Full text: Arbeiter-Jugend - 10.1918 (10)

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Berlin, 28. Dezember 
Expedition: Buchhandlung Vorwärts, Paul 
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an Karl Korn, Lindenſtraße 3, Berlin SLV. 63 
 
1918 
 
Sturm! 
 
 
 
zur „ewaltige Stürme Brauſen durch den Wald; die hohen Bäume 
I 53 “biegen fich ächzend unter den wütenden Stößen; wie wirres 
i . Saar wehen die Zweige in der erregten Luft, und alles, was 
- morſch 4ſt, Ntürzt krachend 'zu Boden. = - 
;'Da3 iſt die wilde, herrliche Urkraft der Natur, die reinigt, indem 
"fie zerſtört. :Grauſam, ohne Nückjicht beſeitigt ſie alles, was keine 
 
Kraft hat weiterzuleben. Sie jammert nicht über vergangene Serr- 
lichkeit. Für ſie gibt e8 nur ein Ziel: weiterleben! Was dieſem 
Ziele hindernd im Wog ſteht, muß - 
fallen. 
Aber Zerſtörung iſt nicht Ziel, 
zſt gleichſam Mittel zum Zwek. 
Denn. in jedem EWeinſten Winkel 
 
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Echiſalsſterne. 
Wir wollen die Wahrheit hören: Bereit ſein iſt viel, aber nicht 
alles! Es muß hinzukommen: fähig ſein. Um ein neue38 Haus zu 
bauen, dazu gehören ein klares Wiſſen, eine geſchi>te Hand, ein 
feſter Wille. Das iſt ſehr viel und iſt nur unter großen Mühen zu 
erreichen. Aber ſchwer oder nicht: es iſt notwendig und darum un- 
erläßlich. 
Laß Dir nicht von falichen Freunden das Gegenteil. einreden. 
Sie ſagen: Die Arbeiterjugend hat die Bildung nicht nötig; ihre 
Bildung wird beſorgt dur<) die 
fozia/en Verhältmiſſe, unter denen 
zu leben ſie gezwungen iſt. Ge- 
bildet zu ſein, iſt für einen Ar- 
beiter nicht nötig; aber nötig für - 
der Natur arbeiten ohne Anfang - Neujahrsgeſang. ihn iſt, ein Klaſſenfämpfer zu ſein. 
und Ende die ewig ſich verjüngen- Im ſilbernen Aether So etwa reden ſie. Aber ſie 
den, allgegenwärtigen Kräfte am Was ſingen die Leuchten, lügen. Zwei Gründe genügen, um 
Aufbau des Neuen." Unter der 
- vermodernden . De>e des. welken 
Laubes ſchlummern ichon die Keime 
des jungen Lebens. No< liegen : 
ſie im Finſternis und Feſſeln; aber 
der. Tag aſt. nicht fern, an dem ſie 
erwachen und aus ihrem dunklen 
Mutterſchoß befreit ans Licht treten 
werden. 
 
