Full text: Arbeiter-Jugend - 11.1919 (11)

8 Arbeiter« Jugend 
-„Igtior auf ihrer ganzen Linie bedeutet: einen, in der Geſchichte bei- - 
ſpietloſen Prozeß nicht der Zerſtörung, ſondern da3 Aufbaus und der 
Men niſard der Geſellſchaft. Unſere jungen Leſer können viel aus 
'der Schrift lernen. . 
(W] Aus der praxis der Bewegung [W) 
; u Jugendgenoſſen und Erwachſene, - 
' Wo im auch in der Jugendbewegung mitgearbeitet habe, übera 
Haben die Erwachſenen über die Jugend und die Jugendgenoſſen über 
.die Erwachſenen 'geklagt.“ Manc<hmal haben wir auch kräftig auf den 
Zugendausſchuß mit ſeinen Partei- und Gewerkſc<haft3vertretern ge- 
ſchimpft. ' Wie ich meine Jugendgenoſſen konne, war das aber niemals 
Ichlimm gemeint. Auch wenn wir gerne ganz „ſelbſtändig“ ſein wollten, 
Haben wir un38 immer im Jugendheim, auf der -Wanderung, bei der 
Kaäſſierung nach den Erwachſenen umgeſehen. Ueberall wird immer ge- 
[agt, daß die Erwachſenen nicht genug mithelfen. Man will ſie nicht 
nur im Fugendausſchuß, ſondern auch bei allen Arbeiten und Veranſtal- 
tungen der Jugendbewegung ſehen. Wenn wir jungen Leute auch noch 
ſo rebelliſch jind, ich glaube doch, die meiſten haben 28 ganz gern, wenn 
ein erfahrener Vertrauen3mann der Arbeiterbewegung mit ihnen 
ſpricht und ſich ihrer annimmt. Manche von uns, die gern das große 
Wort führen, fühlen ſich doch im Innern unſicher und nehmen von 
älteren etwas an. Nur geben ſie e8 nicht gleich zu. Wer von uns ſchon 
ein paar Jahre in der Jugendbewegung ſteht, muß auc<h zugeben, daß 
wir in vielen Arbeiten angeleitet werden müſſen. Auch jind die Jugend- 
lichen leichter müde und mutlos al8 die Erwachſenen, die ſc<on ſoviel 
Erfahrung in der Organiſation3arbeit haben. 
nach den (Erwachſenen, auch wenn ſie am 
Jugendvereine haben würden. Den größten Fehler- machen die erwach- 
 
enen Mitglicder des Jugendausſchuſſe8, die ſich hincinwählen läſſen 
„und dann nichts tun, oder in den Sikungen nur von oben herab Reden 
halten, Die Erwachſenen müſſen zu den Wanderungen, Spielabenden, 
Zeitungösausgabe uſw. kommen, damit ſie ſich mit den Jugendlichen 
kennen lcrnen, Denen nimmt die Jugend nicht gleich etwas übel, Dann 
„müſſen die Erwachſenen aber nicht nur nörgeln und ſchließlich über den 
„Krieg jammern, ſondern müſſen der IJIugend Mut machen. 
Ein paar eifrig mitarbeitende Erwachſene wollen wir überall in der 
Bewegung haben, oo. Ww.“ 
Bunter Abend. 
Dieſe Abende werden ja nicht nur in unſeren Jugendzuſammensz 
Fünften gepflegt, ſondern ſie ſind auch bei dem erwachſenen Publikum 
„gern geſehen. Bei uns gewinnen ſie dadurch noch, daß eine verhältnis» 
niußig große Zahl Jugendlicher mitwirken karin. Es iſt aber auch hier 
eine Vorbereitung nötig, wenn die paſſiven Teilnehmer ebenfalls mit 
Intereſſe bei der Sache ſein ſollen. Vor allem muß darauf gef:hen wer- 
den, daß das Programm nicht zu bunt wird. Wir können 3. B. nicht 
ernfte und heitere Rezitationen oder Wander- und Kampflieder unz 
mittelbar hintereinander zum Vortrag bringen laſſen. Man teilt darum 
vas Programm ain zweemäßigſten in zwei Abſchnitte. Zunächſt den 
ernjten and dann den heiteren Teil, Der ernſte Teil kann ganz ver- 
ſchiedenen Juhalt3 ſein, Wollen wir etwa die Freude aim Wandern zur 
Darſtellung bringen, fo werden wir natürlich Vorträge wählen, die auf 
das Wandern und die Natur Bezug nehmen. Die Mandolinenſpielex 
beginnen wir mit dem. Lied „Brüden, auf zum frohen Wandern!“ Stehen 
' ferne Muſiker zur Verfügung, ſo wird mit einem allgemeinen Geſang 
begonnen, dann wird vielleicht ein Protog vorgetragen, und in der ſich. 
daran anſchließenden Anſprache wird kurz auf die erhebenden und auf 
die nüßlichen Seiten der Wanderns hingewieſen. Dann können Nezi= 
- tationen, furze Vorleſungen ſowie Klavier- und. Geſangvorträge folgen. 
