Full text: Arbeiter-Jugend - 21.1929 (21)

 
Internationale Kundgebung in der Plagdeburger Stadthalle. 
plaß leuchtet das Blau, flammt das Rot. Die Iungmann- 
ſ<aft ſtrömt zur Morgenfeier der Arbeiterjugend im Stadt- 
theater. Uur einen Teil der jungen Menſ&en vermag das 
Kuditorium zu faſſen. Der Reſt zieht weiter, den Stätten 
anderer Deranſtaltungen zu. Au<h im Theater, im Parkett 
und in den Rängen das farbenſrohe Bild. 
Es wird ſtill, als hinter der Szene ein Ordeſter die 
Vlarſeillaiſe ſpielt, das erhebende und befeuernde Lied der 
Revolution. Dann ſteht der Ceipziger Iugendhor auf den 
Brettern und ſingt unſre Lieder unter ſH<wungvoller und ſorg- 
ſamer Führung. Sehr eindringliq erbrauſt die „Warſ<a- 
wijanka“, rhythmiſch ſtraff „Der arme Konrad“. Zwiſchendurd 
rezitiert Hans Kettler vom Stadttheater einen Dorſprud. 
Dann ſingt der Thor den däniſchen Ingendmarſch und ſließ- 
lim den „Weckruf“. 
Der Bewegungsdor der SAI. Berlin führt ein Spiel vor: 
„Genoſſen, zur Einigkeit“. Das b“kannte Bild der rimtungs- 
loſen Vlaſſe, zu der ein Führer ſtößt, um ſi2 zu einigen. » 
Padkend iſt der Spre<<or „Der Viorgen“ von Karl Bröger, 
aufgeführt von der Magdeburger Sozialiſtiſcen Arbeiter- 
jugend. Ein ergreifendes Bild auf der Bühne: das Blau der 
Roten Falken, die hellen Ceiber der Arbeitsmänner, das Grau 
der leidenden Frauen. Die lezten 
Worte der Dichtung leiten über in 
unſer Kampflied „Dem VUlorgenrot 
entgegen“, das mit großer Begeiſte- 
rung von allen Anweſenden geſung2n 
wurde. Die Ulorgenfeier hinterließ 
auf alls Teilnehmer einen tiefen Ein- 
drug; ſie war der Gipfel des mittel- 
deutſ<en Iugendtages. -- Am Sonn- 
tag na<hmittag traten mit der Jugend 
au<&ß die Alten auf den Plan mit 
einem zehn Kilometer langen De- - 
monſtrationszug. Die Soöozig- 
liſten, jung und alt, ihre Kinder und 
Frauen, zeigten ihre Ulacht und ihre 
Geſchloſſenheit. Der Zug wurde zu 
einem Triumphzug für den SozialisS- 
mus. -- Packend wurde die Lebens- 
kraft der Partei, ihre Wurzelfeſtig- 
keit, ihre Erneuerung ſi<tbar. Genoſſe 
Bock aus Gotha, der Senior, der über 
a<t Jahrzehnte dieſe Welt geſehen 
hat, fuhr im Wagen, hinter ihm die 
Jüngſten. Der alte Kämpe und der 
Arbeiterjunge. Jahrzehnte ſind wie 
ein Tag, und eine Idee, die Erkennen, ii 
Gefühl und Kameradſchaft iſt, um- XW 
ſpannt Generationen. = Das Be- 
kenntnis der Jungen zur 
Arbeiter-Jugend 
 
125 
8 Sozialdemo&ratiſhen Partei war die 
AKbſ<lußkundgebung auf dem ſchönen 
Ehrenhof der Magdeburger Stadthalle. 
Eine halbe Stunde dauert der Ein- 
marſ< der Iugend in den Ehrenhof, 
dann folgt der unabſehbare Zug der 
Elten. Immer neue Kapellen, neue 
rote Fahnen. Ug faſt zwei Stunden 
Hſt der Einzug beendet. Die Feier be- 
ginnt mit den Rlängen des Sozig- 
liſtenmarſc<es. Reimstagsabgeordneter 
Genoſſe Ferl begrüßt im Uamen der 
Magdeburger Partei und des Bezirks 
die von außerhalb erſHienenen jungen 
und alten Genoſſen. Sein Hoh auf 
die internationale Sozialdemokratie 
wird von den fünfzigtauſend Pxro- 
letariern begeiſtert aufgenommen. 
„Brüder, zur Sonne zur Freiheit“ 
erklingt es. Und ſofort naß dem 
 
Ießten Takt ſegen in mädhtiger Eintra<t die Stimmen des 
Magdeburger Spredi<ors ein: „Wir grüßen die Klten“, 
„Webet feſt das rote Band!“ 
Dann hielten begeiſtert aufgenommene Knſpraden ReiMs- 
kanzler Bermann WMülſer, der preußiſm2 Miniſterpräſident 
Otto Braun, der Dorſigende des Arbeiter-Turn- und Sport- 
bundes, Karl Gellert. 
Die Eröffnung des Parteitags fand während 
dieſer Maſſenkundgebung in vem überfüllten großen Saal der 
Stadthalle ſtatt. Mit dex Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“, 
geſpielt von dem Philharmoniſchen Ordteiter, wurde die Feier 
eingeleitet. Der Parteivorſigende Otto Wels ſiellte in ſ2inexr 
- Eröffnungsrode unter großem Beifall feſt, daß der Aufmarſch 
zum mittoldeutſ<en Iugendiag bewieſen habe, daß die 
Sozialdemokratie die Partei der Iugend iſt. Dom jüngſten 
Falken bis zum graugewordenen Kämpfer ſrlingt ſich ein 
einiges rotes Band. Das war das Ergebnis des mittel- 
deutſ<en ſozialiſtiſQen Iugendtreffens: es bewies die Stärke 
und innere Geſhloſſenheit der ſozialiſtiſGen Arbeiterjugend- 
bewegung und ihre Derbundenheit mit der Sozialdemo- 
kratiſ<en Partei. So wird es immer bleiben. 
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Die Hannoveraner ſind auf einem Laſtwagen nach Magdeburg gekommen.
	        
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