Full text: Arbeiter-Jugend - 10.1918 (10)

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Erſcheint alle 14 Tage. 
Preis der Einzel- Nummer 10 Pfennig. - 
Nr. 9 Abonnement Merteljährlich 50 Pfennig. 
Eingetragen in die Poſt- Zeitungsliſte. 
Berlin, 4. Mai 
 
Expedition: Buchhandlung Borwärts, Paul 
Singer G. m. b. H , Lindenſtraße 3. Alle Zu- 
ſchriften für die Redaktion ſind zu richten 
an Karl Korn, Lindenſtraße 3, Berlin SW. 68 
 
Farl Marx zum hundertſten Geburkskag. 
der Menſchheit epochemachenden .neunzehnten Jahrhundert 
den Stempel ihre8 Geiſte3 aufgedrüct haben, ſtehen in vor- 
derſter Reihe Charles Darwin und Karl Marx. Nicht zufällig, 
bloß durch die Au3zeichnung ihrer Verſönlichkeiten zuſammen- 
geführt, werden die beiden Großen nebeneinander genannt. Auch 
in der beſondern Eigenart, im Sinn und Ziel ihres ſc<öpferiſchen 
WirkenS3, gehören Darwin und Marx zuſammen, ſo eng zuſammen, 
daß ſie, wie ſie in der Blüte ihrer Jahre Zeitgenoſſen geweſen, jo 
auchfüralleJahrhunderte, ſolange 
die Menſchheit ſich na<h vorwärts 
und aufwärt3 bewegen wird, als 
die untrennbaren Repräſentanten 
des markanteſten Gedankens un: 
ſerer Kulturepoche werden gefeiert 
werden. =- Dieſer Gedanke, auf 
den das vorige Jahrhundert in 
der Menſchheit8geſchichte getauft 
ſein wird, iſt die Jdee der Ent- 
wicklung. Daß die Natur und die 
wimmelnde Welt ihrer Geſchöpfe 
in ewigem Werden begriffen iſt, 
war ja eine, ſchon den Denkern - 
des alten Griechenlands geläufige 
Vorſtellung. Aber erſt im vorigen 
Jahrhundert bekam dieſe Jdce 
einen beſtimmten Inhalt, wurde 
vor allem die Nichtung jenes Ent- 
wicklungs8prozeſſes nachgewieſen 
und das Geſek, dasſcine einzelnen 
Phaſen reguliert, wiſſenſchaftlich 
exakt formuliert. In dieſe Ent- 
ded>ung, die folgenſchwerſte in der 
Geſchichte des menſchlichen Gei- 
ſtes, teilen ſich die beiden großen 
Männer aber dKgeſtalt, daß Daxr- 
win das Entwicklungs8geſch der 
organiſchen Natur, der Geſamt- 
heit der Lebeweſen aufſtellt, wäh- 
rend Marx für einen beſtimmten 
Zweig der organiſchen Welt, aber 
den für uns wichtigſten Zweig, die menſchliche Geſellſchaft, dasSſelbe 
leiſtet: =- 'Von Darwin ſoll nun in dieſem Zuſammenhang nicht weiter 
geſprochen werden; ſeine Erwähnung war nur dazu beſtimmt, das 
Werk feine8 großen Genoſſen in der modernen Geiſte8geſ<hichte an 
die richtige Stelle zu rü>en. Heute haben wir vielmehr in erſter 
Linie Karl Marxen38 zu gedenken, deſſen Geburts8tag ſich an dieſem 
5, Mai zum hundertſten Male jährt. Aber das Proletariat, nicht 
das Deutſ<hland8 nur, das Proletariat der ganzen Erde, gedentt 
Mz den glänzenden Geſtalten, die dem in der Kulturgeſchichte 
ja Marxen2 nicht allein als eines Geiſtesheros der Vergangenheit, 
deſſen Erbe es in Ehren hält und den kommenden Geſchlechtern 
überliefert: für die Arbeiterklaſſe der geſamten Kulturwelt be- 
deutet Karl Marx unendlich viel Größeres und Verehrung3würdi- . 
geres, iſt er der oberſte Führer ſeines Aufſtiegs, eine Geſtalt, die 
ihm in Taten und Kämpfen voranſchreitet, vorwärts in die Jahr- 
 
