Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

Daher kann auch der Haushaltungsunterricht nicht als 
Fachunterricht bei der Unterweijung der Mädchen angeſehen 
werden, ſondern er iſt und bleibt ein Faktor der weiblichen 
Allgemeinbildung, ohne weichen wir un3 kein harmoniſch 
gebildetes Weib denken können. 
Und es ſoll und wird doc<h auch keine vernünftige 
Frau und hätte ſie den intereſſanteſten Sonderberuf, ſich 
jemals ganz fret machen wollen von den Arbeiten und 
Pflichten einer Hausfrau. 
Das Scalten und Walten im Hauſe, der Wechſel 
zwiſchen geiſtigem und leiblichem Schaffen iſt für Frauen 
und Mädchen die geſundeſte und erfriſchendſte Beſchäftigung, 
die zugleich das beglüFende Bewußtſein des eigenen Werte3 
durc nußbringende Thätigkeit verleiht. Ja, ich möchte 
jagen, je größer das Maß geiſtiger Arbeit iſt, um jo größer 
muß auch inzwiſchen das Maß körperlicher Thätigkeit ſein, 
wenn Körper und Geiſt in ſchönem Gleichgewicht erhalten 
werden ſollen. 
Sündigt man hiergegen, beſonder3 in jüngeren Jahren, 
jo wird der Körper vor der Zeit ſchwach und ſieh werden. 
-- Wie leben in dieſer Beziehung 3. B. unſere Seminariſtinnen 
und wie ſo manche Lehrerinnen? -- Praktiſche Haushaltungs- 
kunde, al3 Unterbrechung ihrer geiſtigen Arbeit, würde ihre 
Geſundheit ſtärken, würde ihnen die ſo notwendige Friſche 
für ihr Amt beſſer erhalten. 
Der Wechſel zwiſchen leiblicher und geiſtiger Arbeit 
ſchüßt ferner vor Einſeitigkeit, die eben uns Lehrerinnen ſo 
gefährlich werden kann. Er erhält und belebt die weibliche 
Bewegung und Anmut, die jo wohlthuend auf die Um- 
gebung wirkt. 
Und dazu iſt es Ehrenpflicht für Volksſc<ullehrerinnen, 
Einſicht in alle Mädchenerziehungsfragen zu ſuchen. Die 
Arbeit in der Volks8ſ<hule gewinnt an Erfolg, je mehr wir 
von innen und außen das Mütterliche in unjerm Thun und 
Lehren zur Geltung zu bringen ſuchen. -- Wer weiß, ob 
nicht die Zukunft den frommen Wunſc<h zur Ausführung 
bringt, daß alle jungen Mädchen, beſonder38 aber die be- 
mittelten, wie der Mann ſein Militärjahr, ihr Jahr in einer 
Veranſtaltung zum öffentlichen Wohle, ihnen ſelbſt aber zum 
größten Segen abdienen ? 
Wir Frauen in Haus und Schule haben einen großen 
und anerkannten Anteil an der ſozialen Entwielung unſeres 
Volke3 und müſſen daher dieſer unſerer Pflicht zielbewußt 
folgen. Wir müſſen mit beizutragen ſuchen, daß Frauen 
gebildet werden, die da ſtreben, den von Gott ihnen ange- 
wieſenen Plaß voll und ganz auszufüllen, die ihre Häuslich- 
keit zu einem ſonnigen, lieblichen Aufenthalte zu geſtalten 
wiſſen, die im täglichen ſtillen Schaffen die himmliſchen Roſen 
ins irdiſche Leben flechten ; Frauen, die aber auch mit ſtarkem 
Arme das häuslic<e Szepter führen, die ſich als fähig er- 
weiſen, in harter Zeit wohlausgerüſtet an des Mannes 
Stelle zu treten ; Frauen, die mit klugem Auge und warmem 
Herzen in die Welt hineinſchauen ; Frauen, die ſich wohl 
getrauen, über die Schöpfungen des männlichen Geiſte3 ein 
maßgebendes Urteil zu ſprechen; Frauen endlich, die aber 
auch jederzeit imſtande ſind, draußen in der Welt, ſobald es 
wünſchen3wert erſcheint, ſelbſtändig al3 gleichwertige Arbeit3- 
genoſſiunen auf dem Felde der Kultur zum Wohle der 
Men|<beit ſi<ß zu bethätigen. 
Man ſagt un3: die Frauen ſind die Rettung der Nation! 
Sind ſie dies wirklich, jo werden ſie es nur in der Harmonie 
ihre3 voll entwidelten weiblichen Weſens ſein. 
Leitſäte. 
1. Die gegenwärtigen ſozialen Verhältniſſe der Frauenwelt 
ſind al3 ungefund zu bezeichnen. 
2. Die gewerbliche, vor allem aber die bauswirtſchaftliche 
Ausbildung der Mädchen iſt eine ungenügende. 
3. Da das Haus häufig nicht fähig iſt, für hinreichende 
Ausbildung der Töchter zu ſorgen ſo muß von feiten 
des Staates Abhülfe geſchafft werden. 
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4. Als Notbehelf wird der HauShaltungsunterricht im 
lebten Schuljahr der Volkſchule aufzutreten haben. 
5. Sobald die obligatoriſc<e Fortbildungs8ſchule für Mäd- 
<en eingeführt wird, iſt dieſer der Haushaltung3unter- 
richt zu überweiſen. . 
6. Da es8 al3 notwendig erſcheint, daß auch die Volks- 
ſchullehrerinnen einen Haushalt zu führen imſtande 
ſind, ſo muß die HauSshaltungskunde in den Lehrplan 
der Lehrerinnenfeminare auſgenommen werden. 
Aus Hamburg. 
Frauenchor Hamburger Lehrerinnen. Von dem 
Reinertrage des Konzertes am 10. November wurden durch 
Mitglieder 12 bedürftige Volksſchülerinnen zum Weihnachts- 
feſte erfreut. Die im Alter von 8--14 Jahren ſiehenden 
Mädchen erhielten -- je nach Bedarf -- entweder eine 
vollſtändige Ausrüſtung an Unterzeug oder ein Kleid nebſt 
Schürzen, Taſchentüchern 2c. Für die kleineren wurde ein 
Spielzeug, für die größeren ein Buch hinzugefügt. Die 
Sachen wurden den vorher verſtändigten Eltern ins Haus 
geſandt, ſodaß aus ihren Händen die Kinder die Gaben 
empfingen. = =- -=- 
Mit Ablauf des Jahres verliert der Verein leider 
ſeinen geſ<äßten Dirigenten Herrn W. Böhmer, der wegen 
Übernahme des Hamburgiſchen Kirhen<ors außer ſiande iſt, 
die Leitung der Übungen fortzuſezen. Seiner energiſc<en, 
ungemein eifrigen und fördernden Thätgkeit werden die 
Mitglieder ſich immer dankbar errinnern. An feine Stelle 
tritt der als Muſiker geſchäßte Herr O. Krade. 
Ein Vergleich zwiſchen hamburgiſchen und 
preußiſchen Ruhegebältern (Vergleiche die päd. Rund- 
j|c<au dieſes Blattes) ergiebt folgende Zahlen : (Vorausgejeßt 
iſt das in Hamburg in Zukunft erreichbare Gehalt.) 
Penſion bezieht 
 
