Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

Klaſſen nebſt Turnhalle in einem einheitlichen Gebäude unter- 
gebracht ſind, b) eine Zeichenklaſſe vorgeſehen iſt; 2. den 
Senat3antrag, betr. Herſtellung und Ausrüſtung eines 
dreißigklaſſigen Volksſchulhauſes nebſt Turnhalle an der 
Schillerſtraße auf der Uhlenhorſt, "angetragenermaßen ab- 
zulehnen und den Senat um Vorlage eine8 Planes zu er- 
ſuchen, in dem den vorſtehenden Vorſchlägen des Ausſchuſſes 
Rechnung getragen wird. 
Perſonalien. 
Folgende 70 Lehrer ſind nachträglich in die erſte Amtsklajſe 
befördert? Blöder 1, Blö&er UU, Schulz I], Bohnhoff, Martens VI, 
Steinhagen, Steenbo>, Reyer, Neegel, Witt UU, Simon 1, Horſtkotte, 
Reifkogel, Neumann I, König 1], Wittro>, Lem>e, Schulz VI, Pollähn, 
Gutmann, Gölis, Börger, Heinemann, Reher IT, Angermüller, Rolff, 
Walſemann, Fabian T, Krome, Steenholdt, Wöhler, Beyle, Brandt 11], 
Ehlex3 IV, Göße II, Ernſt, Hanſen Il], Harten IV, Kikbuſch, Lau JT, 
Lottig, Nahr, Penkert, Vloen, Reeſe 1, Runge 1, Saſſe 1, Söder, Schükz, 
StoFfleth, Thieſſen, Wagner TIT, Weſtphalen, Hornung 1], Kragge, 
Hothmann, Miemann, Reimer8 V, Reimer8 VI, Wohlers, Schrader, 
Lehmann III, Rlath, Seiß, Tagge, Wolf XT, Haene>e, Maaß UU, 
Schönfeldt I, Voß VU. 
Zum 1. Oktober 1900 ſind 30 Lehrer in die erſte AmtZ8- 
klaſſe befördert: Götſ<, Mumm, Dreyer I, Wichmann I], Ruß, 
Langer, von der Brelie, Dietrich, Shmidt IX, Sieger, Moztkus, Hufnagel, 
Gerken, Offermann, Prigge, Rake, Rautert, Zindler, Abben, Detert, 
Hammeric<, Traulſen Il, Dudenboſtel I, Finke, Nabel 1, Kumbſt, 
Kromme38, Sc<harlibbe, Herrmann, Sauer. 
Neuanſtellungen zum 1. November 1900: Frau M. 
Lindner, geb. Groſpiß, interimiſtiſch-beſchäftigte Hilfslehrerin a. Dd. V. 
Humboldtſtraße 61; zum 8. November 1900: Frl. G. Geert, Hilfs- 
lehrerin an der Hilf8|<ule Rothenburgsort 95. 
Verſezung: Frl. M. Hohngarten von der Hilfsſc<ule Rothen- 
hurg3ort 95 an die neue Hilfsſ<ule Oſterſtraße 68. 
Der neuerwählte Waiſeunhaus-Direktor, Oberlehrer Dr. 
Peterſen, ſchied am Sonnabend aus ſeinem bisherigen Wirkungskreije 
und von dem Lehrerkollegium der Realſchule in CimS3büttel. An feine 
Stelle tritt Herr Oberlehrer Dr. Lemske. -- In die Stelle des mit dem 
1. Oktober naG Cuxhaven verſetzten Oberlehrer8 Dr. Schüt iſt Herr 
Dr. Franß aufgerüt. 
Vom Landgebiet. 
