Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

ſc<on in hamburgiſchen Urkunden um die Mitte des 15. Jahr- 
hunderts vorkommt, deren Genealogie ſich aber mit Sicherheit 
nur bis zu Ende des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen läßt. 
Um dieſe Zeit wird hier ein Münzmeiſter Hinrich Renkßel 
genannt; zwei von deſſen Söhnen ſind Oberalte geweſen, 
und der ältere von ihnen iſt bald danach Rat3herr geworden. 
Seitdem ſind viele Jahre hindurch Mitglieder der Familie 
Renbel als Rats8herren, Oberalte, Prediger, oder in 
ſonſtigen Würden und Ehrenämtern thätig geweſen.“ Ein 
Herr Peter Renßzel, geb. 1610, ſeit 1658 Senator, gründete 
das Spinnhaus als eine im Sinne der damaligen Zeit 
wohlthätige Anſtalt.* 
3. Harveſtehude. Der hierher gehörige Teil der 
Eppendorfer Chauſſee wird, wie unter „Rotherbaum“ er- 
wähnt, zur Straße Eppendorfer Baum gezogen. Außer- 
dem werden noc< folgende Straßen vereinigt, ſo daß nur der 
zweite Name bleibt: | 
Gras8weg -=- Werderſtraße, 
Kloſterweg =- Abteiſtraße, 
Schulweg -- Hanſaſtraße. 
4. Eppendorf. Die frühere Albertſtraße heißt jett 
Niendorferſtraße, nach dem holſteiniſchen Kirchdorfe Nien- 
dorf. Der Kirchenweg iſt in Ludolſſtraße umbenannt 
worden, wohl zum Andenken an Johann Heinrich Ludolf, 
der vom 5. Oktober 1793 bis zu ſeinem Tode, am 25. März 
1842, hier als Prediger wirkte. --- Der zu dem Neuen 
Allgemeinen Krankenhauſe in Eppendorf führende ehemalige 
Blumenweg führt jezt den Namen Curſchmannſtraße zu 
Ehren von Dr. Curſchmann, der längere Zeit als Direktor 
die ärztliche Leitung unjeres Krankenhauſes hatte, und jeßt 
Profeſſor in Leipzig iſt. =- Die frühere Georgſtraße heißt 
jekt Goerneſtraße zum Andenken an Chriſtian Goerne. 
Dieſer am 30. April 1882 verſtorbene hamburgiſche Kauf- 
mann hat in ſeinem Teſtamente die bedeutende Summe von 
900 000 M. zur Gründung eines Krankenhauſes, einer Kranken- 
kaſje oder eines ähnlichen Inſtitutes für unbemittelte Kranke 
ausgeſezt. Seine Teſtaments8vollſtrefer beſtimmten nun auf 
Anraten des damaligen Phyſikus, jetzigen Medizinalrates, 
Herrn Dr. Reinke, zwei Drittel der genannten Summe zum 
Bau einer Kinderheilſtätte, für welche Duhnen an der Nordſee 
als der paſſendſte Plaß erwählt wurde. Dort wurde die 
- Unter dem Namen Chriſtian Goerne-Stiftung bekannte 
Anſtalt errichtet, am 1. Auguſt 1887 feierlich eröffnet, und 
hat jeitdem einer großen Anzahl von Kindern Erholung und 
Kräftigung gewährt. 
5. Winterhude. Hier iſt nur eine Straße und zwar 
die Eppendorferſtraße umbenannt, und heißt jezt Hudt- 
wald>erſtraße. Auch die Familie Hudtwal>er gehört zu 
den älteren angeſehenen Familien unſerer Stadt, und mehrere 
ihrer Mitglieder ſind hier in hervorragenden Stellungen 
thätig geweſen.* 
6. Barmbe>. Von der Alſterdorferſtraße heißt der 
hier belegene Teil jezt Flurſtraße;s die kleine Weideſtraße 
heißt jehkt Vogteiweg; die Straßen Buſchſtraße und 
! Vgl. hierzu Dr. F. G. Buek, „Die hamburgiſchen Oberalten“. 
*? Dr. Buek a. a. O. Seite 83. Das Wappen der Familie R. 
findet ſich auf dem Stadtplan von 1644. Hermann Renßel, der Vater 
des obengenannten Senators Peter R., gehörte damals dem -Rate der 
Stadt Hamburg an. 
3 Janßen, „Zuverläſſige Nachrichten uſw.“, Seite 200. =- Auch 
die Rautenbergſtraße (früher Kirchenſtraße in St. Georg) und die 
Heidritterſtraße (früher Kirc<enſtraße in St. Pauli) ſind nach Predigern 
benannt, die viele Jahre hindurch in den genannten Stadtteilen ihres 
Amtes gewaltet haben. - 
* Vgl. hierzu den ſehr leſenswerten Aufſaß von Paſtor Hanne: 
„Die Kinderheilſtätte zu Duhnen“ im „Wegweiſer“ 1900. Kalender 
des deutſchen Proteſtantenvereins, Seite 87 ff. . 
5 Vgl. über die Familie Hudtwal>er : Buek, „Die hamburgiſchen 
Oberalten,“ Seite 263 ff. und „Hamb. Correſpondent“ Nr. 553, Sonn- 
abend, den 25. November 1899, Morgen-Aus8gabe. Nach einer an leßt- 
genannter Stelle gegebenen Erklärung des Namens bedeutet dieſer ſoviel 
wie „Gerber“ (Hudt: niederdeutſche Form für Haut). 
8 Der in Alſterdorf belegene Teil der Alſterdorferſtraße iſt zu der 
nach dem Gründer der Alſterdorfer Anſtalten benannten Sengelmann- 
ſtraße hinzugezogen worden. 
295 
 
