burgiſche
S4 mlzeitung.
Eine , Wochenſchriff für die Angelegenheiten des Unterrichts,
der Erziehung und des Cehrerſtandes.
Kedaftion :
Chr. Hamann, Hamburg
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Finkenau 2, **-
Die Hamburgiſche Schulzeitung erſcheint wöchentlich in einem Bogen Groß-Quartformat zum Preiſe von
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von hämburgiſchen Lehrern.
Berlag:
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3. Jahrgang. 5.
N.- Datum des Poſtſtempels.
Ar
Geehrter Herr Nevakteur !
Wenn einer meiner alten Bekannten klagen hörte,
Da3 Ilie Welt immer ſchlechter würde, fo vpfleate er zu
jagen: „Sie wird nicht jhlechter, jie wird dwat1<h.“
Unzweifelhaft wollte er mit feinem wunderlichen Aus-
drucfe nur jagen, daß es ihm immer ſchwerer fiele, die
Welt in ihren fortwährend fc< wandelnden Erſcheinungen
iOMtg zu denten; er war fich feiner Altersichwäche be-
wußt. Mit zunehmendem Alter ſollte man es fich
mehr und niehr zur Pflicht machen, Vorneht in der
Beurteilung der Welt obwalten zu laffen und fich vor
einer Berurteilung zu hüten. Leider muß ic) befonnen,
daß mir die mutmaßlich richtige Deutung mancher Er-
iGeinungen jeßt ort vocht ſchwer fällt und ich zu einer
Verurteilung wicht eine Anwandlung ver!ipüre; es ver-
jieht <<, daß id) zunächt nur au Ericheinungen. il
nern Kreite denke. ZU ihnen gehört die jet vlöß-
lic) mit bemerfenswerter Stärke hervortretende Agitation
är eme Schulbibel. Jeh age vlößlich und erwarte
nicht, daß es jemand ür nötig Jän, md an Beitre-
bungen früherer Zeit zu erinnert. Dor Gebratielß) der
Bibel hat überall in den Schulen eine bedeutende Ein-
im&ränfung erfahren; man fönntie fageit, er fei auf ein
Veimninauum reduziert worden, und doch ereifert man Reh
wn fie ſtärker als ſeit Jahren. Hie Stöker-Behrmann
-- hie Krawe-Wolters! höre ich ruten. YWWiie foll ih
das deten? Ju gedenfe der Gegentäte, die ſonſt
zwiſchen dieren Lagern zum Vekonuntunis erhoben werden,
und fomme auf den flaſfiſchen Reim: Wer orflärt mir,
Orindur, diefen Zwiewvalt der Natur? Um mir die
Venrebungen des einen Lagers Tarzumachen, hat man
ur geflaggt, die Schulbibel werde dort als ein Mittel
angetehen, von der Neliqion zu retten, was noch zu
rettet 18. Welche Thorheit! Als ob die Menſchen
fic) jemals von dex Religion loSmachen könnten, 1d
als ob ne jeßt weniger reliqiss wären als früher!
Vain kömmte Anſtoß daran nehmen, fonſt würde ich aus
früheren Zeiten --- immer jedoH zar aus meinem
eigenen Erfahrungsfkreit manches unge Stüclein
mitteilen, das erfennen "ließe, wie unbefangen man ſchön
damals über PBaſtoren- und Kirhentum in ſeinen Ur-
teilon geweten jet. Denn in jJolchen Urteilen ite>t doch
Oftober 1895.
vir. 41.
genau genommen die Quinteſſenz der behaupteten
Neligionsloſigfeit vnferer Zeit. Jedenfalls möchte ich
daran ernmern, daß es ſchon vor vielen, vielen Jahren
auf den Dörfern kluge Schneider gegeben hat, die aus
dein Überſeßungen der Schriften franzömc<her Cneytlo-
pädiſten und auch von deutſchen NRationalinien fich Be-
lehrungen alaubten verſchayt zu haben und diefe den
Bantern als neueite WeiSheit vortrugen. Als Um-
fehrung davon habe ich einmal erfahren, daß in einer
Gemeinde, die allem Religiöſem völlig aleichgültig zu
jein Tchien, urplößlich eine =- freilich vorübergehende
-- Erwefung entjtand, als Prediger der imneren
Münion in ihr erſchienen. Die Religion jelbit in aus
deutſchen Wemüterun garmic<t auszuroden ; nit der aus
gedeuteten Erklärung der Bertrebungen für eine Sehunl-
bibel iſt es nichts. Und wenn ich mun bedenke, daß
gewiß wicht pädagoailche, ſondern in erner Linie theo-
[oqueche Crwämmagen bei der Hernelunag einer Schulz
bibel maßgebend fein werden = die bis jekt ertchie-
nenen, mancherlei Abweichungen zeigenden Schulbibeln
eriheinen mir nur als Vernuche ==, umd daß die Lehrer
die Schulbibeln möglichſt furzgehalten wünſchen, nendaber
doh micht gern auf ein ſolc&<es furz gefatztes Buch fonnagelt
faſſen, dann wird mir die ganze Sache erk recht 1Wwi-
deiutbar. (WGeorn will ich freilich einräumen, daß meine
Neiqunag für den Gebraueh der Vollbibel mit darin
wurzeln möge, daß ich wrüher 17 Jahre hindurch ac-
nötigt geweſen bin, ne neben dem kirchlichen Geimig:-
buche als einziges Letebuch zu gebrauchen und ne nicht
bloß in den Dienſt des NReligions-, ſondern betonders
auch) des Sprachunterrichtes zu nellen. Die Erfahrungen,
die 1) da gemacht habe, vermindern meinien. Reoywokt
vor den Gründen für eine Schulbibel, wenn dieſe auch
auf dem Papier noc< 19 die zuſammengetragen werden.
Anch darüber kann ie nicht hinwegkommen, daß eit der
Reformation faſt alte Größen unſeres Volkes, Unerariſche
und volitiſche, in ihrer Jugend an der Vruft der Vibol
genährt worden find; vhne Schaden zu nehmen, haben
ne na dur ihre Geſchlehtsreaiſter und aile Geſchichten,
die mait jekt al8 überaus gefährlich bezeichnet, hin-
dur<agearbeitet, und viele von ihnen bezeichnen gerade
dieſe ausſhließliche Beichäftiquing mit der Bibel als
beſonders heilfam und bildend für die Jugend. (Gleich-
alls haben ganze Stämme umteres Volkes, wie Die
Pommeraner, Mecklenburger, Schleswig-Holſteiner 11.,