In der letzten Vortrag38verſammlung des „Lehrervereins 
für Geeſtha<ht und Umgegend“ hielt Kollege Bauer-Beſen- 
horſt (Kreis Lauenburg) einen Vortrag über den BuddhiZ3- 
mu3. Redner führte etwa folgendes aus : 
Der Gründer de3 Buddhi3mus3 iſt Siddartha Gautama, 
der Sohn eine8 Fürſten der Sakyas, eine3 Volkes, das im 
heutigen Nepal wohnte. Gautama hatte ſich ſchon jehr 
jung mit einer Verwandten verheiratet. Gerührt durch die 
Leiden der Menſchheit, floh er im Alter von neunundzwanzig 
Jahren, in der Nacht, da ihm ein Sohn geboren war, in 
die Einſamkeit. Zwei Brahmanen der Hindus unterrichteten 
ihn. Dieſe legten auf Bußübungen großen Wert, und auch 
Gautama erlangte al3 Büßer einen großen Ruf. Sehr bald fand 
er jedo<, daß die Kaſteiungen ihm nicht Frieden zu bringen 
vermochten. So entwarf er denn eine ihm paſſende Lehre, 
ein neues „Syſtem“; er wurde ein Buddha, das iſt ein 
Erleuchteter. Nach dem Seelenkampfe unter dem heiligen 
Bobaume (Ficus religiosa) trat er endlich mit feiner neuen 
Lehre hervor. Wenn wir das Syſtem Gautama Buddhas 
kurz zu der Lehre Chriſti in Beziehung fetzen, jo kommen 
wir zu folgendem Ergebnis: Er lehrt 1. die höchſte Güte 
oder Wahrheit ohne perſönlichen Gott, 2. eine höchſte Er- 
kenntnis ohne Offenbarung, 3. eine ſittliche Weltordnung 
oder Gerechtigkeit, 4. eine bis zum Nirwana fortdauernde 
Eriſtenz ohne unſterbliche Seele, 5. eine ewige Seligkeit ohne 
örtlichen Himmel, 6. eine Heiligung ohne Heiland, 7. eine 
Erlöſung ohne Erlöſer; jeder erlöſt ſich ſelbſt. 
Dieſe Lehre wird nie vergehen; denn ihr Geiſt iſt die 
ewige Wahrbeit ſelbſt. Die äußere Form iſt wandelbar. 
In jedem neuen Zeitraum wird ein neuer Buddha geboren, 
der die Lehre in die ſeiner Zeit angemeſſene Einkleidung 
bringt. Vor Gautama, jo erzählen die Hindus und der 
Meijter ſelbſt, gab es ſc<on vierundzwanzig Buddhas, die 
der Menſ<bheit immer wieder neue Wege zur Glüdſeligkeit 
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eenma 
eröffneten. Der künftige Buddha, welcher fünftauſend Jahre 
naß Gautamas Tode erſtehen foll, wird der Buddha der 
Güte genannt werden. 
Die drei Hauptbücher der Buddhiſten = Vinaya Pitaka, 
Sutta Pitaka und Abidhamma -- welche zum Teil in der 
Sanskrit-, zum Teil in der Paliſprache niedergeſchrieben ſind, 
enthalten metriſche und vrofaiſche Regeln und Sprüche, die 
jeder <riſtlichhen Sittenlehre zur Zierde gereichen würden. -- 
Die wundeſten Stellen von Gautamas8 Lehre ſind, wie bei 
allen Religionen, die Myſterien. Er hat deren vier: 1. das 
Karma, 2. das Triſhna oder Tanha, 3. das Upadana, 
4. das Nirwana. Das Karma beſagt folgendes: Sobald 
ein empfindendes Weſen (Menſc<, Tier oder Engel) ſtirbt, 
wird ein neues in einem mehr oder minder leidvollen und 
körperlichen Daſein3zuſtande hervorgebracht, je nach dem 
Karma, dem Verſchulden oder Verdienſt des "Verſtorbenen. 
Die Urſache, welche das neue Weſen hervorbringt, iſt das 
Trifhna (Durſt nach Ausgleich und Aufhebung des Böſen) 
und das Upadana. Das Karma der früheren Reihe von 
Eigenſchaften (Skandha3s) oder des empfindenden Weſens -- 
eine Seele erkennt Gautama nicht an -- beſtimmt alſo Ori- 
lichkeit, Natur und Zukunft der neuen Reihe, des neuen 
empfindenden Weſen3; bis das Nirwana, ein Zuſtand höchtjten 
Glüdes8 auch ſchon in dieſem Leben, alles auslöſ<t. Wunder 
verwirft Gautama jelbſt, nicht8deſtoweniger haben jeine 
Schüler ſein Leben und feine Lehre ſpäter reich damit bedacht 
und ausgeſc<hmüdct. 
