Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 29.1928 (29)

Kleine Beiträge und Mitteilungen 495 
 
angenehmer Arbeiten, Überwindung beim Anblick oder Berühren ekelhaiter Dinge, Ver- 
zicht auf weiches Lager usw.) 
4. Verwandten Sie in Ihrer Jugend in besftimmten Situationen bestimmte Bräuche oder 
Formeln, die Sie nicht vernachläsSigen durften, ohne daß es Sie irgendwie bedrückte 
oder daß Sie Schlimmes befürchteten ? (z. B. bestimmte Formeln und Bräuche beim 
Gutenachtsagen ; bei Verabschiedung von guten Freunden, verreisenden Angehörigen ; beim 
Glückwünschen für Pergonen, die vor Entscheidungen, Prüfungen oder dgl. stehen.) Wie 
lauteten diese Formeln ? | 
5. Brauchten Sie zuweilen, öfter oder immer vor wichtigen Entscheidungen und Unter- 
nehmungen oder wenn Sie Ihr künftiges Ergeben Stark vom Zufall abhängig glaubten, 
S0g. Orakel oder Schicksalsbefragungen ? Und zwar 
a) Orakel, die darin bestanden, daß Sie Selbst eine Leistung vollziehen mußten, 
die an Sich mit dem Erwarteten oder Gefürchteten nichts oder kaum etwas zu tun hatte? 
(z. B. GeschicklichkeitsleisStungen wie Balanzieren auf niedrigen Geländern, Wettlaufen 
mit einem Auto oder einer Straßenbahn bis zu einem gewissgen Punkt, ZusammensSuchen 
einer bestimmten Anzahl von Schimmeln, Soldaten, Strohhüten usw.) Verfolgten Sie mit 
derartigen Orakeln die Sicherstellung einer bestimmten Unternehmung oder Sollte Ihnen 
das Orakel ganz im allgemeinen die Beruhigung geben, daß „alles in Ordnung“ Sei? 
b) Orakel, in denen Sie Sich gelbst mehr pasSsSiv verhielten ? (z. B. von zwei Straßen- 
bahnlinien, die am Hause vorbeifahren, bedeutet Treffen der einen beim Herunterkommen 
Glück, der anderen Unglück; eine Person kommt die Treppe berauf, während die Uhr im 
Zimmer schlägt; erreicht Sie die Tür, bevor es ausgeschlagen hat, 80 „ist es gut“, andern- 
falls „Schlecht“; beim Zählen der Bäume eines bestimmten Wegabschnittes bedeutet eine 
gerade Zahl Glück, die ungerade Unglück usw.) Zielten Solche Orakel auf bestimmte 
Zwecke oder waren Sie allgemein (vgl. 5a)? 
6. Verguchten Sie direkte BeeinflusSungen des Geschebhens und zwar 
a) durch intensgives Wünsgchen. (z. B. Verbindern des Regens durch intensives Wünschen 
yon Sonnenschein ; Herbeiziehpen eines erwünschten BeSuchs durch intensives Denken an 
Sein Kommen usw.) Oder versuchten Sie Solche Beeinflussungen durch Gebete, vielleicht 
auch unter Verwendung bestimmter Zeremonien ? (Genaue Schilderung der Zeremonien, 
Wortlaut der Gebete.) 
b) durch Konzentration auf das Gegenteil des Gewünschten (80g. Verrufen) ? (z. B. wer 
in der Lotterie spielt, Sagt Sich dauernd: „Ich gewinne Bichts“, um etwas zu bekommen ; 
der Schüler konzentriert Seine Gedanken auf eine Schlechte Note, um eine gute zu er- 
balten ; man wünscht jemand Hals- und Beinbruch, um ihm Glück zu erwirken usw.) 
7. Begaßen Sie bestimmte glückbringende Gegenstände ? Bielten Sie bestimmte Zahlen, 
Tage, Farben, Kleider, Menschen usw. für Glückbringer oder Unglückbringer? (z.B. Kinder 
besitzen oft Talismane oder Amulette, die in der Schule „Glück“ bringen Sollen, Blei- 
Stifte, Steine, GlasScherben, Lezezeichen usw.; Jugendliche halten oft bestimmte Klei- 
der vu. dgl. für bedeutungsvoll in diesem Sinne; fast alle Menschen haben bestimmte 
Glückszablen, Glücksdaten, Glückstage usw.) 
8. Hatten Sie allgemein eine Meinung darüber, daß gich Glück und Unglück in perio- 
digeber Weise abwechseln. müßten ? (Manche Mengchen z. B. erwarten nach einer Reihe 
von gelungenen Unternehmungen oder von glücklichen Tagen bestimmt Unglück und um- 
gekehrt. Manche glauben auch, daß ein bestimmtes Quantum Unglück stetfs einem be- 
Stimmten Quantum Glück die Wage halten muß). Versuchten Sie das zu erwartende Un- 
glück durch freiwillige Opfer abzuwenden ? (Siebe „Ring des Polykrates“.) 
Fragebogen. 11. Teil. | 
9. Üben Sie die oben beschriebenen Bräuche heute noch? Zuweilen oder Sehr häufig? 
Nur vor Sehr wichtigen Entscheidungen, oder ist auch Ihr tägliches Leben stark damit. 
durchSgetzt ?
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.