Full text: Pharus - 6.1915, Halbjahrband 1 (6)

Rundschau. 
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zukundschaften. Das können freilich so 
und so viele Soldaten auch, und eben 
deshalb ist er nicht notwendig. Das 
ganze Leben aber hier draußen ist für 
einen Knaben nicht angetan. Einem 
Abenteurer mag's ja gefallen. Aber es 
soll doch wohl auch wieder Friede werden 
und nicht immer Krieg sein. Was meinst 
Du, ob das der Knabe mit Freuden auf 
nehmen wird? Und was meinst Du, 
wird aus dem Knaben werden? Der 
Krieg ist hart. Und im Feindesland, 
wo Häuser und Dörfer verlassen sind, 
nimmt sich der Soldat, was er braucht; 
er muß es nehmen, wenn die Truppe 
nicht Schaden und Not leiden soll. Das 
ist Kriegsbrauch. Ich rede da nicht von 
Zerstören und Plündern, rede von Weg 
nehmen unbedingt notwendigen Bedarfs. 
Das muß sein. Es geht aber dabei 
auch nicht immer glimpflich ab. Aber 
müssen das Knaben mitmachen? Ich 
habe schwere Bedenken, ob Jungen, die 
hier ein solches Leben geführt haben, 
sich wieder in die bürgerliche Ordnung 
fügen werden. Nicht nur, daß man sie 
wird mit Gewalt da hinein zurückbringen 
müssen, es ist auch gar zu leicht möglich, 
daß sie sich nicht wieder daran gewöhnen 
wollen und ein Vaganten- bezw. auch 
ein Vagabundenleben vorziehen. 
Freund, überlege Dir einmal, was ich 
Dir gesagt habe; Du wirst mir recht 
geben müssen. Und wenn Du es auch 
nicht tätest, was ich aber kaum annehmen 
kann, so würde doch bei seiner Meinung 
bleiben, die aus der Erfahrung gewonnen 
ist, Dein Walter Kluge." 
Einfachheit bei den kirchlichen ttinder- 
sesten. 
Von verschiedenen Bischöfen Deutsch 
lands ist der Wunsch ausgesprochen 
worden, im Hinblick auf den Ernst der 
Zeit möchte von übertriebenem Aufwand 
anläßlich der ersten heiligen Kommunion 
und der Firmung abgesehen werden. 
Typisch ist hierfür die folgende Mittei 
lung: „Der hochwürdigste Herr Bischof 
v. Schlör (Würzburg) hat beider gegen 
wärtigen Weltkriegszeit, in der jeder 
größere Aufwand vermieden werden soll, 
den Wunsch gegenüber dem Diözesan- 
klerus ausgesprochen, daß für die heurige 
Spendung des heiligen Sakramentes der 
Firmung der Klerus sich vor der Ge 
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meinde bereit erkläre, auf Wunsch der 
Eltern die Stelle des von der Kirche 
vorgeschriebenen Firmpaten, eventuell die 
Stelle eines Vizepaten, jedoch ohne 
weitere nebensächliche Ver 
pflichtung bei den Firmlingen zu 
übernehmen. Selbstverständlich muß bei 
dieser Bereitwilligkeit jede Nötigung der 
Eltern ausgeschlossen sein. Es soll dieser 
Wunsch lediglich einerseits der Schwierig 
keit, in dieser Zeit einen Firmpaten zu 
gewinnen, anderseits der Veranlassung 
zu außerordentlichen Ausgaben durch 
Uebernahme der Patenschaft begegnen." 
Namentlich vom pädagogischen 
Standpunkte aus ist zu begrüßen, 
was die Tagespresse („Zentrums-Parla- 
ments-Korrespondenz") zu dieser Nach 
richt schrieb: 
„Die Verfügung des hochwürdigsten 
Herrn berührt einen heuer besonders 
wunden Punkt. Bekanntlich wird es 
immer schwerer, für die Kinder einen 
Firmpaten beziehungsweise eine Patin zu 
finden, da viele Leute die außerordent 
lich hohen Ausgaben scheuen, welche die 
Patenschaft mit sich bringt. Es sind 
eben die Ansprüche an die Paten 
schaft derart gestiegen, daß die Ueber 
nahme einer Patenschaft ein sehr kost 
spieliges „Vergnügen" geworden ist. Heuer 
wird es besonders schwierig werden, da 
so viele Männer im Felde stehen oder 
die Erwerbsverhältnisse zur Sparsamkeit 
zwingen. Aus diesem Grunde wird man 
in weiten Kreisen die Anordnungen des 
Würzburger Bischofs freudig begrüßen. 
Noch besser wäre es allerdings, wenn 
man sich wieder an die frühere 
Bescheidenheit gewöhnen würde." 
Unerkennung der deutschen Schule. 
Ein belgischer Zensor, der die Briefe 
deutscher Kriegsgefangener in Brügge 
an ihre Angehörigen durchzusehen hatte 
und offenbar ein Mann von tiefem Emp 
finden ist, schreibt dem „Niewe Rotter- 
damschen Courant" über die bei diesem 
Geschäfte gewonnenen Eindrücke. Er 
berichtet, wie es ihm eigentlich wider 
standen habe, die nicht für fremde Augen 
bestimmten Herzensgrüße, die besorgten 
Fragen nach dem Schicksal und Befinden 
der in der Heimat zurückgelassenen An 
gehörigen durchstöbern zu müssen. Nach 
seiner Darstellung zeigten sich die Mann- 
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