Schon während Lebzeiten Gautama38 und nach jeinem 
Tode breitete ſich ſeine Lehre über den größten Teil Aſiens 
aus. Jede3 Volk aber „verbeſſerte“ ſie nach den Charakter- 
eigenſchaften, die eben ihm eigentümlich waren. Am meiſten 
iſt Gautamas Lehre in Tibet entartet, dort werden viele 
Götter oder Buddha38 verehrt, was der urſprünglichen Lehre 
vollſtändig zuwiderläuft. Die ganze Religion verfiel in 
Ausübung vvn Ceremonien und Riten. Auch der Tibetaner 
hat ſeinen Roſenkranz, ſeine Heiligen und im Dalai Lama 
jeinen Papſt, wie die römiſch-rkatholiſche Kirche. 
Ungefähr fünfhundert Millionen Menſ<<en (*/5 der 
Menſ<heit) ſind Buddhiſten ; kaum einer von denen jedoch, 
die Blumen auf den Altar Buddhas legen, hat no< die 
reine Lehre des Meiſter3. 
Pädagogiſche Rundſchau. 
Die Sterbekaſſe deutſcher Lehrer in Berlin, gegründet 
1887, zäblt jezt ſhon über 8100 Mitglieder =- darunter auch einige 
Hamburger Kollegen -- mit einer Verſißerungsſumme von 5*/2 Millionen 
Mark. Zn den erſten a<t Monaten dſs. Jahres kamen hinzu 860 Mit- 
glieder mit 528 000 4. Verſiherung8j umme. Bei einem Vermögen von 
etwa 800 000 4. belaufen ſim die Prämien-Referven auf 384 000 4. 
An Dividenden wurden gezahlt 1896--98 je 25 */o, im letzten Jahre 
27 0 der Prämie. Aufnahmeberehtigt ſind alle im geſamten Schul: 
und Aufſichtsdienſt ſtehenden Perſonen und die Mitglieder ihrer Familien, 
Seminariſten und Präparanden. Nur in zweifelhaften Fällen wird die 
Aufnahme von einem ärztlichen Atteſte abhängig gemacht. Die zuläſſige 
Verſiherung8ſumme beträgt 100 bi8 1000 M. für ein Leben. Jede ge: 
wünſc<te Auskunft erteilt gern unſer VertrauenSmann, der Kollege 
H. Wagner, EimSbüttel, Gärtnerſtraße 118 I]. 
Wien. Die „Freie Deutſhe Schule“ (Wien) berichtet: Amts8ge: 
noſſe Otto Katichinka, ein Sohn des Obmannes des „Deutj<-öſter: 
reihiſchen Lehrerbundes“, ward zu Beginn des Schuljahres (1. Oktober) 
mit a<t Dienſtjahren in nicht feſter Anſtellung vom Wiener Bezirks: 
Sculrate ohne Disciplinarunterfuc<hung entlaſjen. Die Amts: 
genoſjen Hödl, Kern, Müller, Knopf, Ungar, Holzer u. a. wurden jfeitens 
der Hriſtlich-ſozialen Gewerbeſ<ulkommiſſion aus ihren Stellen an Wiener 
GewerbeſHulen ohne Angabe von Gründen entlaſſen. 
Streiflichter. (Nach der „Freien Deutſ<en Scule“, Wien.) 
Päpſtlicher Segen und Fluc<. Pius IX. ſegnete 1847 Oſter- 
reiH, und es verlor. Er ſegnete 1866 Oſterreich und das keßeriſche 
Deutſchland verfluchte er. Oſterreich verlor. 1870 jegnete er Frankreich 
und verfluchte Deutſchland no<mals. Deutſ<land ſiegte. Nach dieſen 
Wirkungen iſt, wie es ſc<eint, der päpſtliche Fluc< vorzuziehen. Der 
arme Papſt. Sein Vermögen wird auf 2000 Millionen Gulden be- 
rechnet. An Peterspfennigen geben alljährlich mindeſtens 10 Millionen 
ein. Gold- und Silbergeſchenke, ſowie Juwelen, welche der Papſt 1899 
zu ſeinem Prieſter-Jubelfeſte erhielt, ſollen 21 Millionen Lire wert ſein. 
Wie viele Armenhäuſer und Spitäler könnte man von dieſen ganz nußlos 
aufgeſpeicherten Schätzen erbauen?
	        
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