Full text: Arbeiter-Jugend - 19.1927 (19)

 
 
Jugend, heran. Er iſt 
verloren, wenn er nicht 
mit eu< ſic die Zu- 
kunft erobert. -- Daß 
es auf den politiſchen 
Gefilden des jungen 
republikaniſ<en Staana- 
tes no< jtürmt und 
hagelt, nom? blißt und 
kracht, daß ſeine hohen 
jOQwarzrotgoldenen 
Fahnenmaſten von 
ſ<weren Wettern um- 
tojt und umtobt wer- 
den, welchen jungen 
Kämpfer wird es 
ſchre>en? Ie toller, je 
lieber! Der laſſe ſich in 
jungen Jahren begra- 
ben, dem nicht die Seele 
jauc<zt, wenn er im 
Sturme wandert. Der 
hat jein Leben ſc<on 
jest verſpielt, der zu 
feige und zu müde iſt, 
es an einen großen 
Kampf zu wagen. -- 
Die erſte deutſche Revo- 
lution, die dieſes ſtolze 
Wort vielleiht ver- 
dient, hißte die rote 
Fahne zu Waſſer und* 
zu Lande. Dergeſjen 
wir es nie! Die rote 
Menſc<hheitsfahne des 
Internationalen Sozia- 
Tismus, die uns Heilig 
iſt, wie unſere höchſte 
Ciebe. Derleugnen wir 
es nie! Wäre die natio- 
: nale. Umwälzung als 
Weltrevolution über 
die Erde gezogen, das 
  
 
 
 
 
 
En 
27 
Berlin, I]. Uovember 19 
nend 
Rot und Schwarz-Rot-Gold! 
Era ie deutſche Revolution des Jahres 1918 wird ſc<on 
at 8 Geſchichte. Ueun Jahre ſind ſeit jenem LTovember 
- Y%" dahin. Ihr Tugendgenoſſen wart damals no<h Rinder. 
ABCT-Sdqüßen oder gar no<) Dorſhulpfli<tige. Ihr ſeid no< 
im KaiſerreicQ geboren, aber eure Sinne wurden ſchon wach 
in der Republik. Der junge Staat wächſt mit euch, ſeiner 
DIE REVOLUTION 
Und ob ihr ſie, ein edel Wild, mit euren Henkersknechten fingt; 
Und ob ihr unterm Feſtungswall ſtandrechten die Gefang'ne gingt; 
Und ob ſie längſt der Hügel det, auf deſſen Grün ums Morgenrot 
Oie junge Bäurin Kränze legt --- doch ſag' ich euch: ſie iſt nicht tot! 
Und ob ihr von der hohen Stirn das weh'nde Lo&enhaar ihr ſ<Hort; 
Und ob ihr zu Genoſſen ihr den Mörder und den Dieb erkort! | 
Und ob ſie Zuchthausfkleider trägt, ini Schoß den Napf voll ECrbſenbrei; 
Und ob ſie Werg und Wolle ſpinnt --- doch ſag ich kühn euch: ſie iſt frei! 
Und ob ihr ins Exil ſie jagt, von Lande ſie zu Lande hett; 
Und ob ſie fremde Herde ſucht, und ſtumm ſich in die Aſche ſett; 
Und ob ſie wunde Sohlen taucht in ferner Waſſerſtröme Lauf -- | 
Ooch ihre Harfe nimmermehr an Babel's IBeiden hängt ſie auf! 
O nein -- ſie ſtellt ſie vor ſich hin; ſie ſchlägt ſie trrogßig, euch zum Trog! 
Eie ſpottet lachend des Cxrils, wie ſie geſpottet des Schafotts! 
Sie ſingt ein Lied, daß ihr entſeßt von Curen Seſſeln euch erhebt; 
Daß euch das Herz -- das feige Herz, das falſc<e Herz! --- im Leibe bebt! 
Kein Klagelied! kein Tränenlied! kein Lied um Jeden, der ſchon fiel; 
Noc< minder gar ein Lied des Hohns auf das verworf'ne Zwiſchenſpiel, 
Die Bettleroyer, die zur Zeit ihr plump noch zu agieren wißt, 
Wie mottig euer Hermelin, wie faul auch euer Purpur iſt! 
O nein, was ſie den Waſſern ſingt, iſt nicht der Schmerz und nicht die Schmach, 
 
