Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

Beherrſchung des Stoffs, klarem Zielbewußtſein und einem 
gewiſſen Takt auskommt. Die geht ihren Weg ohne viel 
Geplapper !“ Simons38 wird wiſſen, warum er das Urteil 
Kohlrauſc<s ſich aneignete, „daß die Lehrer der Volk3- 
ſchulen faſt die einzigen unter allen Lehrern find, die eine 
planmäßige, theoretiſch-praktiſche Anleitung zu lehren em- 
pfangen haben, und warum er hinzuſeßt: „Man vergißt oder 
man weiß nicht, wie ſtark gerade unter Shulmännern und 
Lehrern die Bewegung iſt, welche um Verinnerlichung und 
Belebung des Religion3unterrichts ſich bemüht.“ J< bedaure 
es darum aufrichtig, daß man bei uns das Gemeinjame der 
Aufgabe noc< nicht erkannt hat und ſjich nicht zu gegen- 
ſeitiger Förderung verbinden will. Gewiß hat der Religion38- 
unterricht an höheren Schulen auch jene ihm beſondere Auf- 
gabe; dieſelbe kommt doc< aber erſt zur Geltung in den 
höheren Klaſſen der Gymnaſien; für alle übrigen Stufen 
kommen in bezug auf Stoffau8wahl und methodij<he Be- 
handlung die gleichen Geſicht3punkte in Betrac<t, denn die 
pſychologiſchen Vorausſezungen und das Ziel ſind ſür die 
gleichen Alteröſtufen übereinſtimmend. Wenn beiſpielsweije 
von geiſtlicher Seite der Schule die Aufgabe geſtellt wurde, 
den religiöſen Lehrſtoff (Geſchichte, Bibelkunde, Katechismus, 
Geſänge) einzuprägen, den Geiſtlihen aber die eigentliche 
Erwe>kung und Pflege perſönlichen religiöſen Lebens zu 
überlaſſen, ſo verwahren ſich dagegen die Lehrer aller Schul- 
gattungen einmütig, weil ſie es als eine Beſchränkung ihrer 
Aufgabe empfinden. So wenig der Konfirmandenunterricht 
ſeine Aufgabe erfüllt häite, wenn ſich der Geiſtliche bemühte, 
ihm einen erbaulichen Charakter zu geben, 19 wenig der 
Religion3unterricht der Schule, wenn er in den ſeit Dörpfeldt 
mit Recht verpönten Memoriermaterialisömus zurüdfiele. 
Gewiß iſt, wie i< oben ſagte, der Glaube nicht eine Sache 
des Verſtandes, ein Wiſſen, ſondern ein Entjc<luß des 
Herzens, ein Wollen; das darf jedoch auc<h nicht zu einer 
Unterſchäßung des Unterrichtes, d. i. der planmäßigen Be- 
arbeitung und Durchbildung des Gedankenkreije3s, führen ; 
denn gläubige Hingabe an Gott ſetzt die Kenntni3 jeiner 
Offenbarung, vor allem der uns in jeinem Sohn gewordenen, 
-voraus, erfordert alſo Wiſſen. Der Einwand, für den 
Glauben habe das Wiſſen nur untergeordnete Bedeutung, 
hat alſo nur bedingte Geltung. Auch der Geiſtliche muß 
alfo auf da3 Behalten Gewicht legen, und es gilt auch für 
ihn darauf zu ſinnen, die Bewegung des Augenblicdes ſeſt- 
zuhalten in Grundſäßen für das Leben. Der Unterſchied 
zwiſchen dem pfarramtlihen und dem Sccul-Religion3= 
unterricht iſt alſo nicht methodiſ<er Art, vielmehr beruht 
er, wie Rolle in dem bez. Auffat in Reins Handbuc< richtig 
darlegt, „auf der Verſchiedenheit der beiden ethiſmen Geſell- 
Tchaft3organizmen Schule und Kirche und ihrer Aufgaben. 
Die Schule hat es mit der Erziehung des Einzelnen als 
ſol<en zu thun, die Kir<e mit der Eingliederung des 
Einzelnen in die Gemeinde. Die Kirc<e jammelt die in der 
Schule vorgebildeten und zur Perſönlichkeit ausgereiſten 
Einzelweſen zur Gemeinſchaft im Sinne des dritten Glaubens- 
artikel8.“ Es handelt ſicß von hier aus um eine Teilung 
des Stoffes zwiſ<en KirHe und Schule, eiwa die Frage, 
db die Schule den Katehi8Smus der Kirche überlaſten foll, 
wie von der Heydt e3 wünſ<ht. Mir will es als an- 
-gebracht erſcheinen, für Unter- und Mittelſtufe der Forderung 
des einheitlichen Religions8unterricht3 nachzukommen, die ge: 
ſonderte Katechismusbehandlung, die ſicß nur auf die drei 
erſten Hauptſtü>e erſtre&fen kann und die nicht nach dem 
Aufſagenkönnen der Lutherſchen Erklärung gemeſſen werden 
„darf, der Oberſtufe zu überweiſen. Verzichten kann und will 
die Schule nicht auf den KatechiSmus, weil im <rijtlichen 
Glauben neben den Heilsthatſac<en immer wieder die Heils- 
-wahrheiten ihr Recht fordern. Soviel man auch gegen das 
dogmatiſche Chriſtentum ſich ereifern mag, auch der dem 
Chriſtentum eigentümliche Lehrgehalt verlangt ſein Recht 
und darf von der Schule nicht ignoriert werden. Wenn 
aber der Religion8unterricht fjih an den Schüler wenden 
wil mit der Forderung perſönlicher Stellungnahme und 
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- am geeignetſten darbieten. 
