Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

Kruſe-Büttel dankte den Ort8ausſchüſſen, Iverſen-Munkbrarup 
den Rednern, Kähler-Neumühlen pries die Damen, Martens8- 
Gelting wünſchte der Jugend Glü> uſw. ujw. Wohl am 
ſreudigſten ward eingeſtimmt, als Rektor Sierk3-Heide dem 
Oberbürgermeiſter Fuß ein Glas weihte. 
Die Feſtvorſtelung war von etwa 2000 Perſonen be- 
jucht; denn die „Jugend von heute“ ſtand auf dem Theater- 
zettel. Die Darſtellung ſoll gut geweſen ſein; ich war nicht 
dort, weil ich die Komödie nicht im Trubel eines ſolchen 
Tage3 genießen mochte. In Wriedts großem Saal ward 
noch ſpät da8 Tanzbein geſchwungen. 
Während der drei Feſttage hatten die Muſeen und der 
zoologiſche Garten viele Beſucher, und manche Kollegen 
ließen ſich die Kaiſerliche Werft zeigen. Die Ausſtellung 
in einem j|<önen Sc<hulhauſe und deſſen Turnhalle war ſo 
reich beſchi&t wie nie und hatte darum auch viel Zulauf 
und fand verdiente Anerkennung. Auch Hamburg hatte 
ausgeſtellt; man lobte den Kartenſchranf von Borchers, 
Thodes Apparat zum Aufhängen von Bildern und Karten, 
das „Marj<bild“ von Karl Schildt und das Bild von 
O. Schwindrazheim (Vierlande), die der Verleger Grieſe 
dem Kieler Schulmuſeum geſchenkt hat. Sehr reichhaltig 
war die Ausſtelung der Firma H. C. Kurz, großartig die 
Auswahl von Bildern und Karten. E35 iſt ganz unmöglich, 
alles Gute und Schöne, das die Ausſtellung bot, aufzuzählen ; 
doc< waren auch minderwerte Dinge vorhanden. Zur Orien- 
tierung hatte die Ausſtellungskommiſſion einen Katalog 
dru&en laſſen. 
Am 1. Auguſt fuhr morgen38 früh ein Dampfſchiff 
mehrere Hundert Feſtgenoſſen nach Svendborg und brachte 
ſeine Paſſagiere, die von der Fahrt ganz entzü>t waren, 
wohlbehalten um 7 Uhr abend38 zurüt. Zwei kleinere 
Dampfer machten eine Fahrt in See und befuhren ein Stü> 
de3 Kaiſer Wilhelm-Kanals. Um 8 Uhr morgens8 trat die 
Abteilung für Naturkunde zuſammen, und um 9 Uhr ver- 
ſammelten ſich die Mitglieder der Vereinigung für wiſſenſchaft- 
liche Pädagogik. | 
Ris am Mittwochabend die Abſchiedsverjammlung bes 
ginnen jollte, ſah der Feſtſaal öde und leer aus. Aber 
bald füllte ſich der Raum, und es zeigte jich, daß man 
feine Zeit hatte, müde zu ſein. E3 gab noch viel zu ex- 
zählen; man hatte nom manch Liedlein zu fingen und viele 
Deklamationen an den Mann zu bringen. Auch mußte den 
Kielern noch einmal wieder geſagt werden, daß ſie lieben3- 
würdige Wirte und Wirtinnen geweſen waren. Unter den 
lezten Rednern waren auch zwei Hamburger Kollegen, die 
wie alle andern Kieler Gäſte gern an die Kieler Tage 
zurücdachten. cqU. 
Aus Hamburg. 
Über die Urſache des ſchreflichen Todes der kleinen 
Scröder in der Latrine der Markusjtraße bringt der Hambur- 
giſche Correipondent in ſeiner Morgennummer vom 15. Juli 
recht eigenartige Auslaſſungen. AuSgehend von einer Notiz 
im Hamburger E<ho, nac< der jon früher einmal in der 
VolkF&<ule Humboldtſtraße 30 ein Kind in die Latrine ge- 
fallen iſt, heißt e3 im Correſpondent: 
„Das Kind in der iſt in das „Klojett“ geſtürzt (richti- 
ger: in eine der ebenſo den wie leden8gefährlichen und nebenbei 
noF äſthetit<h verwerilichen Latrinenanlagen, die leider ſelbſt 
zu jeßhiger Zeit der „Sanierung“ ganz unverantwortlicherweiſe in den 
Volksſihulen no< beibehalten worden ſind). Der Unfall in der Humboldt- 
ſtraße hätte ſehr wohl eben denſelben entjezlichen Au8gang nehmen können 
wie derjenige in der Markusſtraße. Vollends unerklärlis iſt es uns, 
daß, wenn nun einmal ein ſo unliebſames Ereignis paſſierte, die Ange- 
legenheit einfa< auf ſich beruhen blieb und nicht zu den erforderlichen 
weiteren Maßnahmen Veranlaſſung gab. Die in Rede ſtehenden trau- 
rigen Zuſtände in den hamburgiſchen Volk8ſchulen waren doh den Hauvpt- 
lehrern, Lehrern und Lehrerinnen längſt bekannt. Nun kam [19 ein Fall 
wie der in der Humboldtſtraße, der die Gefährlichkeit der Latrinenanlage 
in das grellſte Licht brachte. Daß daraufhin nichts geſc<ehen iſt, 
um für dur<greifende Beſjerung zu ſorgen, muß faſt unbe- 
greiſlic<h erſ<einen, und ſelbſt wenn, was kaum anzunehmen iſt, 
dringliche Reklamationen bei den Behörden nichts gefruchtet hätten. 
Gerade die Herren Lehrer und Lehrerinnen in den Volks8ſchulen verſtehen 
 
