Full text: Arbeiter-Jugend - 10.1918 (10)

80 
= „Z 
ODE Arbeiter- Jugend = u DU 
* “ " * 
 
 
- ſtelle fic in bezug auf Spiel, -Ausſtattung uſw. -häufig.a uf bemer- 
fenö8werter Höhe halten. Auch für "die Hebung des Jugend- 
. warderns geſchieht manches. Ein Heftchen Anleitungen und Winke. 
' von Engelbert Geaf unter dem Titel „Wie ſoll man wandern ?.' 
iſt etme beſorides nette, friſch geſchriebene Anleitung für Führer und 
. Jugendläge." , - . oo im 
' Dr. Herta Siemering kündigt uns zwar auf den Gebieten, wo wir 
"ihrer Mernung nah die gehörige Sachlichkeit und Mäßigung des Urte1ls 
veraniſſen laſſen, Kampf an, aber ſie tut dies in einer Form, die all- 
gemein iam Meinungsſtreite beachtet werden ſollte: .. | 
„Dagegen ſollte auch än der Jugendpflege der ehrlich überzeugte 
Sozialiſt anit jener Ritterlichkeit behandelt oder befehdet 
werden, die ſonſt im anſtändigen Kampf üblich aſt. Märtyrer machen 
iſt niemals nüßlich. Auch aus dieſem Grunde, wenn nicht allein um 
des Geiſtes vom Auguſt 1914 willen, wäre zu erwägen, ob man für 
. Veranſtaltungen im Dienſte körperlicher Ausbildung der fozialdemo- 
kratiſchen Jugendbewegung micht gleichfalls die Vergünitigung zuge» 
ſtehen ſollte, die die übrige Jugendpflege genießt: Benußung ſtädtiſcher 
Turnhallen und öffentlicher Spielpläße, FahrpreiSermäßngung auf 
der Straßenbahn, Vorzugspreiſe beim Bezug von Generalſtabskarten, 
vielleicht auch Beteiligung an der Unfall» und Haftpflichtverſicherung." 
- Wir würden uns freuen, wenn dieſe ſchönen Ankündigungen überall 
Wirklichkeit würden. Unſere geiſtigen Waffen ſind ſo blinkend und 
ſcharf, daß wir mit ihnen jeden ritterlichen Kampf beſtehen können. 
* . 
Die Bielefelder „Rundbriefe. 
Aus dem Feld wird un3 geſchrieben: Ganz richtig erfannten unſere 
Freunde und Freundinnen in Bielefeld, als ſie den „Rundbrief“ für die 
an der Front weilenden Genoſſen unſerer Ort8gruppe ins Leben riefen,. 
die“ Notwendigkeit, daß ein feſtes Band geſchloſſen werden müſſe, das 
die Daheimgebliebenen mit den draußen weilenden Jugendfreunden m 
Verbindung hält. Faſt ein Jahr lang entfaltet nun ſchgp der „Rund- 
brief“ eine erkennbare, nußbringende Tätigkeit, wie aus meinem briefs 
„ITichen Verkehr mit gleich mir an der Front befindlichen Genoſſen hervor 
geht. Eifrig ſind zu Hauſe Mädels und Burſchen bemüht, die Erinne- 
rung an unferen früheren Wirkungzsfreis in uns wach zu halten, indem 
ſie ihre Erlebniſſe im Heim und auf den Wanderungen, in denen ſich 
unſer eigenes Erleben widerſpiegelt, in natürlichen, lebendigen Farben 
uns durch den „Rundbrief“ zur Kenntni8 bringen. Ein jtilles Te1l- 
nchmen an .den Veranſtaltungen iſt e3 jede8mal, wenn wir einen ſolchen 
Brief erhalten, bei deſſen Lektüre ſich ſtet3 der Wunſch nah einer baldi- 
