Full text: Arbeiter-Jugend - 20.1928 (20)

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Ceben. Da ſurrf aus dem Wald eine Zliege heran, und es 
iſt eine ganz gewöhnliche Fliege, Fein Menſchenauge hatte 
daran efwas Beſonderes enfde>en können. Ooch das Auge 
der Forelle ſieht eine Fliege wohl anders. Cine ſcharfe Be- 
gehrlichfeif zu&t in ihr auf. Wie ein 
Pfeil von der Sehne, ſo ſchnellt ſie 
nach der ſurrenden Sliege, die mit 
ihren Slügeln das WWajſer zu lächer- 
lich Eleinen Wellen aufpflügt. Der 
Otter ſieht einen Chatten im durch- 
leuchtefen Grün des Cingangs vor- 
über gleifen und ſtürzt ihm nach. Jm 
Augenblick, da die Forelle nach der 
Sliege ſchnappt und die Begierde jie -“ 
dumm und blind macht, ſchlagen + 
ſhHarfe Zähne in ihren Leib. Gie 
bäumtf ſich in wildem C<hwmerz, als 
der Offer ſie auf die Felſen zerrt. 
 
 
 
 
Selten friſch. Immer wiedor muß vor der ganz unſinnigen 
Anwendung des Umſtondswortes „ſelten“ gewarnt werden. 
Da wurde kürzlich ein Bericht über einen plößlichen Todesfall 
mit den Worten begonnen: „Geſtern abend ſtarb Berr U. Am 
Morgen ſeines Todestages war er ſelten friſ<m geweſen.“ -- 
Aha, ſagt man ſich, kein Wunder, daß er naher ſtarb; aber 
das ſtimmt nicht, denn es heißt weiter! „obwohl er in der 
Uacht vorher ſehr wenig geſchlafen hatte.“ Klſo lieat ein 
Gegenſaßs var: troß ſ<le<ten Schlafens war er „ſelten friſch“, 
das ſoll heißen „friſ; wie ſelten“, heißt aber gar niht jo, 
ſondern iſt falſch und höhſt irreführend. =- In einem anderen 
Uachruf ſtand: „Er war vor allem ein mMenſc<, ein ſelten 
wohltuender WMenſ<h, ein Hriſtlicher Menſ<.“ Iſt das <,riſt- 
lich, nur „ſelten“ wohlzutun? -- Ein ſelten ſchöner Stil ijt 
keineswegs ein einzig ſ<öner, ſondern ein hö<ſt minder- 
wertiger, der nur hier und da einige Lic<tbliäke zeigt; ein 
ſelten reicher Ernteertrag iſt etwas ſehr Betrübliches, genau 
wie ein ſelten fleißiger Schüler und ein ſelten wohltuender 
Eindruck. Au<h die ſelten glückliche Ehe, von der man in 
mand<er TodeSanzeige lieſt, ſollte dom? eigentlim nicht jo 
öffentlich erwähnt werden; der Anzeigende beleidigt ja den 
Toten ſowohl wie ſich ſelbſt aufs ſeltſamſte mit dieſer RedenS- 
art. Wann werden wir ſol<en Torheiten ſeltener begegnen? 
Geſinnt und geſounen. Es gilt die Feinheiten unſerer 
Sprache in Bedeutungsunterſhieden aufremQt 3u erhalten, 
nict zu verwäſſern! Wir haben zwei Formen, die von der- 
jelben Wurzel ſtammen, aber verſ<iedenes bedeuten, und es 
iſt bedauerlich, wenn ſie beim Gebrau< ineinander übergehen 
und verſ<wimmen. Es ſind die beiden Formen „geſinnt ſein“ 
und „geſonnen ſein“. Erſteres heißt eine Geſinnung Hegen, 
leßteres beabſichtigen. IH bin dir wohl geſinnt, im bin 
ſozialiſtiſc<, demokratiſch geſinnt; aber: im bin geſonnen 
abzureiſen, an der Derfaſſung feſtzuhalten, nicht na<zugeben. 
Und da lieſt man nun: Friedlich geſonnen, wie er war, -- 
man glaubte, er ſei partikulariſtiſQ geſonnen. Der um- 
gekehrte Fehler kommt kaum vor, man ſcheint alſo die Form 
„geſinnt“ ganz abſchaffen zu wollen, und das iſt bedauerlich. 
Sprachkenntniſſe als Mittel zur Dölkerverſöhnung. In 
vielen unſerer Gruppen gibt es Genoſſinnen und. Genoſſen, 
die eine Fremdſprache, zumeiſt die engliſche, wenigſtens 
ſchreiben können. Die „Freunde der internationalen Klein- 
arbeit“ pflegen ſeit längerer Seit Brief-, Seitungs- und 
Bücheraustauſh zwiſchen Geſinnungsfreunden zu dem Sweke, 
Sprachkenntniſſe in den Dienſt der Dölkerverſtändigung zu 
ſtellen. Wer hier mitarbeiten will, wende ſiM an die Der- 
einigung „Die Freunde internationaler Kleinarbeit“ in 
Berlin SW 19, Rurſtraße 32, die au<h vin zweiſprachiges Blatt 
„Der Pionier“ (The Pioneer) herausgibt. 
Arbeiter-Jugendt 
 
 
 
