Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 29.1928 (29)

356 M. J. Bas80yY 
 
Beantwortung dieser Fragen durch Jeden Deutschen Keinesfalls als Minimal- 
forderung aufstellen dürfen. Nur unter Starken Vorbehalten ist es deshalb Stait- 
haft, vergleichend einen Blick auf die entsprechenden Meisterschen und Müller- 
Jungschen Retentionswerte zu richten. Aber auch ohne diesen Seitenblick zeigt Sict 
die Anwendung der Meisterschen Bewertung als nicht gleichgültig. Sie ergibi 
folgende Zahl: 
108» 34 49-2-4-43-1 bezogen auf 25-15- 3=665 : 1125 = (rund) 59 %. 
Abermals liegt der gefundene Wert ungefähr in der gleichen Höhe wie der vor 
Meister gefundene (62/0) und der nach den Ergebnissen Müller-Jungs errechnete 
(470%). Keinesfalls wissen die ehemaligen Lyzealschülerinnen entfernt so viel, als 
man wenigstens ein Jahr nach Erlangung der mittleren Reife von ihnen verlangen 
müßte. Den Abstand ihres Wissens von dem ehemaliger Volksschüler ab- 
zuSchätzen, bleibt dem einzelnen Leger überlassen. Für die Öffentlichkeit ist es 
entscheidend, die vorliegenden Untersuchungen an vielen Stellen des Reiches durch- 
zuführen, damit man den Dauererfolg unserer Kraft-, zeit- und geldraubenden 
Schularbeit hinsichtlich der Wissensübermittlung endlich einmal vorurteilslos 
und kritisch prüft. 
X xX 
Typen Yvorschulpflichtiger Kinder, 
Eine psychologisch-pädagogische Studie. 
Yon M. J. Bass0y. 
Aus den wissenschattlichen Beobachtungen, die an den Kindern in den Verhält- 
nIiSSen ihrer natürlichen Umgebung und der pädagogischen Arbeit vorgenommen 
werden, ergibt es Sich, daß wir bereits in früber Kindheit unter den Kindern 
vorschulpflichtigen Alters bezeichnenden Äußerungen kindlicher Individualität 
begegnen, konstanten, typischen Eigentümlichkeiten, durch die ein Kind vom 
andern ich unterscheidet. Ziebt man die Mannigfaltigkeit der hauptsächlichen, 
die menschliche Entwicklung bestimmenden Faktoren in Betracht, 80 liegt Ja 
hierin nichts Erstaunliches. Die Somatische Pedologie der Gegenwart stellt gleich- 
falls -- in der Lehre von den kindlichen Konstitutionen -- die unbestreitbare 
Tatsache des Bestebens typischer, konstitutioneller Eigentümlichkeiten im der 
früben Kindheit fest. Die Individualpsychologie oder Cbarakterologie des frühen 
Kindesgalters bat ihr Tatsachenmaterial bis jetzt noch nicht in dem Maße systema- 
tsSiert, wie dies eigentlich der Fall Sein müßte; es unterliegt Jedoch keinem 
Zweifel, daß Sie dies in absehbarer Zeit tun wird; denn die diesbezüglichen 
Materialien häufen Sich allmählich an, und ibre Sowohl theoretische, als prak- 
üsche Bedeutung ist klar. | 
In der vorliegenden Studie wollen wir uns an einigen Szenen aus dem Kinder- 
leben aufbalten, die uns durch ihren prägnanten Charakter fFrappiert haben, aus 
dem Leben gegriffen Sind und die konstanten Unterschiede zweier Kindertypen 
widerspiegeln. 
Die Betrachtung der individuellen Eigentümlichkeiten der Kinder bringt uns 
Jedoch unumgänglich auf die ihre Erziehung betreffenden Fragen, erheischt die 
pädagogische Erfassung dieser Eigentümlichkeiten, Sei es auch nur in großen 
Zügen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.