Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

 
der Erziehung und des Lehrerſtandes,. 
Herausgegeben 
von Lehrern und Lehrerinnen. 
Kommiſſionär H. Reßler, Leipzig, Seeburgſtr. 40. 
Schriftleitung: 
U. Struve, Hamburg-Eilbe>, 
Jungmannſtr. 21, p. 
Derlag: 
Sh4röder & Jeve, Hamburg, 
Kl. Reichenſtr. 9-14. Fſpr. 2080. 
 
Die Hamburgiſche Schulzeitung erſcheint jeden Mittwoch in einem Bogen Großquartformat zum Preiſe von 1 Mark 50 Pfg. für das Vierteljahr. 
Beilage: Die monatlich erſcheinende Iugendſchriften-Warte, Scriftleiter S5. Wolgaſt. -- Beſtellungen nehmen außer den Verlegern, alle 
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Hamburg-St. Georg, Baumeiſterſtr. 8, zu ſenden. Unzeigen werden für die Petitzeile von 63 mm Breite mit 20 Pfg., Beilagen nach Übereinkunft 
berechnet. -- Poſt- Liſte Ur. 3188. -- Klagen über unpünktliche Zuſtellung ſind gefl. ſofort dem Verlage mitzuteilen. 
 
 
8. Jahrgang. 
Mittwoch, den 5. September 1900. 
Lr. 36. 
 
 
Inh alt: Die Sammlung Hamburgiſcher Altertümer für die Scule. 
Von &C. Rud. Schnitger. = Die 50jährige Jubelfeier des Schles8wig- 
Holſteiniſchen Lehrervereins. =-- Au3s8 Hamburg. -- VereinS8-Anzeiger. 
 
Die Sammlung Hamburgiſcher Altertümer 
und ihre Bedeutung für die Schule. 
Von C. Rud. Schnitger. 
In dem von mir verfaßten dritten Abſchnitte der Exr- 
läuterungen zu dem Stadtplan de3 Arnoldu3 
Piterjen habe i< mehrmals auf die Sammlung Ham: 
burgiſcher Altertümer bingewieſen. Da dieſe nun im 
Mai 1899 durch mehrere hochintereſſante Abteilungen er- 
weitert worden iſt, dürfte e8 bei der Wichtigkeit der 
Sammlung nicht unangemeſſen jein, auch an dieter Stelle 
einmal kurz darzulegen, wie ſie entſtanden iſt, was8 
jie enthält, und welche Bedeutung ſie für unſere 
Schulen hat. 
Wie alle unſere öffentlichen Sammlungen, jo iſt auch 
die Sammlung Hamburgiſcher Altertümer verhältnismäßig 
jungen Datums und aus kleinen Anfängen hervorgegangen. 
Sie iſt erſt, und zwar ſehr langſam, nach dem großen Brande 
von 1842 entſtanden, und ſollte zunächſt die aus dieſem 
geretteten Kunſtſc<häße, ſoweit jolhe nicht wieder bei den 
Neubauten verwendet werden konnten, und Erinnerungen an 
die Brandzeit, dann aber auch ſonſt intereſſante Gegenſtände 
aus früherer Zeit und hamburgijJ <en Urſprungs aufnehmen 
und bewahren. Einige Mitglieder de3 Verein38 für ham- 
burgiſche Geſchichte traten zu diejem Zwe&e zuſammen, exr- 
baten jim zu ihrem Vorhaben die Genehmigung des Senats, 
und gingen nach der Bewältigung der gewaltigen Feuer3- 
brunſt rüſtig ans Wert. JIhrem Bemühen gelang es auch, 
aus den Trümmern der Kirchen und öffentlichen Gebäude 
vieles zu bergen und zu ſammeln; für Beauſſichtigung und 
Ordnung des ſo Gewonnenen ward eine Kommiſſion ein- 
geſeßt,? und den Gegenſtänden ſpäter ein Plaß in einem 
kleinen Teil der Kellerräumlichkeiten des Johanneums an- 
gewieſen. Die Sammlung ward auc<h dem Publikum zu- 
gänglich gemacht, und im Jahre 1859 erſchien auf Ver- 
anlaſſung der genannten Kommiſſion eine ausführliche 
Beſchreibung der hier aufbewahrten Gegenſtände unter dem 
Titel „Hamburgiſ<e Altertümer“ und verfaßt von 
Dr. F. Georg Buek.? Das Buch, obwohl für ſeinen eigent- 
lichen Zwe> jeht längſt veraltet, iſt do<; wegen des in ihm 
1! Die Sammlung Hamburgiſcher Altertümer unterſteht jekt der 
erſten Sektion der Oberſ<ulbehörde und wird durc< eine beſondere 
Kommiſſion verwaltet. 
? Hamburg, Perthes-Beſſer und Mauke, VI und 256 S. 
 
