Full text: Hamburgische Schulzeitung - 3.1895 (3)

 
| amburgi che Schulzeitung. 
Eine Wochenſchrift für die Angelegenheiten des Unterrichts, 
der Erziehung und des Lehrerſtandes. 
Redaktion : 
Chr. Hamann, Hamburg 3, 
Finkenau 2, t- 
Herausgegeben 
von hamburgiſrheun Lehrert. 
Verlag: 
Otto Meißner, Hamburg, 
Hermannſtraße 44. 
 
Die Hamburgiſche Schulzeitung erſcheint wöchentlich in einem Bogen Groß-Quartformat zum Preiſe von 1 Mark 50 Pf. für das 
Dierteljahr. Beſtellnngen nehmen alle Buchhandlungen und Poſtämter ohne Preisauſjchlag an. =- Beiträge ſind an die Redaktion, 
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Nachdruck aus dieſer Zeitung iſt, falls nicht ausdrücklich verboten, nur unter deutlicher Quellenangabe geſtattet. 
3. Jahrgang. 
2. Oktober 1895. 
Ir. 40. 
 
„Der geſeßliche Weg.“ 
Eine Plauderei von K. Heins. 
Jh fenne zwei Freunde =- mögen ne Friß und 
Franz genannt werden -- die fi vit und gern mit- 
nander unterhalten. Beide find zufrieden mit ihrem 
Los und: lüelie dUrd) ihre T hätigfeit, die feine geringere 
heißt den Menſchenerziehung. Daher find auch beide 
Jeiteren Gemüts; aber zuweilen können fe doch recht 
ert werden. Sie handeln oft nach dem Worte 
PeſtalozziS: „Man muß feine Augen wegwendeitt von 
allent, was geſchieht, um für das, was geſchehen ſollte, 
im fich telbſt reineres Gefühl zu erhalten.“ Wenn iſe 
dam aber na 4 toleßem „die Augen wegwenden“ und 
„nit reinerent Gefühl“ einmal um fich ühanen, da will 
ignen doc) oft ihre Zeit wenig gefallen. Was ſte dann 
gelegentlich äutzern, 1o hier eine Stelle finden, um 
aiich andern, die erntt denfeit und recht wollen, zu 
BGehör zu fonmen. 
XIB Und Frainz durdjſchreiten die rädtiichen An- 
lagen. „Die Anlage? werden dem Schutze des Vublifims 
ampohblen,“ fo lefen ne an ſchönen, eifernen Ständern 
and auf verzierten Tafeln wiederholt dieſelbe Imſchrift; 
ine it doc) eine Vitte, ja eine Aufforderung des Staates 
au feine verminitigen Angehörigen. Fritz i!t gerade 
dabei, feiitent Freunde klarzumachen, da8 1olc<e Jn 
ſchriften doch eigentlich unnötig fein müßten, da das 
Publikum mur feine Pflicht thu, wenn es tädtiiche 
Anlagen beſchübe. Er meint: „Wer kolte es micht 
yum, micht aus eigenem, imernem Antriebe; wozu noch 
diefe Aufforderung 2?!“ Da unterbricht ihm Franz vlöß: 
lich: „Siel) doch einmal, was machen. die Jungen da ? 
Sie zerreißen wd zertreken die Anlagen, aus reinem 
Übermut und Frevel 
FÜ? „Das vaßt zu unſerer Unterhaltung! Die 
münen wir abfaſſen und. aehörig ohrfeigen, daß fe 
lerne, zu fhonen und zu „ächten, was Menſchen 
anlegten, fich und andern zur Freude und zum Nuten !“ 
Franz: „Bitte Freund, keine Übereilung! Laß 
uns einen Augenblick „beobachten -- und lernen! Dort 
fommen von beiden Seiten Erwachſene, Herren und 
Damen ; wir wollen abwarten, was die hmm und wollen 
iehen, wie die Knaben fich dabei verhalten.“ 
So geſchieß t's. == Verſhiedene Herren und Damen 
gehen achtlos vorüber, einige Tfehen ſ<arf hin, eine 
 
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Danie wagt ſogar zu fageint: „Wollt ihr das mal layen ! 
=-- Lachen und Geſpött ſchallt als Antwort zurück! Cs 
it offenbar, die Jungen beſiten bei ihren Unarten noch 
obendrein eine bodenloſe Frecßheit. Sie ſcheinen icht 
daran zu denfen, daß Erwachſene ihnen etwas anhaben 
fünnten. 
FYanz: „Sv, Freund, nun in an uns die Netle. 
Was wollen wir mun thun ?“ 
NLB: „Was anders, als vinnmrzen und UNEP 
Knüpvel auf dem Rücfen jener Strolche tanzen laſſen! 
Was muß aus Knaben werden, die feßt ſcon int größten 
Unrecht ſolche Frechheit beweiten und Vor Crwachtenen 
feinen Repekft fennen! = Alfo fomm! Sied, wir 1n18d 
„Bublifum“, und „Dem < Schutze des Vu! glifums- nnd die 
Anlagen ja empvrohlen.“ 
Franz: „Du daft vollkommen rohr, aber es Jeht 
fo mht; das itt nicht „der aefetliche“ Weg. Wir 
münen ſehen, ob wir einen Schugmann QUTr eiben Fännen; 
Der wird daun einſchreiten. Uns geht die Sache weiter 
nicht ail. Wollten wir uns hior vorfönlic einmitcen, 
19 feßten wir ums zunächr aroßer Werahr aus, vom 
Publikum gomaßregelt zu werden. Ia, feh mich nur 
JLoB an, es iſt wirklich Mode geworden, aut der Str aue 
ein: für allemal die Partei der Knaben zu ergrei rei 
main nemnt's „Aumanan“ Kanm Dir deinfoin, 1wWit 
das „erziehlich“ wirft! Ji Dir'8s recht, ?o or3ä :hle ich 
Dir einen ſelbſt erlebren Fall (ich wüßte mehr dorfelbon !): 
An der Altrer ſchöpfte im vorigen Sommer ein geoRer 
Knabe eine Blechbüchſe voll Waſſer, ile nd mire 
auf dat Fahrdamm umd goß dem Kutſcher eines horr- 
ſchaftlichen Gofährts den Inhalt ins Geticht, 1odaß auch 
die Jutaten des Wagens beſpritzt wurden. VWVWiele 
Menſchen habet es geſehen; außer nur in foinmner Dem 
Frechen zu Leibe gegangen. Jh faßie ihn umd "nichte 
ihn fortzuſchlevven, hütete mich, ihn zu ſchlagen und 
hoffte aur Erſcheinen etnies Schumanns. Dieſe Men 
ſchenmenge, die nich ſammelte! = Jh Yollte min die 
Noügier befriedigen und erzählen, was l98s 1ei. Der 
Knabe "<hrie und Janmerte imd klammerte fich an einen 
Caternenpfahl. Das rührte das Herz eines Svieß 
bürgers, der, mit einem Sto bewamiet, foine Svazier- 
gänge machte: „Wollen Sie roher Wenſch den armeit 
Knaben loslanen!" Was hat er Jönen gerhaut ? Wenn 
Sie ihn nieht auf der Stelle laufen. laten, foll ein 
Schußmant Sie verhaften! 18. ?. w./“ Mit kräftigeren
	        
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