Full text: Pharus - 6.1915, Halbjahrband 1 (6)

Rundschau. 
der Unfallversicherung der Jugendlichen 
500 Mk. für den Todesfall, 5000 Mk. 
für den Jnvaliditätsfall und 1,50 Mk. 
Taggeld bei vorübergehenden Unfall 
folgen. Die Haftpflichtversicherung ist für 
Personenschäden unbegrenzt, für Sach 
schäden auf IO000 Mk. begrenzt. — Die 
bereits anderweitig versicherten Personen 
und Vereine sind, wie erwähnt, während 
der Dauer der anderweitigen Versicherung 
von dem Geltungsbereiche der Verträge 
ausgenommen. Soferne diese anderwei 
tigen Versicherungen mit der Bayerischen 
Versicherungsbank abgeschlossen sind, treten 
sie auf Antrag der Versicherungsnehmer 
mit dem 1. Februar 1915 außer Kraft 
und werden ohne weiteres durch die hier 
geregelte Versicherung ersetzt. Dagegen 
müssen Vereine, die eine Unfall- oder 
Haftpflichtversicherung bei anderen Ver 
sicherungs-Unternehmungen eingegangen 
sind, den Ablauf der betreffenden Verträge 
abwarten (gegebenenfalls ihn durch Kün 
digung herbeiführen), ehe sie in den Genuß 
der Vergünstigungen treten können, die 
die vom Kgl. Kriegsministerium ge 
schloffenen Verträge bieten. 
Interessenten finden die Bestimmungen 
ausführlich wiedergegeben in Nr. 26 der 
„Bayerischen Staatszeitung" (2. Blatt, 
vom 2. Februar 1915). 
Der Kultusdöt in der Kammer zur 
Kriegszeit. 
Es ist von Interesse, wie in der gegen 
wärtigen ernsten Zeit die Beratung des 
sonst mit politischen Auseinandersetzungen 
stark durchsetzten Kultusetats mit Ruhe 
und Anerkennung der Leistungen der 
einschlägigen Faktoren sich vollzieht. So 
bringt die Presse über die zweite Lesung 
des Kultusetats im preußischen Ab 
geordnetenhaus folgenden Bericht: 
Abg. Goßler (kons.): Der Etat zeigt, 
daß auch in Kriegszeiten Mittel für 
Kulturzwecke vorhanden sind. An Kul 
tur und Gesittung stehen wir und 
auch unsere Truppen himmelhoch 
über manch anderen Völkern. Die 
Aufrechterhaltung des Schulwesens ist 
eine nicht hoch genug zu veranschlagende 
Leistung. Die vaterländische Begeisterung 
zeigte sich nirgendwo so elementar wie 
in dem Andrang der Freiwilligen 
zum Heeresdienst. In der Zulassung 
von Ausländern zu den Universitäten 
und Technischen Hochschulen müssen wir 
zurückhaltender sein. — Abg. Kaufmann 
(Zentr.): Der Kultusetat ist ein Kultur 
dokument, das alle Phrasen von 
Barbarentum und Militarismus 
haltlos macht. Der Krieg ist ein glän 
zendes Zeugnis für die Volksschule, die 
tüchtige Soldaten heranzog, für die Uni 
versitäten, die die Wissenschaft der erfolg 
reichen Seuchenbekämpfung pflegten, und 
für die Technischen Hochschulen, die die 
Industrie anpassungsfähig machten. Wir 
sehen mit Stolz, wie diejungen Schüler 
todesmutig in den Kampf hinaus 
stürmen. Ich gedenke auch der braven 
Eisenbahnbeamten, die den glatten 
Aufmarsch der Truppen ermöglichten. 
Wir, deren Meinungen beim Kultusetat 
häufig auseinandergingen, stehen jetzt 
einig zusammen, wo' es sich um die Exi 
stenz des Vaterlandes handelt. (Beifall.) 
— Abg. Campe (nat.-lib.): Der Vorwurf 
des Barbarismus trifft nicht zu. Wenn 
der Feind Kirchen und Kunstdenk- 
mäler zu Wachtposten herab 
würdigt, dann hört jede Rücksicht auf. 
Wir anerkennen die Leistungen der Schulen 
und der Lehrer. — Abg. Viereck (frei- 
kons.): Unerschöpflich ist der Born der 
deutschen Kraft und der inneren Festig 
keit, beruhend auf Erziehung und Gott 
vertrauen, womit wir in den Kampf für 
eine gerechte Sache zogen. Wir dan 
ken der Geistlichkeit und den Lehrern, 
die einen solchen Geist der Jugend ein 
pflanzten. — Abg. Eickhoff (Fortschr.): 
Wir wollen uns bei der Kulturpflege 
bestreben, das Volk der Denker und der 
Dichter zu bleiben. Unsere Söhne 
erwiesen sich würdig ihrer Vorfahren 
von 1813. — Haenisch (Soz.): Die 
Zeit ist für innerpolitische Kämpfe un 
geeignet. Ein siegreicher Frieden liegt 
keiner Partei mehr am Herzen als den So 
zialdemokraten. Es möge nach dem Kriege 
in die Jugendbewegung ein neuer Geist 
kommen und die Klassenkämpfe mögen 
aufhören. Wir empfinden es als bren 
nende Schmach, wenn das feindliche 
Ausland uns Hunnen und Barbaren 
nennt. Wir sind ein Kulturvolk 
ersten Ranges. Der schlimme Vor 
wurf, die Sozialdemokraten seien 
vaterlandsfeindlich, ist durch die 
Tatsachen widerlegt. Wir fühlen uns 
als deutsche Sozialdemokraten,
	        
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