 
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WZ77 
hunderte hinein, ganz ſtürmende Zukunft. -- So lebt Karl Marx 
dem Proletariat, heute wie nur je in ſeinen Erdentagen. Die Ent- 
wiklung, die er dem Proletariat bedeutet, liegt ja nicht hinter uns, 
ſondern vor uns, und ſie heißt Soziali8mus8. SozialiSmus vor 
Marx, das war Sehnſucht und Traum, war ein Hochgedanke er- 
leſener Geiſter, deſſen Heimat in den Sternen lag. Karl Marx hat, 
ein zweiter Prometheu3, dieſen Sehnſucht8gedanken in der feſten, 
wohlgegründeten Erde, in dem Boden der Tatſachen und Beweiſe 
verankert, als Mal, deſſen Leibhaftigkeit wir mit Augen ſehen und 
mit Händen greifen. Der Sozia- 
liSmuS iſt notwendig, lehrt er uns, 
er muß kommen, ob die Men- 
ſchen wollen odernicht. Die ganze 
biSherige Geſchichte der menſch- 
lichen Geſellſchaft iſt nur zu ver- 
ſtehen, wenn man ſie als fort- 
währenden Kampf auffaßt, als 
Kampf der jeweilig unterdrückten 
Maſſen gegen die herrſchenden 
Ausbeuterſchichten. Aber erſt die 
gegenwärtige Geſchichtsperiode, 
die Wirtſ<haft8ordnung des Kapi- 
taliSmuS8, hat für die unterdrückten 
Maſſen, das Proletariat, die Situt- 
ationgeſchaffen, daß dieſe3 Ringen 
der Klaſſen zum Sieg des Prole- 
tariats, zur Errichtung der ſozia- 
ſtiſchen Geſellſchaft führen mz. 
Geradezu wie die Wirkung zur 
Urſache, das iſt der Zentralge- 
danke des von Marx aufgeſtellten 
ſozialen Entwicklungsgeſeges,ver- 
hält ſich die ſozialiſtiſche zu der 
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Geſellſchaft8ordnung. Ju der 
Struktur, der wirtſchaftspoliti- 
ſchen Verfaſſung der kapitaliſti- 
ſchen Geſellſchaftſelber weiſt Marx 
in unwiderleglicher, ſtreng wiſſen- 
ſchaftlicher Beweisführung die 
Momente nach, die naturnot- 
wendig den Untergang derleßten Herrſchaftsordnung herbeiführen und 
mit dem Sieg des Proletariat8 die endgültige Beſeitigung aller 
Klaſſenherrſi<aft im Gefolge haben müſſen. Mit dem letzten Boll- 
werk aber fallen die Klaſſen ſelber, denn das iſt der hinreißende 
Menſc<heit3zug in der von Karl Marx begründeten Lehre des 
Sozialismu8, daß der Sieg des Proletariat3 nicht ein neues Herr- 
ſchaftsſyſtem aufrichtet, ſondern daß er der geſamten Geſellſchaft 
zum Heil gereicht, daß er die Sklaven erlöſt und die Herren, Alles, 
was Menſchenantlik trägt, wird frei ſein, frei von wirtſchaftlicher 
Not, frei von politiſc<er UnterdrüFung, frei von Geiſtesknechtſchaft. 
Wenn ſonach der Sozialiömus kein Traum mehr iſt und bein 
Sternengedanke, ſondern notwendiges Glied in der Kette des ge- 
ſchihtlichen Geſchehens, ſo iſt damit doch keine3wegs geſagt, daß 
er unabhängig vom Wiſſen und Willen der Menſchen wie ein 
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