Full text: Arbeiter-Jugend - 25.1933 (25)

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würde. Die Jugendherberge ist weiter» 
hin alkoholfrei und nikotinfrei, und das 
iet nun mal eine kulturelle Errungen- 
Schaft, die wir der Jugend unter allen 
Umständen erhalten wollen. 
Die Gastwirte zwar meinen, daß e&s 
die älteren Wanderer Sind, die 
eigentlich in die Herbergen nicht hinein- 
gehören und Sich ihre Vorteile doch 
zunutze machen. Auch das trifft nicht 
zu. Es gibt Sehr viele Jugendherbergen, 
die Einzelwanderer gar nicht aufnehmen 
können. Die Wanderer Sind also an 
jenen Orten ohne weiteres auf das Gast- 
haus angewiesen. Ferner aber Sind die 
Bestimmungen der Jugendherbergen So 
gefaßt, daß alle eigentlichen Jugend“ 
wanderer Samt ihren Führern den Vor» 
rang haben. Das geht Sogar So weit, daß 
ältere Einzelwanderer, die Sich vielleicht 
vorher angemeldet haben, Sofort zurück 
treten müsSen, wenn Sich nach ihnen 
eine Gruppe jugendlicher Wanderer mit 
Führern anmeldet. Fest steht jedenfalls, 
daß das Unterkommen von Einzelwan“ 
derern niemals und nirgends die Regel 
iSt, Sondern fast immer nur eine Aus- 
nahme. Allerdings würde mancher ältere 
Einzelwanderer froh Sein, wenn er in 
der Jugendherberge unterkommen Könnte 
und wenn die Bestimmungen darüber 
nicht 50 Streng wären. Die von Keiner 
lei Trink- oder Verzehrzwang ein 
geengte bescheidene Heimgemütlichkeit 
der Jugendherberge Sagt ihm mehr zu 
als die nun einmal von Bier 
Tabakdünsten durchzogenen Räume 
einer Gastwirtschaft. 
AndererSeits gibt es noch immer ge 
nug Touristen, die die Gaststube wie“ 
derum mit keiner Jugendherberge tau“ 
Schen möchten. Die Gastwirte würden 
also in ihrem eigenen Interesse gut tun, 
ihren Zorn nicht gegen die Jugendher- 
bergen zu Kehren, Sondern ihre Sym 
pathie mit der großen deutschen Reise» 
und Wanderbewegung dadurch zum 
Ausdruck zu bringen, daß Sie endlich an 
fangen, ihre Häuser mehr als bisher als 
„lLouristenhotels“ und „Wanderheime“ 
einzurichten. Dann werden ihnen die 
Touristen und Wanderer von ganz allein 
zuströmen, Sobald Sie nämlich wisSsen 
und feststellen, daß Sich diese Häuser, 
wie heute Schon manche Sporthotels, 
auf ihre besonderen touristiSchen Be 
dürfnisse eingestellt haben, besonders 
auch hinsichtlich der Preise. Unsere 
Schöne Jugendherbergsbewegung aber 
Soll man in Ruhe lassen. 
und 
Wird Amerika wieder „naß“? 
Zu dem Ausgang der Prägiden-»- 
tenwahl in den Vereinigten Staaten 
von Nordamerika, in der das jetzt De 
Stehende Alkoholverbot eine er 
hebliche Rolle gespielt hat, Schreibt der 
„SozialistiSche Alkoholgegner , die Zeit» 
SChrift des Deutschen Arbeiter-Abstinen- 
ten-Bundes: | 
Eine Schwere Niederlage des Verbots 
bedeutet der Wahlausgang, der den 
durchschlagenden Sieg des „Demokra* 
ten“ Roogevelt, des Kandidaten der 
„NasSen“, über den „Republikaner“ 
Hoover, der Sich als biSheriger Prägi» 
dent ernsthaft für die Durchführung des 
Verbotsgesetzes eingeSetzt hat, gebracht 
hat. Wenn auch die Wirtschaftskrise 
und andere Dinge bei dieser Wahl mit 
gesprochen haben, So hat doch zweitel- 
los die Verbotsfrage dabei eine große 
Rolle gespielt. Es hat Sich gezeigt, daß 
die immer feiner und planmäßiger durch» 
organisSierte GesSetzesverletzung mit ihrem 
Gefolge ärgster Korruption und offener 
Anarchie die Segensreichen Wirkungen 
der ersten Verbotsjahre immer mehr zu“ 
nichte und So auch einen Teil ehrlicher 
Alkoholgegner zu Gegnern des Gesetzes 
gemacht haben, während die Verbrecher, 
die aus dem Alkoholschmuggel riesige 
Gewinne zogen, Freunde Seiner Auf 
rechterhaltung geworden waren. 59o ist 
das Wahlergebnis, das Sich auch in den 
Wahlen zum Kongreß, wo die Aufhebung 
des Verfassungsartikels 18 verhandelt 
wird, ausdrückt, weniger eine Entschel- 
dung über die Alkoholfrage Selbst als die 
Feststellung, daß in einem Kapitalisti- 
Schen Staat und in Ermangelung einer 
ausreichenden WVolksaufklärung über 
diese Frage eine durchgreifende Ueber» 
windung des Alkohols ausgeschlossen er“ 
Scheint. Uebrigens ist nach der bisheri- 
gen Haltung der Verbotsgegner nicht 
etwa an eine Schrankenlose 
Freigabe des Alkoholge=- 
SChäfts zu denken. Vielmehr Sind 
auch die „NasSsen“ mit einer Reihe ge 
Setzlicher Beschränkungen, die über das 
Maß der in Europa üblichen weit hinaus 
gehen, einverstanden. Was auch werden 
wird: der „edle Versuch“ (Irving FiSher) 
des amerikanisSchen Verbots ist nicht 
umsonst gewesSen. 
Die Hoffnung der deutschen Brau“ 
industrie, nun einen glänzenden AbSsatz 
in den Vereinigten Staaten zu finden, 

	        
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