IM heiteren Teil werden luſtige Weiſen der Marſiker zum Vortrag ge- 
bracht. Schließlich können aus der Fülle: der eigenen Erinnerungen 
fröhliche Szenen und komiſche Vorfälle zum beſten. gegeben werden ; ſie 
werden bei allen Anweſenden immer ein frohes E<ho wecken, 
Im der gleichen Weiſe können auch Abende veranſtaltet werden, die 
das Klaſſenbewußtſein we>en ſollen. Man wählt eben dann mehr 
Fampflieder und Gedichte proletariſcher Schriftſteller. Man kann auch 
Programme zuſammenſtellen, die nur einer beſtimmten Gruppe von 
Dichtern gelten, 3. B, Klaſſikerabende. Sehr gut wirken Hieſe bunten 
- Abende ferner bei der Veranſtaltung vom Weihnachtsfeiern. Hierbei kann 
auch noch cin kleines Theaterſtü> eingeflochten werden, denn au 
Theaterſpielen wirkt erzieheriſch, und ich kann die Anſchauung, derer nicht 
teilen, die da meinen, das Auswendiglernen der. Rollen ſet unnötige 
„Zeitverſchvendung, Gerade in dieſem Jahr werden wir ja wieder Ge- 
. legenheit haben, größere Weihnachtsfeiern zu veranſtalten, denn wir 
werden dann all die feldgrauem Genoſſen wieder bei uns begrüßen 
önnen. . 
| Doch nicht nur zu unterhaltenden, frohen Veranſtaltungen laſſen ſich 
die Bunten Abende ausgeſtalten, ſondern man kann auch ernſte Stunden 
„damit ausfüllen. I< denke dabei beſonders an Gedächtni3abende für 
. unfere gefallenen Jugendfreunde, Das Morden iſt nun vorbei, und da 
„iſt es unſere Pflicht, derer zu denten, die für unſere Sache ihr alles 
eingeſeßt haben und nun nicht wiederkehren. Gewiß ehren wir ſie am 
beſten, wenn wir in ihrem Sinne weiterarbeiten und ihr Werk fortſeßen. 
Trohdem gebühren ihnen beſondere Feierſtunden ehrender Andacht. Auch 
. hierbei iſt eine ſchöne und paſſende Zuſammenſchung de8 Programms 
möglich, die dem Abend dann ſicher das richtige Gepräge geben. werden, 
Mean 
1 Jaffen. 
EE| Aus der Jugendbewegun; 
'Form aus, was Soziali3mus3 iſt und wa3 
Deshalb rufen manche 
liebſten ganz ſelbſtändige . 
beflagen, 
- Autonzmie (griech., vierſilbig, Ton auf der EGnöſilbe. 
Bevanſworllich für die Redallion: Karl Korn, = Verlag: Fr. Ebert (Zentralſtelle für die arbeitende Jugend Deutſchlands), -- Druc; 'Vorwärt3 Buchdruckerei u, Vorlags- 
| , . .« AMitalt Paul Singex & Co, Säuntlich in Berlin, 
| So ſind.un3.die Bunten Abende bei vielen Gelegenheiten ein Mittel, . 
um allen Freunden und Freundinnen* genußreiche Stunden zu“ ver- 
 
 
Verſammlüng 'der Betriebsvertrauensleute in Groß-Berlin, 
Aus Berlin wird uns berichtet: Eine Verſammlung der Betrieb3»- 
'bertrauensleute Groß-Berlin3 fand am 22. Dezember im den Sophien» 
Sälen ſtatt, 
Die Verſammlung war von zirka 120 Vertrauensleuten 
beſucht, die 60 Betriebe mit ungefähr 4000 big 5000 Lehrlinge vertraten, 
Genoſſe Dommni> führte in ſeinem Referat zunächſt in kurzer, klarer 
Sozialdemokratie bedeutet, 
Gr zeigte, wie da3 freie KoalitionSrecht der Arbeiter biSher nur auf dem 
Papier beſtanden hat, und daß der Arbeiter, der für ſeine Klaſſengenoſſen 
eintrat, an allen Orten gejagt und verfolgt wurde, In noch verſtärkterem 
Maße irifft da3 auch für die Jugend zu. Jett aber ſteht e3 allen Are 
beitern und auch uns Jugendlichen frei, für die Erfüllung unſerer For- 
derungen und Wünſche alle Kräfte einzuſezen. Dies könne indeſſen nur 
geſchehen, wenn ſich die Jugend organiſiert und wenn ſie eine feſte ge- - 
ſchloſſene Maſſe bildet. 
Der reiche Beifall und die nachfolgende Diskuſſion zeigten deutlich, 
daß ſich die Jugend ihrer Lage und ihrer Aufgaben voll bewußt iſt. 
