Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 29.1928 (29)

536 Kleine Beiträge und Mitteilungen 
 
man auf dieseem Wege zu einem differenzierteren Auswertungsverfahren des 
Wortschatztests gelangen, das einen exakteren Ausdruck für die Sprachbeherr- 
Schung der verschiedenen Prüflinge ermöglichen würde. Anderseits würde die 
qualitative Analyse des Wortschatztests theoretisch wichtige Aufschlüsse über 
das Verhältnis unserer Kinder und Jugendlichen zum Wortschatz der Mutter- 
Sprache geben können. 
x * 
Kleine Beiträge und Mitteilungen. 
Zur Frage des Schulpsychologen an höheren Schulen. 
Gegenwärtig wird das Problem des Schulpsychologen wieder stärker erörtert. 
Und zwar ist die Frage Jetzt Speziell für die höheren Schulen aufgeworfen wor- 
den; den Änstoß dazu gab das vom preußischen Kultusministerium herausge- 
gebene Gutachten von W, Hoffmann und W. Stern über Sittlichkeitsvergehen 
an höheren Schulen, in welchem beide Gutachten betonen, wie wünschenswert es 
Sei, wenn an Jeder höheren Schule wenigstens ein jugendpsychologisch durch- 
gebildeter Lebrer anwesend sei und als Vertrauensperson fungieren könne. 
Soeben nimmt nun (in einer Besprechung jenes Gutachtens, Deutsches Philo- 
logenblatt, 12. September 1928) ein Praktiker und Schulleiter Sehr posi- 
ave Stellung zu diesem Vorschlag. - Der (durch Seine Schriften über Jugend- 
bewegung und Verwandtes wobl bekannte) Oberstudiendirektor D. H. Schlem- 
mer im Frankfurt a. M. äußert Sich „zu der namentlich von Stern immer wieder 
erbobenen Forderung des Schulpsychologen, der ebenso wie der Schularzt zu 
Jeder Schule gehöre. Es Soll das keineswegs eine außerhalb des Kollegiums 
Stebende Persönlichkeit Sein, Sondern in der Regel wird damit ein Lehrer be- 
traut werden können, der aber eine besondere psychologische Schulung theo- 
retischer und praktischer Art baben muß und in Seiner Unterrichtstätigkeit 80- 
weit entlastet wird, daß er Seinen besonderen Funktionen in Rube nachgehen 
kann. Mir Scheint diese Einrichtung außerordentlich wünschens- 
wert. Bei den ungeheuren Anforderungen, die namentlich durch den modernen 
Arbeitsunterricht an den Lehrer der höberen Schule in wissenschaftlicher Hin- 
Sicht gestellt werden, ist es ganz unmöglich, daß Jeder neben Seinen Fachwis- 
Senschaften auch noch die Jugendpsychologie in Spezieller Weise betreibt. Er 
SO] etwas von abr wissgen und namentlich für Sie Verständnis baben, Selbstver- 
Ständlich; aber Spezialist kann hier nicht Jeder Sein. Ein Solcher Spezialist iSt 
aber nötig, der in allen vorkommenden Fällen dem Ordinarius und dem Direktor 
zur Seite Steht und der im übrigen, mit dem Schon erwähnten Schweigerecht 
ausgerüstet, die Sexuelle Beratung der Schülerschaft übernimmt. Hier wäre 
einmal ein Punkt, wo wirklich eine gar nicht Schwer durch- 
zuführende praktische Reform möglich wäre. Möchte es nicht 
bei den theoretischen Erwägungen bleiben!“ 
 
1 Vgl. auch die AusSprache über das gleiche Thema auf der Sachverständigen-Konferenz 
für Psychopathenfürsorge.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.