Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

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III. 
Ergehender Unterricht. 
(Von I. A. Troppmann, Hauptlehrer in Tirschenreuth.) 
Motto: Des Kindes Herz — ein Siatfelb, dn Ihr Disteln ausgesä't, 
Wie könnt Ihr U’rob Euch wundern, daß es nicht voll'Rosen steht? 
aterialismus und Pauperismus erheben immer drohender ihr Haupt. Wir 
stehen am Vorabende von Tagen, von denen wir sagen müssen: „Sie ge 
fallen uns nicht." 
Wie ist da zu helfen, wie ist dem drohenden Uebel wirksam zu begegnen? Etwa 
durch Gesetze und Verordnungen? Mitnichten! Das Volk muß wieder regenerirt, dem 
selben müssen wieder neue Säfte, muß gesundes Blut zugeführt werden; es muß wieder 
für das Wahre und Gute gewonnen und seinem Willen wieder eine ideale, edle Rich 
tung gegeben werden. Das kann von unten auf zunächst durch die Volksschule geschehen. 
Dieselbe muß aber, um ein segensvolles Wirken zu bethätigen, wieder mehr — Er 
ziehungsschule werden. „Die Schule gewinnt als Erziehungsanstalt eine 
reichere Ernte, wirkt als höhere Potenz, als wenn sie bloße L eh r anstatt ist, und Intel 
ligenz, Geist und Wissen werden durch die Verfolgung der ethischen Aufgabe durchaus 
nicht beeinträchtigt, im Gegentheil: erstere erhalten durch die moralische Kultur erst die 
rechte Weihe, den wahren Werth." (vr. Fröhlich.) 
Heutzutage wird ein zu großes Gewicht auf die Aneignung von Kenntnissen und 
Fertigkeiten und auf Verstandesbildung gelegt, indem man meint, daß von daher alles 
Heil zu erwarten sei. „Unter der Firma ,Realismus^ betont man gegenwärtig viel 
zu sehr das Stoffliche und Handgreiflich-Nützliche im Volksunterrichte. Es geht ein 
Geist der Krämerpädagogik durch unsere Zeit. Von demselben will man alles 
in's Grobgemeinnützige, Handwerksseichte ziehen, vor allem sofort den Sprung in's geld- 
umsetzende Leben gemacht sehen, und solchen Unterricht nennt man praktisch!" (G. G e s e l.) 
Ein solcher Unterricht ist aber ebenso einseitig, als verderbenbringend, weil er die noth 
wendige Rücksichtnahme auf die Bildung des Gemüthes, des Charakters und des 
Willens des Kindes ausschließt. Die Schule muß den ganzen Menschen erfassen 
und zwar nach zwei Seiten: nach der praktischen Seite, indem sie ihn mit nützlichen 
Kenntnissen und Fertigkeiten ausstattet, und nach der idealen Seile, indem sie ihm Reli 
gion, Gottesfurcht, Tugend und Nächstenliebe einpflanzt: sie hat die Aufgabe, nicht bloß 
zu unterrichten, sondern auch zu erziehen. Pestalozzi sagt in seinem ausge 
zeichneten Volksbuche: ,Wie Gertrud ihre Kinder lehrU, das noch heute als ein Muster 
buch gilt, folgendes: „Darauf kommt's gar nicht an bei der Schule, ob die Kinder ein 
bischen mehr oder weniger lernen; das ist ja alles sehr gut, allein es kommt darauf an, 
daß sie an das Rechtthun gewöhnt werden, daß sie in der Schule auch erzogen 
werden." 
Unterricht und Erziehung müssen sich demnach gegenseitig unterstützen, 
tragen, durchdringen. Nur durch getreue und gewissenhafte Erfüllung dieser Doppel 
aufgabe wird die Schule, wird der Lehrer gediegenes und bleibendes leisten. 
Ein Hauptmittel, erziehlich auf die Kinder einzuwirken, besteht in einer strammen 
Disziplin, in der richtigen Handhabung der Schulzucht. Herüber mich weiter 
auszubreiten, wolle mir erlassen bleiben. Meine Aufgabe ist zunächst, einige Unterrichts 
fächer hervorzuheben, welche bei richtiger Behandlung in erfolgreicher Weise auf die Er 
ziehung einwirken können. 
Die größte erziehliche Macht auf das Kind übt die Religion aus. Auch 
über diesen Gegenstand will ich hier hinweggehen, da derselbe erst im vorigen Quartal-
	        
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