Full text: Arbeiter-Jugend - 10.1918 (10)

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Arbeiter- Jugend 
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deine, beſonders in,-den kalten Wintermonaten offen zu -halten. Wir 
hoffen daher, daß der Erlaß des Miniſters ſo aufzufaſſen iſt, daß auch 
unſeren Arbeiterjugendheimen entſprechend ihrer deutung für die 
Arbeiterjugend die 'in Ausſicht geſtellte beſondere Fürſorge zuteil wird, 
d. h. daß eventuellen Anträgen auf Unterſtüzung aus dent Mitteln der 
“ . 
Allgemeinheit - entſprochen wird. 
SIEREN Denkmünzen für 'Jugendführer. 
. Das Kriegsminiſterium hat für Führer .von Jugendkompagnien 
Denkmünzen geſtiftet. Die Denkmünzen werden den AuSgezeichneten 
mit einzm Beſitzzeugnis des zuſtändigen kommandierenden General3 - 
überreicht. Die weitaus größte Zahl von. Denkmüngen in der ganzen 
preußiſchen Monarchie ſind den Jugendkompaanien im Regierungs- 
bezirk Trier und. im Fürſtentum Birkenfeld an der Nahe zugewieſen 
worden. Die mit der Denkmünze ausgezeichneten Jugendführer ſind 
meiſt Lehrer, Polizeibeamte und Gendarmen. Die Liſte der mit dem 
Orden beglückten Herren läßt aus den Ortsnamen erkennen, daß die 
militäriſche Vorbereitung wohl nur bei der ländlichen Jugend, nicht 
aber in Induſtriezweigen Amklang findet. 
* 
Erfolgreiche Werbetätigkeit der öſterreichiſchen Jugendorganiſation, 
Der öſterreichiſche Verband jugendlicher Arbeiter hat mit Erfolg 
in dein vergangenen Monaten eime Werbeaktion durchgeführt. Der 
„Jugendliche Arbeiter", das Organ unſerer öſterreichiſchen Bruder- 
organiſation, berichtet darüber, daß bisher 3129 neue Mitglieder 
zu verzeichnen ſind =- in der jehigen Zeit ein ganz anſehnliches Gr- 
gebni3. In vielen Kreiſen wird die Werbearbeit noch fortgeſeßt; jeder 
Tag bringt weitere Beitritte. Die Jugendarbeit wurde in zahlreichen 
Orten, in denen ſie infolge der Krieg8wirkungen brach lag, wieder neu 
aufgenommen, Seit KriegSbeginn beträgt die Zahl der neugewonnenen 
Mitglieder 15 511. 
Dieſer ſchöne Erfolg der regen Werbetätigkeit unſerer öſterreichiſchen 
Drudgvorganiſation kann un3 nur zur Nacheiferung anſpornen! 
ß Zur wirtschaftlichen Page A 
Helft die Lage der Jugend klären! 
Die wirtſchaftliche Lage der Jugend und ihre Arbeitsweiſe während 
de8 Kriegs ſind lebhaft umſtritten. Auf ider einen Seite die nach 
unſerer Auffaſſung berechtigten Klagen über ungeheuerliche Aus- 
nubung und Ausbeutung der Arbeiterjugend, auf der andern Seite zahl- 
reiche gute Leute, deren größte Sorge „die hohen Löhne" der Jugend 
lichen bilden und der Unfug, den die Jugend in ihrer angeblich „vielen 
freien Zeit“ treibe. Sollten die Jugendlichen nicht ſelbſt in der Lage 
ſein, zur Klärung beizutragen? Doch wohl! Beachtem wir den Verſuch, 
den der Katholiſche Jüngling3verein in Dui8burg-Hoc<cfeld ge- 
macht Hat, der ſeinen Mitgliedern folgenden Fragebogen vorlegte: | 
„Im Intereſſe des Jugendſchuves bitte ic< dringend, 
dieſen Zettel ſofort au3szufüllen, 
Name und Vorname: . « . Wohnung . . . Wann geboren? .,. 
Veſchäftigt beit . , . als: , , . Tägliche Arbeit3zeit, wieviel 
Stunden? , ., . Von morgens , .« . bi3 abends . , « Uhr, Wie oft 
haft du Nachtſchicht * . . . Auch Sonntaggsarbeit? ... . Wie oft? .,. . 
Wie viele Stunden?% . . . Hatteſt du ſeit der Schulentlaſſung bei 
deiner Arbeit ſchon einen Unfall? , . . Welchen? . . . Wie lange 
haſt du ſchon krank gefeiert? Welche Krankheit? ... 
Dieſer Zettel wird nah drei Tagen abgeholt,'. 
Wir erkennen gern an, daß ſich hier einmal ein katholiſcher Geiſt- 
licher auch um „die wirtſchaftliche Lage der Jugend kümmert, Sein Bei- 
ſpiel verdient Nachahmung, Allerdings muß die Erhebung ergänzt 
werden, vor allem auf den Lohn und auf die Art der Arbeit, ferner 
bei Lehrlingen: ob ſie in ihrem Berufe ausgebildet werden, oder 
ob man ſie mit der Herſtellung von Maſſenartikeln beſchäftigt. | 
 