gen Rückkehr zur friedlichen Wirkſamkeit mächtig in uns regt, 
.. Möge darum das Bielefelder Beiſpiel in unſerer geſamten Be- 
wegung recht eifrige Nachahmung finden! Anfragen über den „Rund- 
brief“ wird die Brelefelder Ortägruppe gern beantworten. 
Mit friſch-freiem Jugendgruß aus dem Feld 
u . Hans Köchling, - 
Angehöriger der Bielefelder Ortsgruppe. 
X 
.. - Bekommen wir mehr Spielplätze? 
| Es gibt nur wenige Gemeinden, in denen dieſe Fcage für unjer2 
Jugend nicht brennend wäre, Entweder hat man überhaupt viel zu wenige, 
am Ende gar keine Spielpläße, oder ſie liegen ſo weit draußen, daß ſie - 
nur am Sonntag für die Benußung ernſtlich in Betracht kommen. Der 
Reichzausſchuß für Leibezübungen gibt nun Ancegungen, wie auf dieſem 
Gebiet Beſſerung geſchafft werden kann. Der Deutſche ReichsStag ſoll ein 
Reichsgeſeß erlaſſen, das den Reichskanzler ermächtigt, den Ge- 
meinden aus Reich3mitteln jährlich bis zu zehn Millionen Mark Zuſchüſſe 
zur Anlage und Einrichtung von Turn-, Spiel- und Sportpläzen zu ge- 
währen. Als Mindeſtausſtattung füc die Spielpläge wird gefordert: 
Kleiderablage, Geräteſchuppen, Waſchraum, Aborte und Bewäſſerungs- 
anlage; ferner für größere Spielpläße eine Rundlaufbahn und Hindern18- 
bahn, eine ungeteilte Spielfläche von 65 zu 100 Metern Mindeſtgröße, 
Raum für volk3ztümliche Uebungen und Beleuchtung. Als wünſchenswect 
wird bezeichnet: Turnhalle, Schwimmbahn, Eislaufbahn. m 
| Das Ganze ſind natürlich einſtweilen ſchöne Wünſche. Mit zehn 
Millionen Mark wird nicht viel getan ſein, und aus eigener Kraft werden 
die meiſten Gemeinden nicht viel leiſten können. Es fehlt ihnen an Mitteln, 
vielfach aber auch an Verſtändnis für die emimente Wrehtigkeit, die dieſer 
Frage für die geſamte Volksgeſundheit zukommt. 
>» 
1000 Jugendherbergen. 
Das iſt da38 Ziel, das ſich der Hauptausſchuß für deutſche Jugend- 
berbergen (Si: Altena i, Weſtf.) gefebt hat. “Heute ſind es im ganzen 
- „Reich vierhundert. Wenn erſt taufend Jugendherbergen, jede mit etwa 
20 Lagern, vorhanden ſem wecden, werden 1m Lauf des Jahrs Millionen 
Jugendwanderern Nachtlager gewährt werden können. Das Zentralkomitee 
vom Noten Kreuz hat ſich bereit erklärt, von den nach dem Krieg frei- 
wecdenden Einrichtungsgegenſtänden, Wollde>en uſw. einen Teil den be- 
ſehenden oder noch zu gründenden Jugendherbergen zur Verfügung zu 
ellen, 
- behörde geſtellt worden iſt.“ . . . 
'“ * Ohne ein dichtes Nes von Jugendherbergen über ganz Deutſchland 
iſt füc viele Jugendliche rechtes. Wandern nicht möglich. Tauſend Her- 
bergen wären einmal ein gründlicher Anfang. Mehrere tauſend aber 
wären noch beſſer. Zu erfüllen. iſt dieſer Wunſc< gewiß Es g1bt noch 
entlegene Gehöfte genug, die ſich billig erwerben und einrichten laſſen, 
 