   
Ur. 11: 
Das Waſſer tropft von den Schuppen. Da fällt ein Schakfen 
jah aus dem beiferen Himmel. Alt-Eriks Fänge ſchlagen in 
des Otters Nücken. Jett iſt zwijchen den alfen Jtachbarn 
ZSeindſchaft. Federn wirbeln, Haare ſtieben. Alt-Erik erhebt 
- ich. Er träaf den Okfker, der noch im- 
“ -- mer mit ſeinen Zähnen die Forelle feſt- 
alt. =- Alt-Erifs mächtige Schwin- 
gen ſtreben zur Höhe -- und zur Hohe 
jteigt er mit ſeiner ſeltſamen Beute. 
Chon faucht neben ihm die Krone 
der Föhre auf, da läßt der Otter 
die Sorelle fallen und wendet ſich 
Slißſchnell nach ovben. Blut ſprikt 
aus Alt-Eriks durchbiſſener Kehle. Als 
ein Knäuel wirbelt ex herab uno 
ſchlägt polfernd auf die Gteine am 
Strand, regt ſich ein paarmal ohne 
Kraft und bleibt liegen. | 
Spaniſche Partie, 
1. e2--e4, e7--25; 2. Sg1--F3, Sb8-c6; 3, Lf1--D5. 
Dieſer Cäuferzug iſt die plauſibelſte Fortſehung des weißen 
Angriffs. Der Dru auf e5 wird verſtärkt. Der [Awarze 
Springer auf c6 droht, gelegentlich geſ<lagen und der Bauer 
e5 erobert zu werden. Sofort kann das ja nicht geſ<ehen, 
weil na< 4. CXc6, dXc6; 5. SXe5, Dd4 den Bauern ZUrÜck- 
gewinnt. Aber nah einer Deckung des Bauern e4 von Weiß 
hängt dieſe Drohung immer in der Luft. Die beſten Gegenzüge 
des Schwarzen ſind 3. ..., d7--d6 oder a7--a6 oder 5Sga8--f6 
oder Sc6--d4, Dieſe Züge werden wir in verſc<hiedenen Fork- 
ſezungen der Reihe nah betrachten. Bei der erſten Antwort 
2: 06 entſteht ein etwas gedrücktes aber ſonſt ganz jiores 
piel. 
1. 3. ..., d7--d6; der Bauer 25 wird damit direkt gedeckt 
und die oben genannte Drohung iſt hinfällig. 4. d2--d8, 
Sc8--d7 (ſchlägt Schwarz ſtatttoſſen mit dem Bauer auf d4, 
ſo folgt 5. SXd4, €d7; 6. SXc6, bXc6; 7. Od3 und Weiß ſteht 
gut); 5. Sb1--c3, Sg8--f6; 6. 0--0, Lf8--27 (falls 6. ..., eXd4; 
7. SXd4, C27; 8. SXc6, DXc6; 9. LOd3 oder 6. ..., 2Xd4; 
7. SXd4, SXd4; 8. DxXd4, CXb5; 9. SxXb5 mit geringem 
Stellungsvorteil für Weiß); 7. Tb5Xc6, Cd7Xc6; 8. d4Xxe5, 
d6Xe5; 9. Dd) Xd8+4, Ta8Xd8; 10. Sf3X25, Tc6Xe4; 
11. ScZ3Xe4, Sf6Xe4; 12. Tf1--2e1 und Weiß hat ein Kleines 
Ueborgewicht. | 
II. 3. ..., d7--d6,; 4. d2--d4, Cc8--d7. Wird jeßt auf c6 
getauſ<t, ſo fällt für den ſchwarzen Bauern e5 der weiße 
Bauer e4. 5. Sb1I--c3, Sg8-Ff6; 6. SCb5Xc6, Ld7Xc6; 
7. Dd1--d3. Uun iſt Shwarz zum Tauſch auf d4 gezwungen, 
da der Bauer 25 porloren zu gehen droht und eine weitere 
Deckung dur< De7 oder Sd7 ungünſtig iſt. 7. ..., e25X04; 
8. Sf3Xd4, LSc6--d7; 9. n2--h3, Lf8-27; 10. Lc1--e3, 0-0 
mit etwa gleichem Spiel. 
Spaniſche Partie. Weiß: Jacobus. Schwarz: U. HU. 
1. 82-24, 27-25; 2. Sg1-F3, Sb8-c6; 3. Lfi--b5, d7--0d6; 
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4. d2--d4, 07--06; 5. CTb5--a4, b7--05; 6. Ca4--b3, Sg8-27; 
7. 0-0, CTc8--94; 8. daX25, Sc6Xx5; 9. Sf53Xe5! Lg4%X%61? 
10. Lb3Xf7=. Aus der Partie iſt zu erſehen, daß der Springer 
von g8 nicht na<h 87, ſondern nah f6 gehöri. Auf 27 ver- 
ſtopft er die Ausgangslinie des Läufers und iſt auc ſonſt 
gin Hindernis. Wenn er dem König das Feld e7 nicht verbaut 
hätte, wäre der überraſchende neunte Zug des Weißen 5SX-25 
' nicht möglich. Als Weiß 8. d4X25 ſpielte, mußte Schwarz mit 
d6Xe25 antworten, worauf 9. SXe5 au< nit geht wegen 
des Damentauſ<es, bei dem S<hwarz immer im Dorteil bleibt. 
CTöſung zu Ur. 12 (P. Ulaceleidt): 1. Lſ7-e8! Droht 
2. b4--b5--, c6Xb5; 3. Ob5+. -- 1. ..., Thaxb4; 2. Le8--d7! 
Droht Cc8+. 2. ..., S868-27; 3. Sa2XCTb4=. -- 1. ..., 
Sf8Xb4; 2. Le8Xc6! d5--d4; 3. Sa2Xb4+. Beide Abſpiele 
(Thomaſpiele) zeigen den ſogenannten Derſtelltreffpunkt. Die 
eine Themafigur wird zum Treffpunkt hingelenkt, die andere 
Figur wird verſtellt. | "
	        
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