Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 29.1928 (29)

Zur Bewertung der GeSämtpersönlichkeit des Schülers. 
Von Walter Autenrieth. 
Die vorliegende Untersuchung glaubt zu dem genannten Lhema zwei Ge- 
danken beisteuern zu können, was die grundsätzliche und was die 
methodische Behandlung betrifft. In den meisten Arbeiten über die 
Schülerleistung Steht entweder der Wert der Leistung für den Eintritt in 
eine Schule oder in einen Beruf im Vordergrund, Je nachdem es aich um 
eine Ausglese für einen dieser beiden Zwecke handelt. Man beschränkte Sich 
darauf, Spezielle Funktionen zu prüfen, möglichst kurz vor dem Zeitpunkt, 
wo 81e gebraucht werden Sollten. Da Wandlungen im Kräfteverhältnis einer 
Person immerhin vorkommen, wollte man Totalbewertungen und Prognosen 
vermeiden. 
Es ist Jedoch leicht zu zeigen, daß z. B. bei den Entscheidungen der 
Schulpraxis meist unbewußt doch immer Solche Gesamtbewertungen und 
Prognosgen mitsprechen. Wo es um die Yergeizung eines Schülers geht, 
dessen Leistungen an der Grenze der Vergetzbarkeit Stehen, werten wir im 
Konflikt der Pflichten zum Schluß immer noch ein Bündel von Werturteilen 
in die Debatie; es beißt dann: er wird Sich im nächsten Jabr durchreißen, -- 
er ist nur noch verträumt, -- er bat zich durch eine Liebbaberei Fesseln 
JasSen, -- er kann mitunier die Klasse zum BesSeren begeistern und führen ; 
oder umgekehrt: er ist wirklich unzuverlässig, -- er vergucht nur zu markieren, 
-- er wird was wir ihm beibringen doch nur zu Schlechtem Gebrauch verwerten, 
-- er verdirbt die Klasse usw. Noch mehr fallen Solche Beweggründe ins Ge- 
wicht, wenn es Sich um die Überführung in eine andere Schulgattung oder 
in einen anderen Zweig der gleichen Schule handelt, und vor allem auch bei 
der Begutachtung der Schulgeldbefreiung oder der Stipendiengesuche, wobei 
Ja oft über die Fortsetzung der Studien entschieden wird. Die Frage formt 
Sich häufig geradezu Juristiscch: Kann man es als im öffentlichen Inter- 
esse gelegen erachten, daß der und Jener Schüler nicht zurückbleibt oder 
bei der Ausbildung bleibt? -- 
Wenn wir also doch bewußt oder unbewußt 50 oft die Gesamtpersönlichkeit 
mitbewerten und Prognosen mit entscheiden lassen, 50 kann man allerdings 
fordern, daß nichts unversucht bleibe, um Zweifel, Stimmungen und Will- 
kür auszuschalten; daß man, Soweit es gebt, wie für die intellektuelle 80 
auch für die ethische Bewertung und damit für die Gesamt- 
bewertung Unterlagen methodisch Schaffe und die Prognosen begründet 
und bewußt aufstelle. 
Zwei Bedenken tauchen hier auf. Das erste betrifft die möglichen W an d- 
lungen. Es ist für das folgende nötig, einmal kurz wieder festzustellen, 
daß Sie doch immerbin zehr Selten Sind. Zum Beleg erinnere ich an die Stern- 
Zeitschrift f. pädagog. Pasychologie. 5
	        
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