wanted 
Aneignung, ſo wird ſich ihm immer das Katechi8muswort 
Der Konfirmandenunterricht aber 
müßte, um die Jugend zu befähigen, am Leben der Kirche 
teilzunehmen, neben den Gnadenmitteln das Weſen der Kirche, 
ihre Aufgabe und Arbeit, alſo auch innere und äußere 
Miſſion, ihre Geſchichte wie auch die Liturgie behandeln. - 
Man hat bei den verſchiedenſten Gelegenheiten be- 
hauptet, daß der größere Teil der Lehrerſchaft der Religion 
gleichgültig oder gar feindlich gegenüberſtehe; ich habe mit 
aller Entſchiedenheit vagegen proteſtiert. Möchte jich das 
Intereſſe der Lehrerſchaft an all den Problemen, die uns 
die religiöſe Jugenderziehung ſtellt, jeht, wo die Frage 
aktuell geworden iſt und die Geiſtlichkeit wie die religiös 
intereſſierten Laien gleicherweiſe bewegt, kundthun, damit 
der Schule ihr Recht auf die religiöſe Unterweiſung nicht 
verfümmert werde. 
Aus Hamburg. 
Geſellſchaft der Freunde 2c. Generalverjammlung anm 
Mittwo<, den 24. Oktober, abends 7?/2 Uhr. Zunächſt wird 
auf Antrag de8 Vorſtandes beſchloſſen, 45 4, welche ein 
Mitglied unſere3 Vereins der Vorſchußkaſſe ſeit längerer Zeit 
al3 Reſtbeſtand ſchuldet, gerichtlich einzutreiben. Der Pro- 
ponent teilt mit, daß der Vorſtand jezt aus folgenden Mit- 
gliedern beſtehe: Herr H. Möller, Proponent, H. Paulſen, 
Aſſiſtent, F. Veters8, F. Bloh, H. Troſt, Vorſteher, A. Maat, 
erſter Schriftführer, H. Hamann, zweiter Schriftführer, A. Witt, 
erſter Kaſſenverwalter, T. Blin>mann, zweiter Kaſſenverwalter, 
I. Siever3, Vertreter der Witwenkaſſe, J. Halben, Vertreter 
der Penjſionskaſſe, H. Wieſe, Vertreter der Krankenkaſſe, 
H. Stuht, Vertreter der Bibliothek-Kommijiion, G. Deppe, 
Vertreter der Leſezirkel-Kommiſſion. Darauf erſtatten die 
Kaſſierer ihre Berichte, und zwar Herr Witt für Haupt- 
kaſſe und Reſerve-Fond3, Herr Sievers für Witwenkaie, 
Herr W. Möller für Bibliothek, Herr Deppe für Leiezirkel, 
Herr Stuht für Lehrmittel-Kommiſſion, Herr Horſtkotte für 
Jugendſchriften-Kommiſſion, Herr M. Meyer für Feit-Kom- 
miſjion, Herr KöhnFe für Dieſterweg-Sriſtung und Vorj<uß- 
faſſe, Herr Kadow für Verlag3artikel. Sämtlichen Kayjen- 
führern wird Entlaſtung erteilt. Der Koſten-Anj<lag für 
das kommende Jahr wird in der vom Vorſtand vorgelegten 
Form bewilligt. Dabei nimmt die Verſammlung den Antrag 
der Vibliothekl-Kommiſſion: „Die-Bibliothek-Kommijnon er- 
bält bis zum Inkrafttreten der neuen Geſetze das Recht der 
Selbſtergänzung“, nach Begründung durcb Herrn W. Möller 
an. Schluß 11*/4 Uhr. A. M. 
Shulgeſchichtlihe Sammlung des Schnlwiſſenſchaftlichen 
VBildungsvereins. Bericht über das dritte Vierteljahr 
1900. Der Jahre3zeit entſprechend, in der das Intereſſe ſic 
vorwiegend der ſchönen Natur zuwendet, var die Zahl der 
Eingänge für die genannte Sammlung bedeutend kleiner als 
in früheren Vierteljahren. Immerhin ſind von 10 Gebern 
in 15 Einſendungen im ganzen 132 Nummern, größtenteils 
recht intereßjante Sachen, der Sammlung zugegangen. Wir 
verdanken jie den Damen Frau C. E. Wagener Wwe. und 
Frau Cäc. Schulze, ſowie den Herren C. Borfum, F. Brandt, 
Dr. C. Walther, P. Sydow, H. Berndt und A. Part; 
au< die Unterzeichneten konnten einige Gegenſtände hinzu- 
fügen. Aus den Eingängen ſeien bejonder3 hervorgehoben : 
eine größere Anzahl von Rechenbüchern (von C. D. Weſtphalen, 
3. H. Wagener, C. &S. Wagener), vier ältere Einſchreib- 
bücher, geſchriebene und gedrudte Weihnacht8wüniche, 
Eramen-Probeſchriften, Schreibvorlagen (darunter ein älteres, 
leider nicht ganz komplettes Werk aus dem 17. Jahrhundert), 
verſchiedene Druſachen, Lebensbeſc<hreibungen hamburgücher 
Schulmänner, Statiſtik des Unterricht3wejens, Wohlthätig- 
keitSbeſtrebungen uſw. ; Hamburgiſche Schulzeitung (1., 2. und 
3. Jahrgang, 4. Jahrgang 1. Vierteljahr) und anderes mehr. 
Wir danken den freundlichen Gebern namens des Ausſ<uſſes 
beſtens für ihre Einſendungen, und bitten, dieſes Intereſſe
	        
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