 
gefunden. 
inneren Stadt 6939 zurückgeblieben. 
weagepielten 
Wandsbederſtraße ſind in Haferkamp bezw. Dehnhaide 
umbenannt worden ; leztere Bezeichnung iſt ein alter Flurname; 
dagegen iſt auf der unten genannten Vogteikarte der Name 
„Haferkamp“ nicht angegeben.? Alle vier neuen Straßen- 
namen weiſen auf den ehemaligen dörflichen Charakter 
Barmbe>s hin. Martinſtraße und Wilhelminenſtraße heißen 
jeht Farmſenerſtraße und Schmalenbederſtraße nach 
den hamburgiſchen Walddörfern gleichen Namen38, analog 
der bereits vorhandenen Wobhldorferſtraße. Der Weiden- 
damm endlich iſt in Flotowſtraße umbenannt worden, 
nach dem Komponiſten gleichen Namens; eine Marſchner- 
ſtraße iſt ſchon länger in Barmbe> vorhanden, die frühere 
Johannisſtraße. Die Wagnerſtraße iſt dagegen wohl nicht 
nach Richard Wagner, ſondern nach einem Grundeigentümer 
benannt, der dieſe Straße angelegt hat und noch in leßter 
Zeit hier Grundbeſiß hatte.* (Schluß folgt.) 
Ferienausflüge 
für Hamburger Schulkinder. 
Seit dem Jahre 1895 beſteht in Altona die Einrichtung 
der Ferienausflüge. Es8 werden dort während der Sommer- 
ferien wöchentlich drei Ausflüge in die Umgegend veranſtaltet, 
um der ſtädtiſchen Schuljugend zu einer zweentſprechenden 
Ausnußüng ihrer Ferien behilflich zu ſein. Die Teilnehmer- 
zahl iſt von durchſchnittlich 20 Schülern bei jedem Ausfluge 
im Jahre 1895 auf 1000 Schulkinder im Jahre 1899 ge- 
ſtiegen. Seit. dem Jahre 1895 ſind Beſtrebungen mit dem- 
ſelben Zwecke aufgetaucht in Leipzig, Krefeld, Köln, Breslau, 
Hannover, Harburg, Berlin u. a. Orten und haben Anklang 
In Dresden hat der Verein „Volk3wohl“ ſeit 
mehreren Jahren in den Ferien „Heidefahrten“ für die 
Kinder ſeiner Mitglieder eingerichtet. 
Wegen der günſtigen Ergebniſſe, welche in dieſen 
Städten erzielt wurden, beabſichtigt die unterzeichnete Kom: 
miſſion, hier in Hamburg einen ähnlichen Verſuch zu unter- 
nehmen, troßdem die Mitglieder derſelben ſich nicht verhehlen, 
daß ſich bei der Ausführung in unſerer verkehrsreichen, 
weitverzweigten Großſtadt erhebliche Schwierigkeiten ergeben 
werden. * Aber andererſeits ſind wir der Überzeugung, daß 
unſere Großſtadtkinder einer ſolchen Fürſorge in hohem 
Grade bedürfen. Wie wenig unſere Volksſchüler ins Freie 
hinauskommen, geht aus folgenden Zahlen hervor (entnommen 
der im vorigen Jahre veranſtalteten Umfrage). 
Im Jahre 1899 waren von 8788 Schulkindern der 
| Von dieſen haben 
3944, alfo 56 */o, keinen einzigen Ausflug gemacht. Von 
2798 Ausflüglern wurden in den Ferien 9238 Ausflüge 
unternommen, alſo von jedem Kinde durchſchnittlich nur drei 
Ansflüge. 
Auf den hohen Wert der Ausflüge überhaupt und der 
Ferienausflüge im beſonderen näher einzugehen, erachten 
wir den Leſern dieſer Zeitung gegenüber für nicht notwendig. 
Um den Kindern unſerer Vaterſtadt Gelegenheit zu öfteren 
Ausflügen zu bieten, muß eine Verbilligung derſelben erzielt 
werden. Eine ſolche iſt aber nur zu erreichen, wenn die 
Ausflüge in Maſſen unternommen werden. Dazu bedarf es 
vor allem der Unterſtüßung wohlhabender Privatkreiſe. 
Eine Übernahme dieſer Einrichtung durch den Staat weiſen 
wir entſchieden ab. Wir rechnen auf die Bereitwilligkeit 
der Kollegen und Kolleginnen, uns als Führer bei den Aus- 
fſlügen zu unterſtüßen. ZIn dieſem Jahre find wir nur im- 
ſtande, ihnen ihre perſönlichen Auslagen zu erſeßen. Im 
nächſten Jahre können wir ſie hoffentlich außerdem für ihre 
Mühewaltung entſchädigen. 
Die Ausführung wird ſich in dieſem Jahre folgender- 
maßen geſtalten. Die Kommiſſion wird kurze Zeit vor den 
! Vgl. Karte der Vogtei Barmbek. Nach der Lande8vermeſſung 
herau8gegeben von der Baudeputation, Hamburg 1867. 
? Vgl. Anzeige vom Verkauf eines Grundſtückes in der Wagner- 
ſtraße, am Donnerstag, den 29. März 1900.
	        
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