Full text: Hamburgische Schulzeitung - 8.1900 (8)

mir, ein langjähriges eingehendes Studium der Natur und 
der hierfür notwendigen Hilfs8wiſſenſchaften brauchte, um es 
zu derartigen Reſultaten zu bringen, in den andern Bildern 
von Tadd3 Buche ſein Eigentum als das vorgebliche Pro- 
dukt des unmittelbaren Naturſtudiums8 von unzurechnungs- 
fähigen Kindern wiederfinden, ſo ſteht zu hoffen, daß er ſeine 
Entde>ungen gleichfalls im Intereſſe des Faches veröffentlicht, 
in welchem heutzutage unter dem Titel „Reform“ ſo vielerlei 
Humbug getrieben wird.“ Den Worten des bekannten Fach- 
mannes iſt wohl nichts hinzuzufügen. R. 
Aligemeine hamburgiſche Lehrerverſammlung. Der ge- 
ſchäftsführende Ausſchuß hielt am 15. Dezember, 5?/2 Uhr 
nachm., im Hammonia-Geſellſchaft8haus8 eine Sißung ab, 
auf deren Tagesordnung jich die Abrechnung über die lette 
Verſammlung und die Neuwahl des Vorſtandes befanden. 
Herr H. Junge berichtete, daß die Ausgabe ſeit der Ver- 
ſammlung von 1898 593.80 M. und die Einnahme von den 
beteiligten Vereinen 595.-- Hb. betrage. Bei der Vorſtand83- 
wahl wurden gewählt Herr Gripp zum erſten und Herr 
H. Pauljen zum zweiten Vorſißenden, der Unterzeichnete zum 
Rechnungsführer und Fräulein de Fauquemont und ein Ver- 
treter des Vereins Hamburger Landſchullehrer zu Schrift- 
führern. I. D. Marten3, bisheriger Schriftführer. 
Berfonalien. . 
Beförderungen: Auf den 1. Dezember 1900: Oberlehrer 
3. Gehaltsklaſje Dr. pd). Emil Rizenfeldt an der Realſchule in GimS- 
büttel zum Oberlehrer 2. Gehaltsklaſſe. Techniſcher Lehrer 2. Gehalt3- 
laſſe Heinrich Flügge an der Realſchule in GimS3büttel zum techniſchen 
Lehrer 1. Gehaltsklaſe. Vorſ<hullehrer Nicolaus Rehder an der Ober- 
realſ<ule vor dem Holſtenthore zum techniſchen Lehrer 2. Gehaltsklaſſe. 
Abgang: Der techniſche Lehrer an der Oberrealjc<ule vor 
dem Holſtenthorxe, Heinrich Weidemann, iſt am 30. November 1900 in 
den Ruheſtand verſezt. Der Vorſchullehrer an der Realſchule in Gim8- 
büttel, Friedri? Kauffmann, tritt am 1. April 1901 in den Volks <ul- 
dienſt zurück. 
Vom Landgebiet. 
In der 7. Vortrag3verjammlung des „Lehrerverein3 
für Geeſtha<ßt und Umgegend“ hielt Kollege Poll einen 
Vortrag über den „Orthographieunterricht in der 
Volks | <ule.“ Der Redner wies darauf hin, daß die durch 
den ehemaligen preußiſchen Kultu38miniſter von Puttkamer 
eingeführte Rechtſchreibung uns wohl eine einheitliche, ſogar 
eine vereinfachte Schreibweiſe der Wörter gebracht habe, 
daß dieje den Anforderungen aber no; nicht genüge. 
Folgende Leitſäße wurden angenommen: 1. Eine Vereinfachung 
unſerer Orthographie iſt durcßaus notwendig. 2. Möglichſte 
Nutßbarmachung des Lehrſtoffes in andern DiSziplinen für 
den Deutſchunterricht und fomit auch für den Unterricht in 
der Orthographie iſt erwünſcht. 3. Der Elementarunterricht 
hat die Aufgabe, den eigentlichen Orthographieunterricht nach 
Möglichkeit vorzubereiten und zwar 3) durch lautreines 
Sprechen, b) dur< Vorführung richtiger Wortbilder, 6) durch 
einfachſte Belehrung der Kinder über jolc<;e Wörter, deren 
Schreibweiſe nicht mit der Ausſprache übereinſtimmt, d) durc< 
fleißiges Zerlegen der Wörter in ihre Lautbeſtandteile, und 
6) dur<G Niederſhreiben von Wörtern nach geſchehener 
Vorbereitung. 4. Während die Unter- und Mittelſtufe den 
orthographiſc<en Unterricht betreibt durcß Buchſtabier-, 
Abſc<hreibe-, Aufſchreibe-, Diktat: und Auſſatßübungen, hat die 
Oberſtufe die Buchſtabier-, Diktat= und Auſſatßübungen ſortz- 
zuſehen. 5. E83 iſt fleißig Gebrauch zu machen von der An- 
fertigung ſchriftlicher Aufgaben. 6. Das dem Deutſchunterricht 
et:va zu Grunde zu liegende Sprachbheft hat für eine zwe- 
mäßige Anordnung des orthographilchen Übungsſtofſes Sorge 
zu tragen. Eine lebhafte Debatte entjpann ſb um die 
Leitſätze 2 und 5, ſowie über den Wert der Wortbilder 
und der Regeln im Orthographieunterrichte. Herr Pol 
batie in der zweiten Theſe gefordert: „Möglichſte Gin- 
ſowränkung des Lehrſioffes in andern Disgziplinen zu 
gunſten des Deutſchunterrichtes 2c.“ Der größte Teil der 
Verjammlung entſchloß ſich jedo< zur Annahme der Theſe 
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in vorſtehender Faſſung. Zu Leitſatz 5 hatte der Vortragende 
dein Zuſaß „nicht nur im Hauſe, ſondern auch in der Schule.“ 
Die Verſammlung bej<loß dieſen Zuſatz zu ſtreichen. 