Kommt der Sparzwang? 
Kommt ex dauernd und Über das gange Reich? Dieſe Frage wird 
in allen möglichen Neden und Drucderzgeugniſſen: noch immer lebhaft 
"beſprochen. Auch frühere eifrige Befürworter dieſer Zwangsergiehung 
zum Sparen werden nachdenklich, weil der Zwang vielfach gerade bei 
vewen ſeine Wirkung verſagt, auf die er gemüngt iſt, Dieſe jungen 
Liederjahne verjubeln nach wie vor das bare Geld, das ihnen in die Hand 
* gegeben wird, und ihre Mutter hat ſich noch kümmerlicher durchzuſchlagen 
als früher, wo ihr wenigſten3 ein Teil des Lohne3 verblieb. Aber dieſe 
Früchtchen bilden doch nur einen geringen Teil dex Jugend. Jn den 
meiſten Fällen leidet unter dam Sparzwang die notwendige Ernährung, 
Bekleidung und Fortbildung des Jugendlichen, 
Es iſt erfreulich, daß auß mehr und mehr die Geiſtlichen ihre 
Stimme gegen dom Sparzwang erheben, So leſen wir in der „Kirch- 
lichen Jugendpflege": 
„Gegen die geſebliche Ginführung des Sparzwangs liegen größere 
Bedenken vor. So ſegen3reich auch in dieſem Punkt ein Geſetz wirken 
fann, ſo vermag doch einerſeit8 eine ſolche Beſtimmung durchaus 
. nicht den Jugendlichen, der nicht aus eigenem Antrieb ſparſam iſt, 
' trags bewußt ſind? 
davon abzuhalten, das ihm 'ausbezahlte Geld nach Herzensluſt zu 
verſchwenden, und andererſeits iſt e8 ihm -ein leichtes, auf ſein Spar- 
. geld hin ſoviel Schulden, wie er.will, zu machen. Die amtliche, Feſt- 
legung der Zwangsſparerei gibt ja jedem, der ihm; borgt, die denkbar 
' beſte Auskunft und Sicherheit. Außerdem: eine Reihe Jugendlicher 
' gibt einen größen Teil des Verdienſtes aus, ohne ihn 'zu verſchwenden, 
indem ſie nämlic nach Feierabend ſichweiterbilden. Wie will man 
- das kontrollieren, - beſonder8 wenn - der junge Mann ſeine Weiter- 
- . bildung ohne Schule, ohne irgendwelche Kurſe betreibt, die ihm die 
Anwendung ſeine8 Geldes beſcheinigen können?“ 
Vom Standpunkt des Erzgieher8 haben jedenfalls die großen 
Summen in den Zwangsſparkaſſen keinen Wert, Aufklärung über die 
richtige Verwendung des Lohne3, der keine8wegs8 verjuzt 
und verplempert werden ſoll, ſowie gute Jugend- 
veranſtaltungen bildender und fröhlicher Art dienen der Jugend jeden- 
falls beſſer. 
3 Die Gegner an derÄrbeit SPY 
 
 
 
