Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 29.1928 (29)

380 M. JT. Bass0v 
 
Beob.: „Ja, jetzt Sind Sie nach Hause. gekommen.“ Vom Wachtturme aus 
fragt ein Feuermann die die Feuerwehrleute darstellenden Kinder: „Habt ihr 
das Katzenhaus löschen helfen?“ 
Die Kinder im Chor: „Ja.“ 
K.: „Warum bat man das Katzenhaus gelöscht?“ 
Beob.: „Weil's gebrannt hat.“ 
Der Feuerwehrmann Schlägt vor, das Feuerwehrlied zu Singen. Es wird im 
Chor gesungen : 
„Mieze, Mieze, Mieze, Maus, 
S'iet gelöscht, das Katzenhaus.“ 
K. 8Schweigt, das Gesicht behält den ernsten Ausdruck bei, Sie hält die Hand 
der Beob. 
Das Licht wird ausgemacht. Beifallsklatschen ertönt. 
K. Klatscht ein paarmal, darauf: „Wo ist denn der Feuerwebrmann?“ 
Beob.: „Er ist fortgegangen.“ | 
K.: „Werden wir Jetzt nach Hause gehen?“ 
Beob.: „Ja.“ 
K.: „Wo 1st denn mein Mantel?“ 
Beob.: „Dort unten, beim Wärter, in der Garderobe.“ 
K. faßt die Beob. an der Hand, gleitet von der Bank berunter und gebt nach 
unten. Als Sie an der Bühne vorbeikommt, läuft Sie die Stufen empor und Sagt: 
„Ich will mal Schauen.“ 
Einer von den Theaterangestellten: „Hier ist der Eintritt verboten!“ 
K. läuft rasch die Stufen berunter und verläßt den Saal. 
Neuer Eindrücke voll, Ja von ihnen übersättigt, durch ihre Fülle ermüdet, 
hat dieses Kind das Theater verlassen. Dort, wo der Pädagoge es mit einer der- 
artigen. Persönlichkeit zu tun hat, bat er offenbar nicht für die Verbindung des 
Kindes mit der Außenwelt Sorge zu tragen, wie er dies bei der Arbeit an Kindern 
des entgegengesetzten Typus zu tun bat; es bandelt Sich vielmehr darum, das 
Kind zurückzubalten, Sein maßvolles YVorwärtsdrängen ueuen Eindrücken ent- 
gegen zugunsten der Versinnlichung und Verarbeitung der bereits erhaltenen Ein- 
drücke einzudämmen. 
In bedeutenderem Maße als dies bei den Kindern des anderen Typus nötig 1st, 
muß bier der Pädagoge auf die Auswabl der Stimuli bedacht 8ein, denn Kinder 
des Katja-Typus werden unterschiedlos von allen neuen Stimuli angezogen: gute 
und böge, nützliche und Schädliche, keine dieser Stimuli treffen bei ihnen auf 
irgendwelchen Widerstand. Der Lebenstonus des diesen Typus repräsentierenden 
Kindes ist höher, freudiger, als dies bei dem ihm entgegengezetzten der Fall ist. 
Gute Stimmung, belles Lachen, ungestüme Beweglichkeit Sind bei K. häufiger 
zu konstatieren als bei L. Auch hbinsichtlich ihrer Beziehung zum Sozialen Milieu 
weisen die beiden Mädchen durchgreifende Unterschiede auf. K. ist mitteilsamer 
als L., Sze kann mit allen und Jedem Freundscbhaft Schließen, Sie kommt Jedem 
neuen Menschen -- ob er ein Erwachsener oder ein Kind Sein möge -- offenen 
Herzens entgegen. L. hingegen 1st in ibrem Verhältnis zu den Kindern und zu den 
SIe umgebenden Erwachzenen in gewisgem Maße wäblerisch: mit den einen 1st S1e 
eng befreundet, andern gegenüber legt Sie eine unverhoblene Antipatbie an den
	        
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