Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

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athmens noch lange mehr oder weniger eine Spezialität bleiben wirb, so ist doch nicht 
zn verkennen, daß man auf Spiel- und Turnplätzen, auf Spaziergängen mit ganzen 
Schülerklaffen demselben mehr Aufmerksamkeit als bisher schenken sollte. Im übrigen 
sieht man sich darauf angewiesen, auf die unter gewöhnlichen Verhältnissen möglichen 
Leibesübungen sein Augenmerk zu richten und diese, wie schon oben angedeutet, gym 
nastisch zu methodisiren. 
Eine der gewöhnlichsten Bewegungen im Freien ist das sog. „Spazirengehen". 
Der Städter, der seine regelmäßigen Promenaden macht, muß diese Bewegungen im 
Freien mit gestissentlichem Vollathmen und jeweiligem Anhalten des Athems begleiten 
und zu diesem Zweck dem Kopf eine Haltung geben, die man wohl als die „wolken 
riechende" bezeichnen hört. Diese Bewegung wird wesentlich hervorgerufen durch ein 
allmälig aufsteigendes Hügelterrain. 
Das Laufen hindert für den Augenblick das Vollathmen, bringt aber die Lunge 
und das Blut in raschere Aktion, welcher in den Erholungspausen eine Reihe von Tief- 
athmungen folgt. 
Das Schwimmen wird an und für sich schon in einer dem Vollathmen günstigen 
Haltung vorgenommen, ohne dabei besonders anzustrengen. Der Druck des Wassers reizt 
zum Vollathmen und ein nebenbei eingenommenes Donche-Bad thut dies in erhöhtem Grade. 
Das Schlittschuhlaufen in einer Jahreszeit, in welcher das „Spazirengehen" 
nicht immer besondere Reize bietet, ist eine von lebhafter Inspiration begleitete Bewegung, 
ohne sonderliche Anstrengung. 
Das laute Sprechen, besonders das Vorlesen in stehender oder liegender 
Haltung wurde schon von Plinius als eine die Verdauung befördernde Uebung gepriesen. 
Das Lachen endlich, schon lange als „gesund" im Rufe, ist eine Reihe von kräf 
tigen Exspirationsstößcn mit dazwischen laufenden tiefen Einathmungen. Außerdem läßt 
man sich dabei mit der Körperhaltung unwillkürlich derartig gehen, daß eine volle Ex 
kursion des Zwerchfells bestens gewährleistet wird. 
Was endlich noch den Zeiipunki betrifft, so erscheint mit Rücksicht auf die schon oben er 
wähnte Zeit der Ausscheidung der Kohlensäure aus dem Blute, die zweite bis dritte Stunde 
nach dem Essen als die zum Vollathmen geeignetste, dagegen die, leider durch den Beruf so 
vielfach uns aufgezwungene Zeit unmittelbar nach dem Essen als die ungeeignetste. 
* * 
Damit waren wir am Schlüsse auch dieser letzten Partie der schon anfänglich uns 
vorgezeichneten Aufgabe angekommen. Man wird nicht verkennen, daß auch dieser Ab 
schnitt der Gesundbeitslehre, die physiologische Athmungskunde, treffliche Anhaltspunkte 
für eine paffende Belehrung und Aufklärung des in diesem Punkte noch so unwissenden 
Publikums bietet, und daß gerade die Schule es wiederum ist, in welcher so vielfach 
Gelegenheit sich findet, um auch in dieser Richtung erziehlich auf die Masse zu wirken. 
Wer in den Ausführungen einer übertrieben ängstlichen Sorge für des Leibes Wohl und 
Wehe das Wort geredet geglaubt, den bitten wir, noch einmal das erste Blatt des I. Hefts 
von diesem Jahre gef. durchzusehen. Wir aber fügen demselben noch bei, was wir vor 
Jahren schon in einer Abhandlung zur Lösung der sozialen Frage gelesen haben: 
„In den Völkern murmelt und klagt eine Unzufriedenheit mit der Gegenwart. 
Doch ist es ein allgemeiner Irrthum, die Ursachen dieses Mißbehagens außer sich zu 
suchen, besonders aus den politischen Zuständen herzuleiten .... Mensch! was kann 
dir die Freiheit frommen, wenn das Siechthum durch deine Adern schleicht? Die zuneh 
mende Verarmung der niederen Volksklassen ist nicht das Uebel selbst, sondern die Wir 
kung desselben. Ihre nächsten Ursachen sind Laster und Faulheit und die Quelle all' dieses 
Elendes ist das Siechthum, ist die vergiftete Gesundheit. Wer es daher ehrlich mit den 
Völkern meint, der sagt ihnen frei heraus, daß das meiste Elend aus ihnen selber komme; 
der ermahnt sie zur Tugend und Mäßigkeit, zur Achtung vor der Wohnung ihrer 
unsterblichen Seele, zur Erhaltung der Erdengüter höchstes, der Gesundheit. Machet 
euch gesund und ihr werdet Wunder von Glück erleben!"
	        
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