Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

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Jngesten uhb dies in einem um so höheren Grade, je beschränkter die Gelasse und je 
spärlicher bei gleichem Verbrauch das von ihnen eingeschränkte Luftquantum ist. 
Zu diesen das Athmen belästigenden, die Gesundheit gefährdenden Beimischungen 
der Alhmungsluft gehören: 
1. Die Respiration s-, Verbrennungs- und Beleuchtungsprodukte, 
als da sind: Kohlensäure, Kohlendampf oder Kohlenoxydgas, Rauch, Tabaksqualm und 
Dochtdunst. 
2. Perspirationsexcremente oder die Hautausdünstungen, der Schweiß: 
Schwefelwasserstoffgas und Ammoniak, flüchtige, übelriechende Oele rc. 
3. Der anorganische und organische Staub, Pilzsporen von Pflanzen und Thieren 
u. s. w. wozu sich noch 
4. zufällige Dünste und Kloakengase gesellen. 
Damit hätten wir in gedrängter Kürze die Luftverderbniß angedeutet. Aufgabe 
des folgenden ist, die wichtigsten der genannten Gase und athmungswidrigen Stoffe 
nach ihrem Wesen und ihrer Gefährlichkeit noch näher kennen zu lernen. 
1. Von der Luftverderbniß durch den Athmungs- und Verbrennungsprozeß oder den Respirations-, 
BeleuchtungS- und Verbrennungs-Produkten. 
Man muß hier zunächst eine doppelte Form des Verderbnisses — nämlich eine 
positive und negative — unterscheiden. Die letztere besteht in der Abnahme des Sauer 
stoffes, welcher sowohl durch den Akt des Athmens der Insassen, als auch durch das 
Verbrennen des Heiz- und Beleuchtungsmaterials aufgezehrt wird, ohne daß hiesür ge 
nügender Ersatz geleistet würde. 
Von dem Umfange des Consums an Sauerstoff geben die Erhebungen der Ex 
perimental-Physiologie und der Technik eine Vorstellung. Nach der Angabe Baring's 
in der Vierteljahrsschrist für Gesundheitslehre verbraucht eine erwachsene Person pro 
Stunde 34 Gr. Sauerstoff, eine Stearinkerze etwa die Hälfte. Ein Kilo Leuchtgas be 
darf zu seiner Verbrennung 2,13 Kilo Sauerstoff für seinen Kohlenstoff, und 1,60 Kilo 
zu seinem Wafferstoffgehalt. 
Mit dieser negativen Form der Lnftverschlechterung Hand in Hand geht die positive, 
bestehend in der Anhäufung von Zersetzungsgasen, den Produkten der vordem genannten 
chemischen Prozesse. 
Ich nenne in erster Linie a) die Kohlensäure. 
Die Kohlensäure ist eine zusammengesetzte Luftart, entstanden durch eine 
chemische Verbindung des Sauerstoffs mit Kohlenstoff. Chemisch zu Salzen verbunden' 
trifft man sie in großen Mengen in unseren Kalk- und Kreidegebirgen als kohlensauren 
Kalk; in Soda und Pottasche als kohlensaures Natron und kohlensaures Kali, deßgleichen 
in den natürlichen Mineralwassern, besonders in den sogen. Säuerlingen (Göppingen, 
Dizenbach). Im mechanischen Gemenge enthalten sie die künstlichen Mineralwasser und 
Getränke: Sodawasser, Champagner, Bier und alle moussirenden Getränke. Ja selbst 
jedes frische, gute Quellwasser enthält etwas Kohlensäure, die ihm eben den erfrischenden 
Geschmack mittheilt. In dieser Form ist die Kohlensäure genossen unserer Gesundheit 
zuträglich und besonders für den Verdauungsvorgang sehr förderlich. 
Mittelst eines ganz einfachen chemischen Vorgangs kann die Kohlensäure künstlich 
in beliebig großen Mengen rein dargestellt und dann bequem in ihren Eigenschaften be 
obachtet werden. Man bringt zu diesem Zweck zerkleinerte Kreide in ein Fläschchen 
(etwa in das Teleskopglas des Apparats) mit so viel Wasser, daß dieses darüber geht. 
Durch den doppeltdurchbrochenen Pfropf kommt zuerst eine mit einem kleinen gläsernen 
Trichterchen versehene Glasröhre, die in das Kreidewaffer eintauchen muß. Durch die 
andere Oeffnung steckt man eine kürzere mit einem Schlauch versehene Glasröhre, welche 
aber die Flüssigkeit entfernt nicht berühren darf. Wird nun mittelst des Glastrichterchens 
etwas Schwefelsäure zugegossen, entsteht in dem Gefäß ein heftiges Zischen, Schäumen 
und Brausen, das nicht selten ein momentanes Wegnehmen des Pfropfens nothwendig 
macht. Die starke Schwefelsäure treibt die schwächere Kohlensäure aus, welche durch
	        
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