Full text: Arbeiter-Jugend - 10.1918 (10)

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-Arbeiter- Jugend 
 
keit gegeben, ſich in geiſtiger Arbeit das Rüſtzeug zu erwerben, mit dem 
er ſpäter kämpfen känn. Im Richtungsſtreit der Pärtei Stellung zü 
nehmen, dazu werden die Jugendlichen nach Vollendung des ac<tzehnten 
gLeben8jahres noc reichlich Zeit haven. “ -- . 
' - Von - dieſen Gruündſäben aus8gehend, haben die Leiter und Träger 
der hieſigen Jugendbewegung ihre Aufgaben aufgefaßt, haben . Lehrer 
und Erwachſene aus der Partei- und Gewerkſchaft8bewegung ihre Kraft 
in den Dienſt der Jugendbewegung geſtellt. Und - ſie haben hiermit 
große Erfolge erzielt, da8- beweiſen die 19 aufblühenden Abteilungen 
des Jugendbundes, die troß aller äußeren und inneren. Hemmniſſe 
während der Kriegszeit errichtet worden ſind und in deren Teilnehmexr- 
ſchar ein freudiger und zukunfifroher Geiſt herrſcht. Unſere im Felde 
ſtehenden Jugendfreunde werden hier bei ihrer hoffentlich nun bald 
erfolgenden Rüdkehr in die Heimat eine Stätte finden, wo ſie ſich 
unter Gleichgeſinnten wohlfühlen und ihre Erfahrungen in den 
Dienſt einer hoffnung8- und arbeitsfreudigen Jugend ſtellen können. 
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ZN Di beit IX 
"Q Die Gegner an der Arbeit 598 
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Gut behütete Jungfrauen, " 
Während ſich die katholiſchen Jüngling8verceiwe cifrig moderniſieren 
und auch den jugendlichen Mitgliedern eine gewiſſe Selbſtändigkeit ge- 
währen, ſind die katholiſchen Jungfrauenvereine in manHen Gegenden 
noch immer nicht von dem leiſeſten Hauch neuzeitlichen Geiſtes berührt. 
Da maren jüngſt zum Beiſpiel die Vorſtände eines Verbandes der 
fatholiſchen Jungfrawenvereine im der ſehr frommen Eifel zuſammen. 
Ucber dieſe Tagung b.richtet die „Tvieriſc<c Landeszeitung“ (Nr. 222) 
Dinge, die uns Weltkinder ſonderbar anmuten, Da hört man, „daß 
günſtige Vermögens3lage, vornehmer Stand und Ma- 
vronenalter die Berufung auf beſondere Ehrenpoſten im Verein 
wie im Schußvorſtand nahelegen“, wenn freilich auch anſtand3halber 
noch etliche fromme Tugenden hinzukommen müſſen. In den engeren 
Verband8vorſtand aber = des Jungfrauenvereins! =- wurden drei 
* Männer gewählt, zwei Geiſtliche und ein Geheimer Juſtizrat. Grſt 
dann kommen die weiblichen Vorſtandsmitglieder, voran zwei LKLehre- 
rinnen. Jm erweiterten Vorſtand iſt das Verhältnis ähnlich, | 
Man kamn ſich denken, wie in, ſo geleiteten Vereinen, zumal auf 
dem Lande, die Mäd<en vor jeder Berührung mit neuen Jdcen bewahrt 
(WM) Aus der Praxis der Bewegung [MW] 
Das Monatsprogramm, 
So verſchieden in den einzelnen Orten je rac< dem Umfang unſerer 
VBowegung die Zahl dor Veranſtaltungen ſein mag, e8 wird Überall 1n9ot- 
wendig jein, immer für eine gewiſſe Friſt im voraus die Veranſtaltungen 
zu beſtimmen and feſtzulegen, Die LuSsgeſtaltung dieſes Programms 
wird natürlich von der Zahl der Veranſtaltungen abhänaig ſein. In den 
arößten Ortcn iſt 3. B. das Jugendheim faſt jeden Abend zur Benußung 
freigegeben. Da wird män natürlich davon abſehen müſſen, an jeden 
Übend eine beſondere Veranſtaltung zu treffen, weil uns in der gegen- 
wärtigen Zeit gang beſondexs die nötigen Sträfte fehler, 
meiſten Fällen iſt e3 aber ſo, daß jede Woche & ine Veranſtalinng vor- 
gefehen iſt. Und diefen Abend möglichſt abwechſlungszreic<h und inbalts- 
voll zu geſtalten, äſt ein ſchr zu beachtender Geſichtspunkt bei der PrL- 
grammberatung, Es muß bei allen Veranſtaltungen darauf geſehen 
 
  
 