 
 
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e8 doch ſonſt gar nicht ſo ſchlecht, beſtehende „Mängel“ und „Mißſtände“ 
20. zur Öffentlichen Beſprechung zu bringen, ſowohl in der TageSpreſſe 
wie auch in den ihnen zu Gebot ſtehenden Fachzeitſchriften („Pädago- 
giſche Reform" und „Hamburgiſche Schulzeitung“). DieSmal aber ifi 
nicht einmal das Sprichwort zur Geltung gekommen, daß man den 
Brunnen erſt zude>t, nachdem da8 Kind hineingefallen !- Die indirekte 
Folge war (und da8 muß empörend wirken) der ſchre>kliche Tod der 
leinen Schröder !“' 
Empörend, hochverehrter Correſpondent, muß ganz etwas 
anderes wirken, nämlich daß man der Volks8ſchullehrerſc<aft 
und ihren Fachblättern die Schuld an dem Unglü> in die 
Schuhe ſchieben wil. Man beachte die eigenartige Beweis- 
führung des „Familienblattes für die gebildeten und beſiken- 
den Stände“: Von der Baudeputation, die die lebens8gefähr- 
lichen und ekelhaften Latrinen angelegt hat, iſt überhaupt 
nicht die Rede. Ob dringliche Reklamationen an die Behörden 
ergangen ſind oder nicht, wird nicht feſtgeſtellt; es iſt aber 
nach dem Correſpondenten kaum anzunehmen, daß ſie nichts 
gefruchtet haben ſollten; aljo auch die Behörden ſind ſchuld- 
lo8. Ein Sündenbo> muß ſein, innerhalb der gebildeten 
und beſißenden Stände kann und darf er nicht ſein, wer 
bleibt da dem armen Familienblattlogifer anders übrig 
als die Volksſchullehrerſc<haft, die nicht genug Lärm ge- 
Ichlagen hat. 
Wir wollen uns bei dem Familienblattlogiker nicht 
länger aufhalten; ſeine Logik nachzudenken, dürfte für einen 
denkenden Menſchen vergebliche Mühe fein; klar iſt nur eins, 
daß der Schreiber den Lehrern eins hat auswiſchen wollen. 
Nun einiges zur Frage der dringlichen Reklamationen : 
Seit Jahren bemüht ſich die Lehrerſchaft um eine würdigere 
und geſundheitlich vollkommenere Geſtaltung der Schulhäuſer, 
einſchließlich der Abortanlagen. Geholfen hat es recht wenig: 
Freilich hat die Behörde dadurc<, daß ſie in den neuen 
Schulhäuſern Dampfheizung anbringen läßt, die Minder- 
wertigkeit, bezw. das Geſundheitſchädliche der Luftheizung 
anerkannt; aber in den alten Volksſchulen bleibt do< alles 
beim alten. Wiederholt iſt auf das Ekelhafte der alten 
Abortanlagen hingewieſen, jeßt haben ſie jich als lebenS3ge- 
fährlich erwieſen; für die neuen Schulhäuſer ſind Wajſſer- 
loſett8 in Ausſicht geſtellt; in den alten bleibt alle3 beim 
alten --- oder do< nic<t? Wir wollen genau jein: In der 
Volksſ<ule an der Dehnheide in Barmbe> iſt vor kurzem 
eine Verbeſſerung angebrac<t worden. Bisher jtand am 
untern Ende der Latrine ein etwa 60 cm hohes, oben offenes 
Rohr, durch das das überſchüſſige Waſſer ablief ; dieje3 Rohr 
hat man auf etwa 20 cm verkürzt und oben geſchlojjen; das 
Waſſer kann alſo nicht mehr ablaufen und überſc<wemmt 
den Keller, wenn der Schuldiener nicht täglich vier bis fünf 
mal diejen neuerfundenen Stöpſel aufzieht, um das Water 
ablaufen zu laſen. Je weniger Spülung, deſto Jeltener 
braucht der Stöpſel gezogen werden; der Handgriſſ dieſes 
Stöpſel3 befindet ſich etwa 40 cm unter dem nunmehr ſeſt- 
gelegten Latrinenbrett; daß der Schuldiener nicht unnüßz oft 
in dies ekelhafte Dunkel ſeinen Arm hinunterttre>ät, itt 
begreiflich, und daß er die Spülung möglichſt ein|<ränkt, 
desSgleichen. Wir möchten un3 da doc<h die Frage erlauben: 
Warum wird der Handgriff nicht wenigſtens oberhalb des 
Sitbrette3 angebracht? Haben die Herren von der Bau- 
deputation eine Ahnung von dem, was ein Schuldiener zu 
thun hat? Im Winter iſt er von früh 3 Uhr an mit der 
Heizung beſchäftigt; während der Schulzeit hat er eine 
Menge vm Wegen zu beſorgen ; jede Woche einmal geht er 
in die Stadt aufs Bureau der Oberſchulbehörde ; wer bedient 
unterdeſſen die neue Erfindung *? Man jieht wohl, daß die 
Neueinrichtung Fli>werk billigſter Sorte iſt. Und wenn 
jol<h Flidwerk wenigſtens auf die Länge no< billig bliebe?! 
Allen Bürgerſchaft8mitgliedern, den Bauverſtändigen unter 
ihnen ganz bejonder8, kann eine Beſichtigung des vorhin- 
genannten Schulhauſes, Dehnheide 60, und ein Studium 
ſeiner Geſchi<te nicht genug empfohlen werden. Wir 
geſtatten uns Einzelheiten anzuführen : Vor einigen Jahren 
iſt dem vierſtöFigen Bau ein zweiſtöiger angefli>t; die 
beiden unteren Korridore wurden dadurch ſo lang .und
	        
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