Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

wir werden bie Jugend erziehen." (Geheimnisse der Freimaurerei, 4. Ausl. 89.) 
Dem Freimaurer vr. Eimer hat die religiöse Erziehung im Leben so viele Qualen 
verursacht, daß er unserer Jugend die späteren Zweifel und die Umwandlung ersparen 
möchte. In einer in der Loge zu Würzburg gehaltenen Festrede (Bauhütte, Nr. 46, 
1871) bemerkt er: „Unsere Erziehung haben noch ausschließlich Theologen und Philo 
logen in den Händen. Die Letzteren haben meist keine Ahnung von Fleisch und Blut 
des Menschen, von dem großartigsten Bildungsmittel, das uns zu Gebot steht, von der 
Natur. Sie stehen mit den Füßen in der deutschen Schulstube und sind mit dem Kopf 
in Athen oder Rom. Die Theologen beginnen die Naturgeschichte mit Adam und Eva... 
So kommt es, daß so wenige Menschen überhaupt durch die Erziehung sich eine klare 
Vorstellung zu bilden vermögen über das wahre Wesen und damit auch über die Auf 
gabe des Menschen — über das Menschenwürdige .... Diese Grundlage muß eine 
am Studium der Natur selbst gewonnene Bildung werden. Die Schulen müssen 
umgestaltet werden in diesem Sinne. Aber die über die Schulen heute ge 
bieten, sind unserer Auffassung selbst noch feind. Deßhalb müssen wir uns zu 
nächst an die Stelle der Schule setzen und dazu unsere geschlossene 
Organisation nach Kräften benützen . . . Die Zeit wird täglich kostbarer, 
darum ist es nicht mehr thunlich, daß auch unsere Kinder in einer Schule erzogen werden, 
deren Lehrsätze vielfach dem, was wir für menschenwürdig erkennen, widersprechen. Sie 
lernen allerlei seligmachende Sprüche und verwirren den gesunden Sinn an armseligem 
Wunderglauben. Sie brauchen Jahre, um sich geistig wieder gesund, um sich frei zu 
machen, um sich zu erholen von dem Verkehrten, was ihnen so früh beigebracht wurde. 
Sorgen wir, daß ihnen die Qualen erspart werden, welche Zweifel und Umwandlung 
uns gekostet haben. Beginnen wir in der Familie, gestärkt durch den Bund —schaffen 
wir so eine Liga menschenwürdiger Geister ... So haben wir ein praktisches Ziel 
der Thätigkeit, welches das Höchste zugleich involvirt." (Geh. der Freim. 91 f.). Die 
Freimaurerzeitung vom 18. Okt. 1873 brachte einen Aufsatz: „Der Beruf des 
Lehrers im Lichte der Freimaurerei," welcher als Gipfelpunkt der Jugend- 
Erziehung angibt: „Die Erziehung des Menschen zum Menschen." Derselbe 
schließt mit der Aufforderung an „die Brr. allzumal": „Sorget und schaffet, daß in 
Schule und Familie die Grundsätze unserer k. K. (kgl. Kunst) zur rechten Geltung 
kommen; wirket gemeinsam, vornehmlich ihr Br. Freimaurer an beiden heil. Stätten u. s. w. 
(Pachtler, Götze, 367.) 
Ganz die gleiche Parole geben auch die ausländischen Logen ihren „Brn.". „Man 
muß die profane Welt so einrichten, daß sie unsere Grundsätze annimmt," schrieb der 
Nonäe matzonni^ua (Okt. 1866). Ich betrachte den Elementarunterricht als 
den Eckstein unseres Gebäudes. Soll der Religionsunterricht aus dem Pro 
gramm ausgestrichen werden? . . . Der Grundsatz einer übernatürlichen Auktorität, der 
dem Menschen seine Würde raubt, ist unnütz zur Kindererziehung und im Stande, sie 
zum Aufgeben aller Sittlichkeit hinzudrängen; folglich ist es nothwendig, darauf zu ver 
zichten. Wir werden die Rechte und Pflichten lehren im Namen der Freiheit, des Ge 
wissens, der Vernunft und zudem auch im Namen der Gesamtbürgerschaft; die Maurerei 
muß das Modell der modernen Gesellschaft sein: sie muß freie Menschen bilden, 
Schulen schaffen, besondere Schulen für Erwachsene, Waisenhäuser; 
das ist das beste Mittel, die Freimaurerei allgemein zu machen. (Geh. der Freim. 89 f.) 
Denselben Plan enthüllen uns holländische Logenbrüder. Br. Vaillant setzt 
in einem Vortrag aus einander, die Freimaurerei sei gegenwärtig nicht sowohl spekulativ, 
als vielmehr praktisch, eine Bildungsschule, welche den ganzen Menschen, 
sein Denken, Sprechen und Handeln umfasse. Darum sei der Jugend- 
unterricht ganz vorzüglich ihr eigenstes Gebiet. Und Br. Hofmann 
erklärt: „Einem Orden, dessen Ziel die Beglückung und Verbesserung der Menschheit 
ist, geht nichts so sehr zu Herzen, als die Sache der Erziehung und des Unter 
richts." (Pachtler, Götze, 366). 
Daß auch in Frankreich die Loge bei den Ferrv'schen Schulgesetzentwürfen Pathe
	        
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