Wie ein Sturmwind über 
Nacht iſt die Revolution gekommen 
und brauſt über das Land hin, zer- 
ſtörend, was morſch iſt, befreiend, 
was in Feſſeln lag. Wie bet einem 
gewaltigen Naturereigniſſe ſtehen 
wir in Erwartung der kommenden 
Dinge, halb Jurht, halb Bewunde- 
rung im Herzen, 
Vieles, was ſic?) vordem brüs- 
ſtete in ſeiner überlebten Herrlich- 
keit, ſtürzte auf den erſten Stoß 
und zeigt dadurch, wie es innen 
faul und haltlos war. Anderes 
widerſteht dem vereinten Anſturm 
mit zähem Troß. Laß ſtürzen, 
was. morſch iſt... Bli>k nicht hinter 
Dich. Dir voran- ſchreitet mit der Miene des Weltrichters8, ſtark und 
entſchloſſen, die freie, ſtolze, herrliche Revolutiom “ 
en 
| 
„Arbeiterjugend! „Haben wir Dir nicht in den Sahren Deiner 
- Kneibtſchoft zugerufen: Achte auf. die Zeichen! Einſt wird der Tag 
„Zommen, 4vo die Knechtſchaft ein. Ende hat, wo das Morgenrot der 
.. Zzeiheit. äiber dem Horizonte ſteht. Nun iſt der Tag im Werden 
begriffen, Biſt Du bereit, ihn zu empfangen? | 
Arbeiterjugend! Eine ganze Welt bricht zuſammen und. droht, 
in ihrem Sturze auc< Dich mitzureißen. Sei auf Deiner Hut! 
Rotte Dich auf die Inſeln der Zukunft! 
Arbeiterjugend! "Die -Revolution iſt hart in ihrer Zerſtörung. 
am Bau der neten 'Welt- mitzuwirken? 
Aber Zerſtörung iſt niht. Ziel. Es gilt aufzubauen. iſt X Du bereit, 
So urfern von zitternder Sehnſucht erſchaut? 
- Kein Stern hilft den ſchwankend 
Vom Siſal Geſcheuchten, 
Sie ſingen ein Lied nur: „Steht feſt und vertraut! 
Steht feſt wie die Sterne, 
Vertraut eurem Kerne, 
Seid ruzig dem innerſten Weſen getreu! 
In wirbelnden Flammen 
Rafft zäh euch zuſammen, 
So bannt ihr das Schieſal -- und alles wird neu. 
Das Schickſal von oben, 
- In euch will's erproben 
Die göttliche Kraft, die ſich glühend bewährt. 
Wer gab ſie verloren? 
Zieht kühn zu den Toren 
Der Tat, da die Zeiten des Schre>ens verjährt! 
In Wunden und Schwären 
Muß leidend gebären . 
Die Mutter, die Erde, den Siegfried des Lichts, 
- Heil hilfreichem Täter!“ 
So ſingen im Aether . 
Die ewigen Sterne des Weltengedichts. Karl Henckel. 
ÖF IF LOFZI ORL O ER O ERDE RED 
jungen Arbeiter nicht vorhanden fein ſollten. 
thre haltlofen Behauptungen ums 
zuwerfen. Erſten5: Jemand kann 
den ganzen Jammer des prole- 
tariichen Daferns am eigenen Leibe 
erfahren haben und bleibt dennoch 
zeitlebens ein armer Schwachkopf, 
der ſeinen Kampfgenoſſen auf 
Schritt und Tritt im Wege ſteht. 
Das bloße Erleben ge- 
nügtnicht, genüqt vor allem für 
ginen Klaſſenkämpfer nicht. SHin- 
zukommen muß die Einſic<t in die 
Vorhältniſſe, die ihn drücken, mögert 
ſie wirtſchaftlicher oder politiſcher 
Art fein. Denn nur, wenn Du die 
Triebkräfte und Geſetze kennjt, die 
Dein Leben und Arbeiten beſtint- 
non, fannit Du mit Ausſicht auf 
Erfolg den Klaſſenkampf führen. 
Wiſſen iſt auc; Heute noh «cine 
Macht und wird e38 immer bleiben. 
Wer dieſe ſcharfe Waffe. im. Kampf 
der Geiſter ungenüßt liegen laſſen 
wollte, der wäre wahrhaftig ein 
Tor. Es wäre ein Jaminer ohne- 
- gleichen, wenn die herrlichen Werke 
der Wiſſenſchaft amd Kunſt für. den 
Schlimm genüg, 
wenn. einer, durch niedrige Verhältniſſe gehindert, nict zu den 
Quellen des Wiſſen3 und der Schönheit gelangen kann. Sie aber 
bewußt und mutwillig verſtopfen wollen, wäre: eine ſinnloſe Selbſt- 
verſtümmelung. 
Zweitens: Solange der Klaſſenkampf notwendig. iſt, fokänge 
ſind diejenigen, die ihn führen, erſt recht darauf ängewieſen, die 
Waffen des Geiſtes blank und ſcharf zu halten. Ja, es. iſt überhaupt 
nicht möglich, ohne dieſe Waffen jenen. Kampf zu führen. - 
Erkennſt Du nun das Lügenhafte in den Behäuptungen der 
fälſchen Freunde? Dann handle dana<! Bisher war es ein Ehren- 
ÜR IFI DOE 
-titel der Arbeiterſchaft, zu hungern und zu dürſten nach Erkenntnis, 
und unſöre großen Vorkämpfer waren ausgoerüſtet mit dem Wiſſen 
. ihrer. Veit. C3 wäre „auch: ilimm, wenn es jemals anders werden
	        
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