Full text: Pharus - 6.1915, Halbjahrband 1 (6)

Schluß. 
pädagogische Werttheorie. 
von Dr. Hans Zchmidkunz, Berlin-Halensee. 
V. werttheoretisches bei E. vürr. 
3 n der vorigen Uebersicht über neuere pädagogische Beiträge zur Werttheorie 
haben wir den wichtigsten oder wenigstens ausführlichsten absichtlich 
übergangen. Ebenso absichtlich wollen wir uns hier mit ihm etwas breiter 
[ beschäftigen. Denn in ihm liegt einerseits quantitativ der größte Beitrag zu 
| unserem Thema vor und andererseits doch auch nicht wenig qualitativ Ge 
wichtiges. Außerdem aber enthält er Hinwider manches so negativ Charak 
teristische, daß auch ein Verweilen bei diesem für unsere Belehrung lohnend 
sein kann. 
Es handelt sich um das Buch „Einführung in die Pädagogik" von 
E. Dürr, 1908. Von den vier Abschnitten des Buches beschäftigen sich 
die beiden ersten, ziemlich kurzen, mit Wesen und Aufgabe der Pädagogik 
und mit den Methoden der Pädagogik. Der ausführlichste Teil ist der 
vierte, enthaltend die Psychologie der Erziehung. Dazwischen steht noch ein 
Abschnitt: Pädagogische Wertlehre (S. 36—81), jedenfalls das Eingehendste, 
das bisher unter einem solchen Titel gebracht worden ist. Wir versuchen, ihm 
durch folgende Auszüge und kritische Bemerkungen gerecht zu werden. 
Unter „Wert" versteht der Autor zunächst „alles, was menschliche Hand 
lungen richtunggebend als Zweck und Endziel bestimmen sollte"; näher 
jedoch wird der Wert bestimmt nach „der Beziehung, die zwischen Wert 
bzw. Unwert und den Gefühlen der Lust bzw. Unlust zweifellos besteht" 
(S. 36). Doch nicht alles, was eine entfernte oder Teilursache von Lust 
gefühlen ist, sei deshalb auch schon wertvoll, sagt Dürr (S. 38) und bestätigt 
dadurch wohl den Vorteil unserer Unterscheidung zwischen hedonischen und 
anderen Werten. Mit weniger Zustimmung freilich hören wir von ihm, daß 
trotzdem bei jedem Wertgefühl der eigentliche Träger des Wertes eine wirkliche 
Bedingung unseres Lustgefühles sei. Darauf folgt eine neue Definition: „Wert 
'ist jede Bedingung der Verbesserung oder Erhaltung unseres Wohlbefindens, 
von der wir wissen, daß sie an manchem Ort, zu mancher Zeit, für manchen 
Menschen nicht realisiert ist" (S. 40). 
Im Anschluß daran wird nun eine Einteilung der Werte in unmittel 
bare und mittelbare gegeben. Sie scheint uns ähnlich zu sein der schon 
von Ehrenfels (1897, § 24) aufgestellten Unterscheidung von Eigenwerten 
und Wirkungswerten. Dürrs unmittelbare Werte sind die, „bei denen die 
erfreuliche Gestaltung des Gemütszustandes sich unmittelbar an das Auftreten 
des Wertes anschließt"; mittelbare sind für ihn die, „bei denen die Kausal 
beziehung zwischen Wert und Gefühlswirkung durch eine Reihe von Zwischen 
gliedern vermittelt wird". Die unmittelbaren Werte sind so viel wie „Ideal- 
werte", die mittelbaren Werte sind so viel wie „Realwerte" (also mit einem 
anderen Gebrauch dieser Ausdrücke als bei uns). Die ersteren verdienen 
Pharus VI, Bd. 1, H. 3. 13
	        
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