrschende Prügel- 
pädagogik. Diese Klagen, die ein Licht auf die Zeit werten, lassen 
Lauterbeck als einen Sittlich ernsten und rechtlich und ideal denkenden 
Mann erscheinen. Daher hat Sein Büchlein wohl Ansprüuch, der Ver- 
&esSenheit entrissen zu werden.
	        
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