Schulen eine Selbſtverſtändlichkeit, jedes Iahr mit unſeren
Eltern 4 Wochen in die Ferien zu gehen, und dieſe 4 Wochen
bedeuteten tatſächlich eine ſol<e Kräftigung unſeres Rörpers,
daß alsdann die Arbeit eines intenſiven Shulbetriebes für
das ganze übrige Jahr ohne Schädigung geleiſtet werden
konnte. Wenn man fic; nun vorſtellt, daß Schüler der
höheren Schulen ſich gewöhnli< in häusli<hen Derhältniſjen
befinden, die bei weitem beſſer ſind als die der großen Maſſe
der erwerbstätigen Jugend, ſo wird die Forderung um ſo
dringliher zu erheben ſein, daß dieſer erwerbstätigen
Iugend im Alter von 14 bis 17 Iahren dur< Geſeß die
Möglic<keit einer Ausſpannung und Erholung von wse-
nigſtens 2 bis 3 Wohen im Jahre verſchafft wird. Wie not-
wendig eine JſolHe vorgeſhriebene geſetzliche Trholung iſt,
lehrt die Erfahrung auf dem Heuberg mit ſeiner Beoba<htung
von vielen Hunderten ſol<er Rinder (insgeſamt ſind auſ dem
Beuberg ſeit den 7 Ighren ſeines Beſtehens rund 75 000
deutſche Rinder geweſen) in aller Eindringlichkeit.“
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Vicht ſchreien, widerlegen! |
Die „Iunge Garde“ iſt in helles Tntzücken geraten, weil wir
UnS in der Oktober-Uummer unſerer „Arbeiter-Tugend“ einmal
guSführlich mit den kommuniſtiſc<en Rampfmethoden ausein-
. 'andergeſeßt haben. Endlich ſicht ſie wieder eine UlöglichRkeit,
/ in den Ulittelpunkt des Intereſjes gerückt zu werden, und ji2
mödte gern, daß nun die Auseinanderſeßungen no<h möglidit
lange und „deftig“ weitergehen. Der Ton wird in der Oktober-
nummer der „Iungen Garde“ angegeben. „Weſtphal als DeteRk-
tiv“, „Ollenhauer lügt weiter“, „Erdbeben in Berlin“, Dor-
leumder und Lügner, das ſind ſo Stichworte, unter denen die
Kommuniſten kämpfen mödten, um möglichſt ſchnell von dem
Rern der Sache abzukommen.
Wir werden ihnen den Gefallen nict tun. Wir ſtellen nur
Feſt, daß die „Iunge Garde“ es nicht wagt, ihren Leſern den
Inhalt unſeres Leitartikels in der Oktobernummer auh nur
andeutungsweiſe zu zitieren. Sie erhebt nur ein ſur<tbare2s
Geſhrei und fordert von uns Beweiſe, Wir haben eine
Reihe von Behauptungen über die kommuniſtiſc<e Fälſ<hungs-
arbeit aufgeſtellt, und nun liegt es an den Kommuniſten, zu
ee das dieſe Feſtſtellungen falſ< ſind. Wir Haben ſeſt-
gejtellt:
1. Die kommuniſtiſche Bezirksleitung Württemberg Hat
Woikert-Eklingen als Spiel in die Ort5SgrupPpe
Eßlingen der Sozialiſtiſc<en Arbeiteriugend delegiert.
2. Der jezt zu den Kommuniſten übergetretene Ernſt
Roſendahl-Sdhwelm hat an dem Reichskongreß der
KommuniſtiſGen Jugend in Hamburg teiloenommen.
Der ebenfalls übergetretene Gräfe-VUlilspe hat na
dem Hamburger Konareß der Kommuniſten gemeinſam
mit Roſendahl Unterbezirkskonferenzen der „Oppoſition“
organiſiert, auf denen über die kommuniſtiſc<e ReiMS-
konferenz beri<tet wurde. Den Teilnehmern wurde das
Fahrgeld erſtattet.
4. Roſendahl hat dieſe Arbeit ſeit langem mit Wiſſen der
Reidsleitung der Kommuniſtiſchen Iugend geleiſtet.
Solange die Kommuniſten nicht den Beweis erbringen, daß
Weikert ni<t im Auftraa der Kommuniſten in unſerer Organi-
ſation tätig war, daß Roſendahl ni<t in Hamburg geweſen
iſt, daß Gräfe keine Konferenzen der „Oppoſition“ mit
Berichten über Hambura veranſtaltet hat und daß die Kom-
-muniſten von dieſem „Wirken“ ni<ts gewußt haben, ſolange
halten wir unſere Behauptungen aufre<t. Da die Kommu-
niſten das nicht können, denn dieſe Tatſachen ſind dur)
Originalſ<reiben und Einladungen bewieſen, jo fällt der
Dorwurf der Derleumdung und der Lüge auf ſie ZUTÜR.
Unſere Schuld?
Das Aelterenblatt des evangeliſmGen Bundes vdeutſc<er
Jugendvereine beſchäftigt ſi in ſeiner lezten Uummer faſt
ausſ<ließlich mit politiſ<en Fragen. Die einzelnen Aufſäße
geben ein anſ<aulic<es Bild von dem ernſten Ringen dieſer
Jugend nah politiſ<er Klarheit. Wir finden die ver-
ſchiedenſten Auffaſſungen, Weſentliches und Unweſentliches
nebeneinander, ohne daß insgeſamt eine klare Linie erkenn-
bar wird. |
- Redt eigenartig ſind man<hmal die Acußerungen über den
Sozialismus und die Sozialdemokratie. Mit der Sozialdemo-
u
Arbeiter-Iugend
271
kratie ſekt ſic vor allem Walter Tlaſſen in einem QKrtikel:
„Deutjhlands neue Politik“ auseinander. In ſeinem ge-
jMimtliMen Rückblick gebrau<t ex manchmal Redewendungen,
die ſtark an die Dol<ſtoßlegende der Uationaliſten anklingen.