  
75 GN . 
 
Ein Anſc<lag auf die Fortbildungsſchule, : 
v418 Köln wird uns geſchrieben: Die Kslner Handelskammer hatte 
unlängſt an die Stadtverwaltung den Antrag geſtellt, die Fortbildungs- 
ſchulen für die weitere Dauer des Kriegs zu ſchließen. Die Kuratorien 
(Aufſicst3körperſchaften) der gewerblihen und kaufmänniſchen Fort- 
bildungsſchulew haben indeſſen verſtändigerweiſe dieſem Antrag ein» 
ſtimmig widerſprochen, und es lautete demgemäß der Beſcheid der Stadt» 
verwaltung ablehnend. Damit iſt die Handel8kammer jedoch nicht zuU- 
frieden. Mittlerweile hat nämlich das Kriegs8amt Nachfrage ge- 
halten, aus welchen Gründen die Handelskammer die Schließung für 
notwendig erachte, Dieſe Nachfrags veranlaßt die Herren der Handels» 
kammer, ihren Antrag der Stadtverwaldung erneut zu unterbreiten. 
Offenbar nimmt man an, daß das Krieg3amt mehr Verſtändnis für die 
„Nöte“ der Unternehmer habe, und daß der Antrag ſo „hinten herum" 
vohl doch noch durc<zudrü>en wäre, Hoffentlich bleibt aber die Kölner 
Stadtverwaltung ſtark und ſchlägt jede derartige Offenſive ab. Es dürfte * 
auch den Fortbildungsſchulkfuratorien nicht entgangen ſein, daß hinter 
dem Antrag der Herren von der Handel8kammer nur privatkapitaliſtiſches 
Intereſſe ſte>t. Ob die Herren ſich überhaupt der Tragweite ihres Ans- 
Inſofern gewiß, als fie kalkuliert haben mögen, 
was „für's Geſchäft“ dabei herau8kommt, Aber e3 gibt- doch“ ſchließlich 
auch noc< anders Geſichtpunkte, Heute iſt die Fortbildungsſ<hule nots- 
wendiger als je, vor allen Dingen für die Lehrlinge. Dieſe bedürfen 
einer erhöhten theoretiſchen Ausbildung, beſonder3 dce8halb, weil ſie in 
allen Betrieben, die mehr oder weniger Heere3bedarfsartikel herſtellen. 
mur eins höchſt einſeitige Beruf8ausbildung erfahren. Nicht minder not- 
wendig iſt aber die Fortbildungsſchule auch für die ungelernten Arbeiter, 
denen die dargebotene, wenn auch karge Geiſteskoſt nac dex monotonen 
Arbeit in der Munitionsfabrik geradezu ein Bedürfnis und eine Gr- 
holung iſt. . 
Daß die Fortbildung3ſhulen im übrigen den Reklamationen der 
Unternehmer ſehr großes Entgegenkommen zeigen, zeigt folgender Fall: 
I<h lieferte mich einem Barbierlehrling unter das Meſſer. Die Uhr 
ſchlug drei, „Nun noch volle fünf Stunden und einen weiten Weg nach 
Hauſe“, ſeufzte der junge Mann, und fuhr weiter fort: „I< freue mich 
immer ſo auf die Fortbildungsſchule; aber der Alte hat mich reklamiert!" 
Ich fragte: „Wa3 heißt reklamiert?" „Gi nun, weil er keinen Gehilſen 
hat, ließ er mich vom Unterricht befreien, da er allein nicht fertig werden 
könne. Ueber ein halbes Jahr habe ich ſchon die Schule verſäumt and 
bleibe Oſtern ſißen, weil ich nicht3 kann. Später ſoll ich eine Gehilfen- 
prüfung beſtehen und habe noch nicht3 gelernt." „Kann er denn keinen 
Gehilfen bekommen?“ fragte ich. „Ach, er bemüht ſich gar nicht, nachdem 
ich ihm bei allem zur Hand gehen kann; er ſpart das: .Geld!" GEZ5 ver- 
ſteht ſich von ſelbſt, daß ich den jungen Mann belehrte, in welcher Art 
er mit ſeinem Lehrmeiſter reden ſolle. Dieſes Schulbeiſpiel zeigt zur 
Genüße, wozu die Möglichkeit, die Fortbildungsſchüler reklamieren zu 
fönnen, mißbraucht wird. Man wird ſic< darum ſeine beſonderen Ge- 
danken machen über die eifrigen Bemühungen der Handel8kammer, die 
Schließung der Fortbildungsſc<hulen unter allen Umſtänden durchzuſeßen, 
WRE , Keen NM 47,2, EHAAIS 
PADSURSEN. 
N " WIE WETEN NEE 
PNS 77 BESIEIEIEN 
Aufor (lat., Ton auf der erſten Silbe), Urheber, Verfaſſer. "wenn 
DIEN ven Sculzucht, Mannez3zucht;- Unterrichts8gegenſtand, Fach- 
- wiſſenſchaft, 
Epiſode (griech.), Nebenerzählung, Ginſchtebſelz; Greignis, 
Fata Morgana (ital.), Abſpiegelung entfernter Gegenden oder Gegen» 
ſtände in der Luft, die der Volksglaube der Südländer für ein. Werk 
der Fee (Fata) Morgana hält. . un a; 
Makulatur (lat., Ton auf der Endſilbe), gebrauchtes, wertloſes Papier. 
Monoton (griech, Ton auf der Enöſilbe), eintönig, einförmig. 
Originell (lat.), eigenartig, urwüchſig. | | . 
Phyſiſch (griech.), körperlich; Gegenſas: pſy <iſ< = ſeeliſch, geiſtig. 
Tragikomödie (grieh.), Miſchung von Trauer- undi Luſtſpiel. - 
Tropen (griech, Mehrzahl), Wendekreiſe; Länder der heißen Zone; 
tropiſch = ſehr heiß. “ 
 
 
 
 
 
 
 
  
 
 
  
  
 
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.“ Berantwortlich für die Redaktion: Karl Korn. = Verlag! Fr. Ebert (Zentralſtelle für die arbeitende Jugend Deutſchlands), =“ Dru: Vorwärts Buchdruckerei u, Verlags» 
anſtzlt Paul Singer & To, Sämtlich in Berlin» " "
	        
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