 
 
 
 
vollend. in Hamburg in Preußen 
Dienſt- | Gebalt der die eine der die eine 
. Lehrer | Witwe | Halbw. | Lebrer | Witwe | Halbw. 
jahre | 4, Wim | M MWiM | M 
1Ö 2600 -- 520 104 650 260 52 
15 2900 |: 1193?/8s | 580 ! 116 966?/3 | 3862*?/2 77.3 
20 3500 1715 700 140 1458?/s | 583?/3 | 1186?/3 
30 4400 2816 880 : 176 2566*?/s | 1026?/3 | 205" 3 
40 | 4400 | 3476 | 880 | 176 | 3300 11320 | 264 
 
 
 
Dieſe Tabelle zeigt, daß im allgemeinen die hamburgiſchen 
Penſion3beſtimmungen die günſtigeren ſind; ſie macht aber 
auc< auf einen Fehler derſelben aufmerkſam, daß nämlich 
die Witwenpenſion aufhört zu ſteigen, jobald der Mann mit 
28 Dienſtjahren da8 Höchſtgehalt erreicht hat; eine weitere 
Steigerung iſt fehr wünſchen3wert, da die Erwerbsfähigkeit 
der Witwe mit dem Alter abnimmt; in Preußen jteigt die 
Witwenpenſion ſolange wie die Lehrerpenſion, da ſie zu 
dieſer, ſtatt wie bei un38 zum Gehalt, in ein beſtimmtes Ver- 
hältnis geſeßt iſt. Eine Berüſichtigung dieſes Modus wäre 
bei der in Ausſicht genommenen Erhöhung der Witwengelder 
zu empfehlen; eine hamburgiſ<e Lehrerwitwe hätte nach 
preußiſ<em Modu3 (*/10o vom Ruhegehalt de3 Manne3) zu 
fordern, alſo nach 15 Dienſtjahren des Mannes 477,40 A ſtatt 
580 M, nac< 20 Dienſtjahren 686 AK ſtatt 700 4, nach 
30 Jahren 1126,40 M. ſtati 880 &., nach 40 Dienſtjahren 
endlich 1390,40 M. ſtatt 880 4 
Au3 Altona. 
Vädagogiſcher Verein. Dezemberverſammlung. 
. In der Generalverſammlung des Peſtalozzivereims wurde 
zunächſt über den Stand der Kaſſe berichtet. Dieſer 
ſtelt ſi günſtig. Zum dritten Mal iſt der Kate von 
„Ungenannt“ ein Geldgeſchenk von 1000 4. gemacht worden.
	        
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