Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

I. 
Nie Freimaurerei und die christliche Schule. 
(Von Pfr. Christ, Wehingen.) 
ie ein Blitz aus heiterm Himmel taucht in unsern Tagen bald diese, bald 
jene Frage auf. Ihrer bemächtigt sich sofort die gesamte liberale Presse 
und weiß deren Lösung in ihrem Sinne in solchem Grad plausibel zu machen, daß die 
Regierungen, die freilich vielfach schon zum voraus damit einverstanden sind, nicht um 
hin können, dem allgemeinen Drang der öffentlichen Meinung folgend, bezügliche Ge 
setzentwürfe ausarbeiten zu lassen und dieselben in ihren Landtagen einzubringen, wofern 
die Initiative nicht — mit oder ohne Vorwissen der Regierungen oder gar auf Be 
stellung derselben — aus der Mitte der Landtage selbst ergriffen wird. Da zur Zeit 
der Liberalismus wie in der Presse so auch in den Volksvertretungen noch herrschend 
ist und es trotz des in Deutschland und Oesterreich sich anbahnenden Umschwungs wohl 
auf lange noch bleiben wird, so erfolgt die Lösung derartiger Fragen natürlich in der 
Regel in liberalem Sinne. So werden (die wichtigsten) Fragen gemacht und so — 
gelöst. 
Daß zu Zeiten diese und jene Fragen in die Oeffentlichkeit treten, hat an sich 
nichts Auffallendes, die Zeiten ändern sich und mit ihnen auch die Menschen, die An 
schauungen, die Bedürfnisse. Das Auffallende an der Sache ist das oft plötzliche.Auf 
tauchen solcher Fragen, sowie nicht weniger auch der Umstand, daß sofort die gesamte 
liberale Presse, wie auf's Kommando, über sie sich hermacht, ohne daß gewöhnliche 
Menschenkinder einen gegründeten Anlaß oder ein Bedürfniß hiezu wahrnehmen können. 
Das weist auf Organisation und „Plan in der Sache" hin und ist um so auffallender, 
wenn man damit das Schweigen der liberalen Presse hinsichtlich so mancher von anderer 
Seite angeregten oder auch ohne besondere Anregung sich vernehmlich machenden und 
laut nach Lösung schreienden Fragen zusammenhält. — 
Unter den in neuerer Zeit aufgetauchten Fragen nimmt die Schulfrage nicht 
die letzte Stelle ein. Seit Jahrzehnten läßt diese Frage die Welt nicht mehr zur Ruhe 
kommen und wurde in der neuesten Zeit namentlich in Belgien und Frankreich 
mit aller Macht wieder in den Vordergrund gedrängt. Weit entfernt, über alles, was 
bisher liberalerseits hierin bereits geschehen ist, den Stab brechen oder auch nur jeden 
Anlaß hiezu oder jedes Bedürfniß nach Reformen im Erziehungs- und Unterrichtswesen 
in Abrede stellen zu wollen, vermögen doch manche nicht einzusehen, welcher Anlaß oder 
welches Bedürfniß wohl obwalten möge, diese Frage in der angedeuteten Richtung immer 
wieder auf's Tapet zu bringen. Was insbesondere Belgien und Frankreich anbe 
langt, so war in beiden Ländern das Unterrichtswesen in einer Weise geregelt — in 
Belgien schon durch das Gesetz von 1842 und in Frankreich durch das Gesetz von 1850 
bezüglich des niedern, und jüngst auch durch das Gesetz von 1875 bezüglich des höher» 
Unterrichts —, daß die Katholiken zufrieden waren und die Liberalen wohl hätten zu 
frieden sein können, wenn sie anders gewollt hätten. Wie kommt es nun, daß derartige 
Fragen oft plötzlich auftauchen und sofort liberalerseits, d. h. von den dem Liberalismus 
Kath. Schulzettung, Ouartalhest IN. 1879. 9
	        
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