Iſt Siegeslied, Triumpheslied, Lied von der Zukunſt großem Tag! | 
Der Zukunft, die nicht fern mehr iſt! Sie ſpricht mit dreiſtem Prophezei'n: 
So gut wie weiland euer Gott: J< war, ich bin -- ich werde ſein! 
I< werde ſein, und wiederum voraus den Bölkern werd' ich geh'n! 
Auf eurem Naen, eurem Haupt, auf euren Kronen werd" ich ſteh'n! 
Befreierin und Rächerin und Richterin, das Schwert entblößt, 
Ausre&en den gewalt'gen Arm werd ich, daß er die Welt erlöſt! 
Ihr ſeht mich in den Kerkern bloß, ihr ſeht mich in der Grube nur, 
Ihr ſcht mich nur als Jrrende auf des Exiles dorn'ger Flur -- 
Zhr Blöden, wohn" ich denn nicht auch, wo eure Macht ein Ende hat: 
Bleibt mir nicht hinter jeder Stirn, in jedem Herzen eine Statt? 
In jedem Haupt, das trogig denkt? Das hoch und ungebeugt ſich trägt? 
Iſt mein Aſyl nicht jede Bruſt, die menſchlich fühlt und menjc<lich ſchlägt? 
Iüticht jede Werkſtatt, drinn es pocht? Nicht jede Hütte, drin es ächzt? 
Bin ich der Menſc<heit Odem nicht, die raſtlos nach Befreiung lechzt? 
Drum werd" ich ſein, und wiederum voraus den Bölkern werd" ich geh'n! 
Auf eurem Nacken, eurem Haupt, auf euren Kronen werd" ich ſteh'n! 
's iſt der Geſchichte eh'rnes Muß! es iſt kein Rühmen, iſt kein ODroh'n! 
Der Tag wird heiß -- wie weh'ſt du kühl, o Weidenlaub von Babylon? 
Ferdinand Freitigrath. 
 
 
 
 
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ZITIEREN IREN Ee ge ATE Ei 7 1 a eiten, er 
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rote Heiligtum ider Internationale wäre ihr JFeldzeichen ge- 
worden, als das leuchtende Fanal unſeres Sieges. 
Die ſoziale Revolution blieb im Anlauf ſtecken. Uur 
die politiſche ſeßte ſi dur<. Die Klaſſengeſellſmaft 
blieb. Die gewaltige Uebermac<ht der großen Beſißer wurde 
nicht gebrochen. Uur politiſQ wurde dur< das gleiche Stimm- 
re<ht für Iänner und 
Frauen, auD für die 
Jugend, das Tor zu 
ginem neuen Zeitalter 
Deutſjhlands auf- 
geriſſen. Dur< die So- 
zialdemokratie. Durd< 
ſie allein. Sie erfüllte 
das Wort, das j<Gon 
Caſſalle verpfändet. Sie 
machte den Weg zu 
einem demokratiſchen 
Deutſ<land frei. Die 
demokratiſjme Republik 
erſtand. Uict die ſoziag- 
liſtiſc<e, kaum nod die 
ſoziale, Er|Höpft, ver- 
wirrt, zerriſſen durmM 
den Krieg, Zzerfleiſ<t 
dur< haßerfüllte Bru- 
derkämpfe, unvorbe- 
reitet aum? und zu ven 
gewaltigen Auſgaben 
ſozialiſtiſ<er Umge- 
ſtaltung noM nicmt ge- 
reift, verloren die So- 
zialiſten bald große 
Teile ihrer Hiadt. 
Wehr als die Republik 
gewannen ſie nimmt. Zu 
wenig für unſere Un- 
geduld, ſo groß au< 
der Schritt vom Hohben- 
zollernrei? zur Präji- 
dentſ<aft eines deut- 
ſ&<en Arbeiters war. 
Zu gering für unſeren 
Glauben, der mit glü- 
hender Kraft feſthält 
an der großartigen 
Derheißung einer har- 
moniſ? gegliederten 
Zukunftsgeſellſ<aft.--
	        
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