Uadydem er dann die Ueberführung des alten Staates in den
demokratiſchen DolkSſtaat als eine nationale Tat gefeiert
hat, kommt er zu folgenden Ausführungen: a
„Ihre (der Sozialdemokraten) Sdquld iſt eine andere. Sie
haben nun mehrere Iahre großen Anteil an der Macht im
Staate. Und nun ſind ſie ſittlich noM ſ<wäder als vorher
das Bürgertum. Rauſdgifte, die areulihſte Shnapsfabri-
Ration, gemeinſte Literatur vergiften unſer Dolk, elende
Dergnügungslokale jeder Art blühen. Auch nicht ein Dexr-
ju<g, die Zügel ſittlicher Zu<t wieder anzuziehen! Solche
Weichheit iſt unſozial, volksverderbend. Wer nicht an einen
Gott ſein Gewijſen gebunden fühlt, kann vielleicht ein
Fanatiker werden wie die Kommuniſten, aber er kann nicht
aus Liebo hart ſein.“
„Unſere Schuld? Regieren nict ſeit vier Iahren im Reid
die Führer der Parteien, die „ihr Gewiſſen an Gott gebunden
haben“, Herr INlarx, Herr Keudell und Herr Streſemann, und
ſiven die Beſiker der Shnapsfabriken, der ſchlechten Titeratur
und der Dergnügungslokalitäten niht gerate in den Darteien,
27 1G «riſtlich nennen? Ihre Sduld iſt niemals unſere
uld.
Unſere S<huld? Wo ſind die Loſor dor Schundliteratur, die
Beſucher der ſ<ledmten Rneipen, die Konſumenten der Rauſ&-
giſte? Sind es die organiſierten Arbeiter, die jungen und
alten Sozialiſten oder ſind 25 nicht viel eher alle die aroßen
und kleinen Sünder, die -- politiſH indifferent oder ſtramm
national --- immer nod) gute Chriſten ſein wollen, wenn man
ſie naß ihrem GlavbensSbekenntnis fragt. Wer hat hiex
verſagt: die Kir<e oder der Sozialismus?
Die junge Eeneration, zu der do<ß aum die BEelteren-
gruppen des Bundes deutſ<er Jugendvereine gehören, ſollte
eine DisSkuſſion über ſo ernſte Lebensfragen, über DeutſH-
lands neue Dolitik in einem anderen Geiſt führen, als es hier
geſchehen iſt.
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Erite Erfolge der Parteiperbewoche. Unſere Berliner
BezirkSorganijation verband ihre am 13. Uovpember abge-
haltene RevolutionSfeier mit einer PartegiweinDe,
deren Deranſtalter gleimzeitig aum die Sozialdemokratiſ<e
Dartet war. Beit über 100 Arbeiterjungen und
-müdel wurden eingereiht in das Beger der kämpfenden
ArbeiterſHaft, in die Sozialdemokratiſche Dartei. Im Ulittel-
vunkt des von der Jugend ſelbſt beſtrittenen, gut zuſammen-
geſteilten DPDrogramms ſtand die Anjpra<e des Genoijſen
Weſtphal, der den jungen Kämpfern die Aufgaben zeigte, die
ihrer harren. An 3wei vorangegangenen Zuſammenkünften
wurde den in die Partei übergeführten Jungen und Ulädeln
dur<h die Genoſſen Künſtler und Stein von dem Wirken und
Wollen der SDD. Kenntnis gegeben, bei der Darteiwseibe
wurde ihnen 'das Beidelbergor Programm überreicht. -- Cin
22jähriger, aus der Berliner Arbeiterjugend Hervor-
agecanagener Genoſſe, der jet rühriger Funktionär in der
Dartei iſt, hat während der Werbewoce der Dartei 25 We u-
aufnahmen gcemaht. -- Auf der Revolutionsfeier der
SozialdemokratiſHen Dartei in Stettin wurden 350 Mit-
glieder der SozialiſtiſMen AErbeiteriugend Stettin vom
hieſigen Parteiſekretär in feierlicher Form in die Dartei
aufgenommen.
Der neus Dorxmarſ<. Die lezten Wochen haben uns einen
erfreulihen Zuwa<Hs an neuen OrtSgruppen qe-
bra&t. Im Bezira Thüringen wurden neugegründet
Steinbeid, Gräfenthal, Allſtedt, im Bezirk öſtlic<es Deſt-
falen Dehlen, im Bezirk Oſtpreußen Uarienburg, im
Bezirk Brandenburg Bößow, Groß-Räſ<en, Kegin,
Ciebenwalde. Dazu kommen no<H vier neue Gruppen
des Bezirks Groß-Berlin. Wir wünſchen den neuen JUlit-
ſtreitern in unſerer Bewegung in ihrer Arbeit guten Erfolg.
Brief aus der Arbeit. „Ihr hättet einen Sonntag ſpüter
hier ſein ſollen, da hatte die Partei in Redglinahauſen
eine aroße Kundgebung, auf der Uliniſter a. D. Severing
ſpra<. Eine ſo große Rundgebung hat Redlinahauſen
ſhon ein paar Jahre niht geſehen. Unſere Idee bricht