 
 
 
wenden, daß ſie uns auch wirklich Stunden verſchaffen, die ums Genuß 
bringen und anregend wirken, 
Jede der vier Veranſtaltungen im Monat muß einea beſonderen 
Charakter tragen. So ſebemw wir vielleichy für die erſte Woche einen 
Disfuſſion8abend vor. Hier werden über alle möglichen praktiſchen 
Fragen Ausſprachen entſtehen; e5 wird allen Teilnehmern Gelegenheit 
gegeben, ſich an der Ausſprache zu beteiligen, und man fann auch Vor- 
TIchläge zum Monatsprogramm zur Beratung ſtellen. Dieſer Abend bictet 
alfo jedem Jugendlichen die Möglichkeit, ſich zu betätigen, „mitzuwirken“. 
Nehmen wir nun als zweite Veranſtaltung etwa cinen Rezitation3abend,. 
ſo erfordert auch dieſer Abend manche Vorbereitung, denn die Gedichts 
müſſen ausgewählt und verteilt, vielleicht vorher auch eine Probe abge- 
halten werden, Iſt dann die AutSwahl der Vortrags8ſtücke und der Vor- 
tragenden glücklich geweſen, dann wird dor Abend ſeinen Zive> als 
unterhaltende wnd veredelnde Veranſtaltung micht verfehlen, Für die 
dritte Woche ſchlage ich einen Liederabend vor, E38 ſind dies wohl in 
den meiſten Fällen mit die beliebteſten: Abende, Auch hier kann man 
bei ſinnreicher Zuſammenſtellung von gemeinſamem und Sologeſang, von 
Klavier» und Mandolinenvorträgen, Stunden voller Jugeadfriſche und 
Jugendluſt erzielen und dabei Sinn und Freude am Geſang erweden, 
Bliebe noch die vierte Veranſtal?ung, Es wird ein Spielabend gewünſcht, 
Gut, auch der iſt ſchön, denn dabei können wir Geſelligkeit und Kame 
radſchaftlichfeit pflegen umd der ungebundenen Fröhtichkfeit weiteſten 
- Raum gewähren, Außerdam können natürlich in manchen Fällen noch 
beſondere Sonntagsveranſtaltungen eingelegt werden, 3. B. im Sommer 
Wanderungen, im Winter Unterhaltungen im Zimmer oder Beſichti- 
gungen von Muſcen umd dergleichen. Bei den. Wanderungen muß man 
aber maßvoll vorgehen. Man kann 3. B. in der Jektzeit in einem 
Monat nicht zwei oder drei Tage8wanderungen vornehmen, weil da eben 
die Ernährung und auch die Bekleidungsfrage em entſchiedenes Neim 
entgegenſtellen, ' 
Gremmm 
 
In den alle 
in der Richtung 
- 
Wenn wir ſo ginerſeit28 ein .abwechſlungsreiche3s Programm - aufs 
ſtelſen und in einem Monat Wiederholungen von gleichen Veranſtaltun- 
gen vermeiden müſſen, ſo darf man aber“: anderſeits auch nicht ſolche 
Veranſtalkungen in allzu kurzen Zwiſchenräumen feſtjaßen, dcren Vor- 
vbereitungen diC Ginhaltung de8 Beſchluſſes unmöglich maHhen. E38 macht 
immer einen ſchlechten Gindru>, wenn man hört, der Abend muß ver- 
ſchoben werden, weil dig Vorbereitungen noch nicht abgeſchloſſen ſind, 
und wenn man dann zum Spielen greift, um den Abend auszufüllen. 
Wir ſehen, viel iſt zu beachten und zu bedenken, wenn es an das 
Monatsprogramm geht. Bei uns war es außerdem üblich, daß in jedem 
Monat cin Vortrag gehalten wurde. Allerdings iſt das jekt nicht immer 
möglich, aber auch da gibt es Mittel und Wege, etwas vleichartiges zu 
gen und bei ihrer Bekanntgabe die örtlichen Mitbeilungöblätter, Aus 
ihnen fann man viel entnehmen, und auch für die Agitation können 
dieſe Blätter ungemein nüßlich wirken. Leider hat der Krieg viel zer- 
ſtört und nach dem Kriege wird e3 in dieſer Beziehung ein eifriges Auf- 
bauen und Neubilden geben. Jeßt behilft man ſich vielerorts damit, 
daß man das Programm in dem Verſammlungslokal ausShängt und bei 
jeder Veranſtaltung auf die nächſtfolgende hinweiſt, Außerdem muß 
man darauf ſehon, rec<t viele Jugendliche an der Veranſtaltung mit= 
wirken zu Taſſen, denn dadur<h wird das Intereſſe. erhöht und auch in 
agitatoriſcher Hinſicht iſt dies ſehr wertvoll, | . 
Wenn wir uns ſo Mühe geben, alles zu beachten und zu berechnen 
und dabei auch immer die hohem Ziele unferer Beivegung im Auge haben, 
dann werden wir ſicher aus eigener Kraft uns die Grundlage für eine 
exſprießliche Tätigkeit ſchaffen und für die Bewegung auf jeden Fall 
Grfolge erzielen, 'eo.-Magdcburg., 
Zur wirtschaftlichen Lage A 
Die Notlage der Lehrlinge. 
Angeſichts der vielfach mangelhaften Ausbildung, welche die Lehr- 
inge während der Krieg8z2it genießen, iſt es angebracht, alle diejenigen 
Kreiſe, die zum Schutze, zur Erziehung und zur Ausbildung der Lehr- 
linge berufen ſind, auf dieſe Zuſtände aufmerkfkam zu machen. Aber 
nicht nur die Ausbildung der Lehrlinge an ſich ſteht unter dem Einfluß 
des Krieges; durch die Einberufung zum Militär müſſen ſchr Pizale, 
wenn nicht die meiſten Lehrlinge ihre Lehrzeit unterbrechen oder vor- 
zeitig beenden. Das Wenige, was ſie gelernt, geht zum Teil während 
der Militärzeit wieder verloren, und ſchließlich ſind die jungen Leute 
gezivung2n, nach Beendigung der Militärzeit noh einmal von voru 
anzufangen; vielfach werden ſie auch gehalten ſein, zum Heer der Uns 
gelernten überzugehen. 
Mit dieſen geradezu unhaltbaren Verhältniſſen befaßte fich cine 
Gewerkſchaftsfartellverfammlung in Leipzig, Nach einem ſchr zeitge- 
mäßen Vortrag: „Die Notlage der Lehrlinge, eine Frage der Ueber- 
gangzordmumg“, wurde eine Entſchließung gefaßt, in welcher die Ausbil- 
dumg vieler Lehrlinge während ves Krieges als ungenügend bezeichnet 
und ferner darauf hingewieſen wird, daß die Entlohnung häufig in gar 
feinem Verhältnis ſteht zu den Leiſtungen des Lehrlinas ſowohl als zu 
dem, was der Lebenzunterhalt erfordert. 3 
bieten. =- Sehr gute Dienſte leiſten bei der Feſtſekung der Veranſtaltun - 
 
