Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

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hefte in ausgezeichneter Weise behandelt wurde. Dafür hebeich zunächst einen andern 
Gegenstand heraus: die Geschichte und zwar vor allem die 
biblische Geschichte. 
Die biblische Geschichte ist die pragmatisch geordnete Darstellung der in den bib 
lischen Urkunden überlieferten Offenbarungsthatsachen. Sie ist die sicherste Grundlage 
der allgemeinen Menschenveredlung, Menschenerziehung. Daß die biblische Ge 
schichte dem Kinde Gelegenheit zur Nachahmung und Anwendung gibt, liegt im 
Wesen der biblischen Erzählungen selbst. Das ferne Land, in welchem sich die That 
sachen zugetragen haben, das Klima und die Produkte dieses Himmelstriches, der unmit 
telbare übernatürliche Verkehr Gottes mit den Menschen, das Herüberragen der Geister 
welt in's Irdische, der Dienst der Engel, endlich die Kriegsthaten und Wunder, müssen 
mächtig und nachhaltig auf die Einbildungskraft der Kinder wirken und alle religiösen 
Wahrheiten, welche sich mit dieser Einwirkung paaren nnd von derselben getragen werden, 
unauslöschlich machen. Und wie vielfach bietet sich Gelegenheit zur Nachahmung und zur 
Anwendung auf's kindliche Leben, gerade weil die ersten biblischen Thatsachen zugleich 
aus der Kindheit der Völker entnommen sind! Dazu treten Erzählungen, welche unmit 
telbar das Iugendleben selbst angehen, wie die Geschichten von Kain, Esau und Jakob, 
von Joseph, von Samuel, den Söhnen Eli's, von der Ruth, von Tobias, von Daniel rc. 
und endlich vom zwölfjährigen Jesus. Im Brudermorde Kain's tritt uns die 
Idee der Unantastbarkeit des Menschenlebens als Grundbedingung für das gesellschaft 
liche Sein der Menschheit entgegen; zugleich aber auch die fürchterliche Macht der Sünde, 
der wir gleich anfangs Widerstand leisten sollen, wenn wir uns nicht von derselben 
unaufhaltsam fortreißen lassen wollen. Die erste böse Regung in Kain war Neid; aus 
Neid entstand Zorn und Haß; aus Haß Rachsucht und endlich Mordlust und zuletzt 
Todtschlag. Bei dieser Geschichte wird kein Lehrer versäumen, den Kindern ernst mahnend 
zuzurufen: 
„Den Neid jag' auf der Stelle fort, 
Aus Neid entstand der erste Mord." 
„Dem Bösen thu' gleich anfangs Widerstand 
Sonst nimmt's am-Ende schreckbar überhand." 
Und: 
„Erzittert vor dem ersten Schritte! 
Mit ihm sind schon die nächsten Tritte 
Zu einem nahen Fall gethan." 
Auch lernen wir aus der Geschichte des Kain, daß ein böses Gewissen dem Men 
schen keine Ruhe läßt. „Verflucht und flüchtig irrte er umher, gepeinigt von Gewissens 
bissen fand er weder Rast noch Ruh, bis ihn der Tod von seinem Elende befreite." Gleiche 
Ideen enthält die Sündfluth. Aus der Geschichte der Sündfluth sehen wir, daß Gott 
die Guten trägt, hält und schützt und daß er die Bösen zu Grunde gehen läßt. 
Abraham ist ein vollendetes Muster eines braven Mannes. Er ist gastfreundlich 
(die drei Fremden), mitleidig (Sodoma und Gomorrha), nachgiebig und verträglich (Loth), 
dankbar und gehorsam gegen Gott. Als ihm Gott befahl, seinen einzigen Sohn Isaak 
zu opfern, da „machte er sich sogleich auf denWeg",um den Befehl zu vollziehen. 
Was spricht dieser Satz anders aus, als unbedingten Gehorsam gegen Gott? So 
stellt uns Abraham die schönsten Eigenschaften zur Nachahmung vor Augen: 1. Fried 
fertigkeit, 2. Freundlichkeit, 3. Freigebigkeit, 4. Folgsamkeit und 5. Frömmigkeit. 
Die rührende und ungemein lehrreiche Geschichte des ägyptischen Joseph wird be 
sonders auf jedes Kind einen unauslöschlichen Eindruck machen; sie zeigt den Kindern 
die wunderbaren Führungen Gottes und drängt sie zu dem Schlüsse: „Was Gott thut, 
das ist wohlgethan." — „Gottes Fügen mein Vergnügen." 
In der Lebensgeschichte der Söhne des Hohenpriesters Heli tritt uns in eklatanter 
Weise vor die Augen, wie Gott jene Kinder straft, welche das vierte Gebot nicht beob 
achten, sowie wir auch an dem Vater dieser Knaben sehen, daß Gott die Vernachlässigung 
der Erziehungspflichten nicht ungeahndet läßt. 
In der Führung und in den Schicksalen des israelitischen Volkes sehen wir überall
	        
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