- Dann folgte der Bericht der Juge ndſchußkommiſſion 
Die Forderungen; über die ausgiebig diskutiert wurde, halten ſich im 
großen und ganzen im Rahmen der von der Zentralſtelle heraus- 
gegebenen Leitſäße. In der Diskuſſion zeigte ſich, daß ſich die Lage der 
Lehrlinge noch wenig gebeſſert hat. Zwar haben wir jchon in einigen 
größeven Betrieben einen Teil unſerer Forderungen verwirklicht; aber 
dia Lage dev Jugendlichen, die in kleinen Betrieben und bei Handwerks 
-meiſtern arbeiten, iſt noch dieſelbe wie vor der Revolution. Da es micht 
möglich iſt, in Betrieben, in denen nur zwei bis drei Jugendliche bes 
ſchäftigt ſind, Ausſchüſſe zu bilden, ſo ivurde vorgeſchlagen, die Ver- 
' bretungen dieſer Kollegen in den Fortbildungsſchulen zu wählen, 
- Wie dringend notwendig es iſt, daß auch in kleinen Betrieben zum 
EN der Jugendlichen etwa38 getan wird, zeigen am beſten folgende 
eiſpele: . 
Zn einem Betrieb ſind die Jugendlichen im eine Lohnbewegung ge- 
treten, um die Erhöhung des Stundenlohn83 von 5 Pf. auf 15 Pf, 
zu erreichen, Gine andere Firma aus der Metallinduſtrie bietet ihren 
aus dem Feld zurückkehrenden Jugendlichen 8 Mk, pro Woche an. Wieder 
in einem andern Betrieb ſoll ein Schloſſerlehrling bei vierjähriger Lehr» 
zeit Lehrgeld zuzahlen! Dieſe wenigen Beiſpiele, die ſich beliebig ver» 
mehren ließen, ſprechen Bände, - | 
E3 zeigte ſich aber auch, daß verſchiedene Arbeiterräte bedauerlicher» 
weiſe noch nicht begriffen haben, daß ſie die Jugendlichen: mit allen 
Kräften unterſtüßen müſſen: ' Für Abhilfe iſt natürlich in dieſem Fall 
geſorgt worden, * = 
Jedenfalls hat un3 die Ausſprache reiche Anregeung für die künftige 
Arbeit der Jugendſchukßkommiſſion gegeben, und es iſt von ans beabſich- 
tigt, derartige Zuſammenkünfte monatlich ſtattfinden zu laſſen, H. TT. 
. * ' - 
Nachruf. ' 
Au3 Rathenow wird uns geſchrieben: Ginen trouen Jugend- 
genojjen hat die Rathenower Arberterjügentd) als Opfer des Krieges zu 
Willi Manke, ein braver und treuer Kamerad, iſt in 
einein Feldlazarett der tückiſchen Gvippe erlegen. Wie ſein gänzes 
Sinwen und Denken auf die kommende veſſeve Zeit gerichtet. var, E 
ſprach noh aus ſeinen lezten Briefen die ſtarfe Hoffnung, daß die 
Stunde nicht mehr fern ſei, wo er wieder gemeinſam mit uns. für die 
Menſchheit8fache würds wirken können. In ſeiner ſchlichten, ſtillen 
Urt hat. er unverdroſſen mitgearbeitet an dem Auf- und AusSbäu der 
Mathenower Bewegung. Nicht lag e3 in jeinem Woſen, Wortführer zu 
ſein, aber jahrelang leiſtete er unverdroſſen Piomierarbeit, Jumier war 
er dabei, wenn es galt, Nutöringende3 für. bid Beivegung zu leiſtey, 
Aufrichtig und in edler Kameradſchaft war ex mib jedom verbunden, und 
ſcin Tod wird allen, ältenen Freunden), die nun in alle Winde verſtreut 
ſind, unfaßbar ſein. Aber weil ſein Tod in unſeren NReihen gine ſchmerz- 
liche, faſt umausfüllbare Lücke: geriſſen hat, ijt es um ſo mehr unſere 
Pflicht, in ſeinem Sinne zu arbeiten. Traurigen Herzens nehmen wir 
von ihm Abſchied, ſein Name aber wird weiterleben als einer der 
Bravyſben, die ihr jungfriſche3, hoffnungsvolles Leben der 
grauſigen 
Menſc<hheitstragödie opfern mußten, b,. W.* 
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( Von autos = ſelbſt 
und nomos == Geſcg), ſtaatliche Selbſiämdigkeil. 
Funſtion (lat,), Wirkſamkeit, Amtsvorrichtung, Obliegenheit, 
Intenſiv (lal.), durch innere Kraft wirkend, ſtark, tief. 
Ifolieren (lat), vereinzeln, abſondern. 
Konflikt (lat.), Zuſammenſtoß, Streit. 
Konzentrieren (lat.), um einen Mittelpunkt (centrum) zuſammensz 
drängen, verdichten, verſtärken, . - 
Loyal (franz.), gefeßlich; ehrlich. 
. Parole (franz.), Loſung,
	        
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