 
5 Die in verſchieden?n Berufen 
noc< übliche Forderung von Lehrgeld wird als unzeitgemäß betrachtet, 
weil ſie befähigte junge Leute hindert, ſich einm ihnen zuſagenden 
Berufe zuzuwenden, Im einen iüchtigen gewerblichen Nachwuchs zu 
ſichern, verlangt der Beſchluß cine Verkürzung der oft außerordentlich 
langen Arbeitszeit und eine Jachgemäße Ausbildung des Lehrlings, Auch 
aine allgemeine Reglung dor Frage der Beendigung des Lehrverhältniſ= 
ſe3 im Falle der Einberufung zum Heeresdienſt wird gefordert. Dritt= 
gend verlangt wird eine gefeßliche Reglung de38 Lehrlings8weſens unter 
Wahrung ſozialer Grundſäße und unter Berückſichtigung der veränder=- 
ten Zeitverhältniſſe. „Schen jetzt aber,“ h2ißt es in dem beachtenZ- 
werten Beſchluß, „iſt eine ſchärfere behördliche Ueberwachung des Lehr- 
lingsweſen3 und eine amtliche Einwirkung auf die Handwerksmeiſter 
nötig, daß eine volle berufliche Ausbildung geſichert, 
eine geitgemäß2? Entlohnung gewährleiſtet und mit unztvecdimäßigen 
und veralteton Anſchawrungen aufgeräumt wird.“ 
WEIN 45.24.57 0000 Ö f ' 
GEHRER, Fremdwörter 
FOTB ES ENKETIIEN 
EA ABTES 
Definition (lat.), Begriffsbeſtimmung. Erklärung, 
Diskurs (lat.), Unterredung, Geſprach. „, 
Eldorado (ſpan., el iſt dex Artikel), das Goldland, „Paradies“. 
Eminent (lat.), hervorragend, außerordentlich. | 
Epiſode (griech., wörtlich Nebengeſang), Einſchiebſei 
lung der Darſtellung; Ereignis, Vorfall. 
KENNEN EIE ACH 
Fn SIGIE FN LS 
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6:0 IN 
BESCHEIG SEREICREN 
  
 
 
 
    
in die Haupthand- 
Fanatiker (vom lat. ſanum = Heiligtum), verbohrter ReiigionsSſchwärmer, - 
Giferer. .. - . 
Flanieren (franz.), müßig umherſchlendern, bummein, 
"Ironie (griech.. dreiſilbig. Ton auf der Enöſilbe), feiner Spott, der 
meiſt darin beſteht, daß man ſcheinbar das Gegenteil von dem 
ſagt, was man meint, 
Lokaliſieren (lat.), an einen beſtimmten Ort verlegen, 
Neſrain (franz, ſprich etwa refräng), Kehrreim; regelmäß:g wieder- 
holte Worte oder Verſe in einem Gedicht, beſonder38 als Schlu 
jeder Strophe. . 
Berantwortlich für die Redaktion: Karl Korn, -- Verlag: Fr, Ebert (Zentralſtelle für die arbeitende Jugend Deutſchlands). = Druc: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlags8- 
un . anijtalt Paul Singer & Co, Sämtlich in Berlin, 
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