wenn dec Staat nur ein. wenig dazu helfen wil, - “> 
Das iſt eine Forderung, die von uns auch ſhon an die Militär- 
. fürunſfſere Bibliothek gern wünſ< . . 
"den die Jungen: Lederſtrumpf, Karl May, Geſchichten und Märchen, 
 
  
0) Die Gegner an der Arbeit Wb 
. Von ihrer geiſtigen Koſt. vu . 
Neulich wurde, wie die Münchener „Jugendpflege“ mitteilt, in einem 
katholiſchen Jüngling5sverein und in einem katholiſchen Jungfrauenver- 
ein je ein bemerfenswerter Verfuch gemacht, Auskunft über die geijtige 
Koſt der jungen Leute zu bekommen. Jedes Matglied erhielt win Blatt 
Fer um die Auskunft über ſeme geiſtigen Bedürfniſſe miederzu- 
reiben, ' - 
Da war zunächſt die Frage: „Was lieſt du am liebſten?“ 
Die Jungen antworteten: Kraminalromane, Erzählungen, Zeitungen, 
. Erzählungen berühmter Männer, Märchen, Reiſeerlebniſſe, Geſchichte 
der Vorzeit, Inidiäanergeſchichten, Kriegsgeſchichten, oder „alles mögliche". 
Zwei, von denen der eime zur Jugendwehr will und der andere den 
- Jehnlihen Wunſc< hat, Unteroffizier zu werden, lieben beſonders 
Schlachtberichte und Kriegsgeſchichten. =- Die-Mäd<en haben etwas 
andere Wünſche. 'Ste wollen: Geſchichtliche Romane, beſonders aus der 
Chriſtenverfolgungen, Mädchen» und Penſionatsgeſchichten, Neiſeve- 
ſchreibungen, Geaſter- und Geſpenſtergeſchichten, humoriſtiſche Geſchich 
den und Kriegsgeſchichten. - | . | 
Eme andere Frage lautete: „Welche Bücher würdeſt Du 
en?“ Darauf antworte- 
Zehn Jahre Fremdenlegionär, Reiſcerlebniſſe, Geſchichtliches, Techniſches, 
Kriegsbücher, Flotte, Luftſchiffe, Romane, Dichtungen von "Schiller und 
Goethe, Graf von Monte Chriſto, Dramen, Gewerbliches. =- Die 
Mädc<en waren auch bei Beantwortung dieſer Frage zahmer.. Stre 
nanmten vor allem Unterhaltung3ſchriftſteller wie Paul Keller, Roſegger, 
Ganghofer; ferner wollen ſie Romane aus der Zeit der erſten Chmiten, 
Heilngenlegenden, Dorfgeſchichten, Märchen, Geiſter= und WGeſpenjter- 
geſchichten, Krieg3geſchnic<ten. - un . 
Auch die Antworten auf die Frage, welche Wünſche man betreffs 
Aus8geſtaltung der Vereunszeitſ<hrift habe, ſind 'lehr- 
reich. Die Jungen wollen die Zeitſchrift „dicker“ und „länger“; ſie 
wollen mehr Balder und 'ſchönere Bilder, Romane a1nd mehr Erzählun- 
gen vom Krreg und von Patrouillen. =- Die Mäd < en bitten um mehr 
Geſchichten und nicht allzu kurze, um ſchönere Bilder, Handarbeits- 
beilagen und =-- recht viele Wiße, + 
Es wäre zu wünſchen, daß auch bei uns ſolche Erhebungen veran:- 
ſtaltet würden. Die Beantwortung der Fragen würde zugleich an mat: 
<em Abend zu einer regen AusSſprache führen können, - 
Nd 
Mädchen im Frühling. 
Weiße Blüten leuchten in der Runde, 
Junges Blattgrün grüßt von jedem Baum: * 
Einſam träum' ich meinen Frühlingstraum, =- 
» Und von meinem roten Mädch<enmunde, 
Der nach Küſſen lec<hzt und Zärtlichkeiten, 
Geht der Seufzer ungeſtillter Krampf 
Dorthin, wo in Brand und Rulverdampf 
Immer Menſchen noc< mit Menſchen ſtreiten, 
M - Wo der jungen Männer Blut vertropft, 
Blut, das uns gehört, =- wo Augen ſtarren 
Grau-verglaſt, die leuchtend uns ſo oft 
Angelacht in Tagen fern und weit! -- 
Blüten atmen . .. O, wie lange harren 
Soll noch meine Mädcheneinſamkeit?! . .. Ludwig Leiſen. 
 
 
  
    
 
 
 
 
TELT Is 
 
 
 
  
 
  
 
   
DEDENT..ADCHE» (d CNONDESSSDTT ZD Ss 
DERES, FTeMmdwörler SEC 
N 4 N TH 8 et, ; EM A 6 p ud 
22CS 7 <A ETEDEIEDE - I dim ſ - MER; SC URPCHEA UI A . 
Artikulieren (lat.) , gliedern, deutlich ausſprece. 
Idyll (vom griech. eidyllion == Baldchen), dichteriſches Gemälde Dde5 
anſpruchslofen Land- und Hirtenlebens; idylliſch = ländlich-einfach, 
geruhig: ' 
- Konſervieren (lat.); in gutem Zuſtan'd erhalten, aufbewahren. “ 
Legende (lat., wörblich: das zu Leſende, d. h. die Erzählung aus der 
: - Lebensgeſchichte eines Heilen oder Märtyrers, die an beſtimmten 
Tagen in der alten Kirche vorgeleſen wurde) , Sage, 'Sagengeſchichte, 
Motto (ital. = Wort), Geleitſpruch. . . 
Präparieren (lat.), vorbereiten; zure<t machen, , *- 
Rampe (franz.), Auffahrt, Treppenabſaß; im Theater 
auf dem Geſtell vorn an 'der Bühne. un | 
Tertiär (lat.), die dritte Stelle in einer Reihe einnehmend, Tertiäur- 
zeit? drittes Zeitalter der Exrdgeſchigte, in dem Palmen, Laub 
„Jölzer und zum Teil. rieſige Säugetiek? .zu einer vorherrſchenden 
die Lampenreihe 
“Stellung gelangten und die heutigen Hochgebirge entſtanden, 
= Bevantwortlich für die Redaltion: Karl'Korn, ei. Berlap:.Fr.:Ebert (Zentraiſtelle für die arbeitende Jugend Deutſchlands), -- Druc: Vorwärts Buchdruckerei u; 'Verlag3» * 
ae + a nin wd daes „anitalt Baul Singer & Co: 'Sämtlich in Berlin. - SSEN a Ei el: u mD ..
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.