P. Lüdtke. 
Der Lehrer- Verein in den Walddörfern tagte am 
12. Dezember in Volksdorf. Troß des ſchlechten Wetters 
und ungeachtet der weiten Wege (8--12 km) waren alle 
Mitglieder erjhienen. Zunächſt hielt Herr Timm, Lehrer in 
Wohldorf, einen Vortrag über „Schulgeſundheitspflege“. 
Pflicht des Lehrer3 iſt es, die Geſundheit der ihm anver- 
trauten Kinder zu erhalten und zu fördern. Der Schularzt 
ſei zu fordern. Dieſer habe jedes neu eintretende Kind zu 
unterjuchen und den Lehrer auf etwaige Schwächen und Ge- 
brechen der Kinder aufmerkjam zu machen. Der Redner 
fordert ferner eine Verkürzung der Lehrſtunden und eine Ver- 
längerung der Bauten während des erſten Schuljahres. Die 
Hauzaufgaben ſind zu beſchränken und für die beiden erſten 
Sculjahre zu beſeitigen, damit Zeit für das Spiel und die 
Erholung bleive. Neben dem Turnen iſt das Bewegungsſpiel 
im Freien zu pflegen. ES jind häufig, namentlich im Sommer, 
fleinere und größere Ausflüge in die Umgebung des Schul- 
orte3 zu machen. Die Bedeutung de8 Schulbades wurde 
gewürdigt. Die geteilte Schulzeit iſt der ungeteilten vor- 
zuziehen; do<h darf der Nachmittagsunterricht nicht gleich 
nach der Hauptmahlzeit beginnen. In der Beſprechung 
wurde dem Redner faſt in allen Punkten zugeſtimmt. Zum 
Schluſſe der Verſammlung wurde der Vorſtand für das 
nächſte VereinsSjahr neugewählt. Kollege Schlüter in Wohl- 
dorf wurde als erſter Vorſißender, Kollege Schmidt in 
Farmſen als zweiter Vorſizender und Kollege Johannjen in 
Farmſen als Schriftführer gewählt. 
Au3 Altona. 
Pädagogiſ<er Verein. Okftober-Verjammlung 
verſpätet). Herr Rektor Kähler |pra<; über die Scul- 
verhältniſſe Altonas. Er warf zunächſt einen RüdbliE auf 
die biSherige Entwiädlung des hieſigen Schulweſens. Die 
Reorganijation desfelben begann im Jahre 1866. Sechs 
Stadtſchulen und zwei Freiſchulen wurden eingerichtet. Die 
Trennung der Geſchlechter wurde durchgeführt und der 
Unterricht in Tag3- und Abendſchulen von 8--11 und von 
1-3, bezw. von 6--9 erteilt, jo daß die Lehrer mit Unter- 
brechung von 8 Uhr morgen3 bis 2 Uhr abend3 thätig 
waren. Die Schülerzahl beirug in den untern Klaſen 
120 -- 130, in den obern 80--90. EZ folgte dann die 
Errichtung von ſec<8klaſſigen und jeH5ituſigen Bürger- und 
Mittelſ<hulen und dreiſtufigen Freijchulen. Einſchneidende 
Veränderungen ſtanden jedoc< bevor, als im Laufe der Zeit 
neue Klaſen entſtanden, die nicht untergebracht werden 
konnten. Damit begann die ſchöne Zeit der „Hilfsklaſſen“, 
die bi8s in die Gegenwart hinein auf eine freudige und 
darum gedeihliche Arbeit in der Schule hemmend einwirken. 
1892 vollzog ſich die Verſ<melzung der Bürger- und Volk8- 
Ihulen. Die Schülerzahl fiel auf 70 --80 in den obern, 
auf 80--90 in den untern Klaſſen. = Es> kann nicht ge- 
leugnet werden, daß ſich ein Fortſchritt zum Behſjern gezeigt 
hat; das ſoll auch anerkannt werden. Aber die „Hilfsklaſſen“ 
zeigen, wo bei einer weitern Beſſerung der Hebel einzuſetzen 
iſt. Unſer Schulweſen leidet an Überfüilung der Klaſen , 
welche ein Erreichen des Unterricht8Zzieles nahezu unmöglich 
macht. Dieſe Überfüllung hat zum großen Teil ihren Grund 
in der Einrichtung von ſechsSſtufigen Schulſyſtemen. Sol 
dem Übelſtand abgedolfen werden, fo muß eine Beſeitigung 
dieſer Einrichtung angeſtrebt werden. Die ſechSſtufige Schule 
muß in eine mehr als ſechsſtuſige umgewandelt werden. 
Am beſten wäre die achtſtufige, da dann die Zahl der 
Schuljahre mit der der Stufen zuſammenfallen würde. Da 
eine ſolc<e Umwandlung vorläufig jedoch unüberwindlichen 
Schwierigkeiten begegnen würde, jo begnügt ſich der Vor- 
tragende (und die Verſammlung ſtimmt ihm bei), die Um-
	        
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