 
enthaltenen geſchichtlihen Materials au< beute no<h in 
mancher Beziehung brauchbar. | 
So ſchäßbar nun auch die Sammlung an ſich war, 10 
litt ſie do< an verſchiedenen, allmählich immer jfühlbarer 
werdenden Mängeln. Die Räume, in denen man 1e unter- 
gebracht hatte, waren feucht und infolgedeſſen recht kühl 
und oft unbehaglich; der Beſuch war, mangelnder Heiz- 
vorrichtungen wegen, nur auf die Sommermonate beſc<hräntt, 
und auch in dieſen nur Sonntags von 12--1 Uhr, jpäter 
bis 2 Uhr geſtattet ; die Beleuchtung war re<t mangelhaft, 
und endlich war wegen der ungünſtigen Anordnung der ver- 
fügbaren Räume eine zwe&mäßige Auſſtellung der Gegen- 
ſtände kaum möglich; ſie lagen oder ſtanden, wie der Vlaß 
es zuließ. Ältere Hamburger werden ſich jene35 unerfreu- 
lichen Zuſtande3 gewiß no< erinnern. 
Und do< hätte die Sammlung wohl ein beſteres 
Schifal verdient. Zu den urſprünglich geſammelten Sachen 
waren im Laufe der Zeit auc< andere Gegenſtände gekommen, 
die an verſchiedenen Orten aufbewahrt waren, ohne irgend= 
wel<e Verwendung zu haben. E38 waren au< bei Au?- 
grabungen und Baggerungen mancherlei Dinge gefunden 
worden, die zum Teil noc< von der vorge]c<hichtlißen Be- 
völkerung unſerer Gegend Kunde gaben: Urnen, Waſen, 
Geräte uſw.? Im Jahre 1875 kam eine nicht unbedeutende 
Waffenſammlung hinzu, von der manc<e Stüe, z.B. Harniſche, 
Schilde, Schwerter uſw., aus dem Mittelalter, andere dagegen 
aus dem 17. und 18. Jahrhundert ſtammten ; endlich enthielt 
ſie viele Gegenſtände, welche an die alte Bürger wache wie 
an das ſpätere Bürgermilitär erinnerten. Dieje Samnm- 
lung war aufbewahrt geweſen in zwei anſpruch8lojen Räumen 
des alten Bauhofe38,? und hatte al8 Cigentum des 1815 
ins Leben gerufenen und 1868 aufgelöſten Bürgermilitärs 
gegolten. Nach der Auflöſung des letzteren, und dem faſt 
gleichzeitig erfolgten Abbruch der letzten Teile des ehemaligen 
Bauhof8 mußte jene Sammlung, zu der inzwiſchen noch 
ca. 40 Fahnen der alten Bürger wa He gekommen waren, 
in Kiſten verpa>t werden und ſtand dann längere Zeit in 
einem ſchuppenartigen Gebäude auf dem Walle. Nachdem 
die Räume für die Altertümerſammlung etwas vergrößert 
worden waren, wurden ihr 1875 die Waſſen notdürftig 
eingereiht. 
Al3 nun bei den Arbeiten für den Anſchluß Hamburgs 
an das deutſ<e Zollgebiet durG den allmählichen Abbruch 
des für das Freihafengebiet beſtimmten Stadtteils die Zahl 
der Gegenſtände in der Sammlung immer mehr wuchs, ward 
: Dieſe Gegenſtände ſind der Anfang der jetzt im Naturhiſtoriſchen 
Nuſeum untergebrachten Sammlung vorgeſ<i<tlicher Altertümer geweten. 
? Er hatte auf dem Platze des jetzigen Hauptzolamtes gegenüber 
dem Berliner Bahnhof geſtanden.
	        
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