Full text: Pharus - 6.1915, Halbjahrband 1 (6)

Rundschau. 
377 :: 
aber auch als sozialdemokratische 
Deutsche. — Minister von Trott zu 
Solz: Ich danke den Vorrednern für 
das Lob der Schule und die Anerkennung 
der im Felde stehenden Schüler. Wir 
versäumten nichts zur Aufrechterhaltung 
der Schulen. Die Erfahrungen oes 
Krieges werden ein Licht werfen, das in 
alle Ecken der Schule hineinleuchtet und 
nicht mehr erlischt. (Beifall.) — Der 
Etat wird genehmigt. 
Zur pädagogisch-psychologischen Termi 
nologie. 
Das neuerwachte Gefühl für die 
Sprachenreinigung von entbehrlichen 
Fremdwörtern hat einen Mitarbeiter der 
„Pädagogischen Zeitung", Karl Koch, 
veranlaßt, die Sprache der modernen 
Psychologie etwas nachzuprüfen und er 
bemerkt dazu in Nr. 6 des genannten 
Blattes folgendes: 
„Wir haben uns in den letzten Jahren 
an mancherlei ungewöhnliche Ausdrücke 
gewöhnen müssen, und diese Ausdrücke 
verdanken ihre Entstehung den Anhängern 
der modernen Psychologie und den 
Kämpfern für die Idee der Arbeits 
schule. „Psyche", „völkisch", „Ertüch 
tigung" sind Schlagwörter geworden in 
ihren Aufsätzen, Reden usw. Es gibt 
noch mehr solche neue Wörter, die ge 
nannten dürften aber die bekanntesten und 
am meisten wiederkehrenden sein. Es 
schadet nichts, wenn unsere Sprache sich 
bereichert. Es machte sich aber in der 
neuen Pädagogik noch etwas anderes 
bemerkbar und das ist die Fremdwörter 
sucht. Ihre Quelle hat diese Sucht in 
der Sprache der modernen Psychologie. 
Man soll kein Narr sein. und weil das 
deutsche Nationalbewußtsein durch den 
Krieg einen so herrlichen Aufschwung 
genommen hat, alle Fremdwörter bei 
seite werfen. Wir kommen ohne eine 
ganze Anzahl Fremdwörter nicht aus. 
Es ist aber verwerflich, eine Wissenschaft 
von so allgemeiner Bedeutung, wie die 
neuere Psychologie es anstrebt zu werden, 
dadurch als Wissenschaft hervorzuheben, 
daß man sie mit einer Menge seltsamster 
Fachausdrücke durchsetzt. Ünpädagogisch 
ist es zugleich, diese Fachausdrücke in 
Reden und Aufsätzen so zu verwenden, 
als ob sie allen Menschen bekannt wären. 
Die neuere Psychologie selbst soll da 
mit nicht angetastet werden, so wenig 
wie der Gedanke der Arbeitsschule. Wer 
noch an der „Lernschule" hängt, braucht 
nicht eifersüchtig zu sein angesichts der 
übermenschlichen Tatkraft, die unsere 
Truppen auf den Kampffeldern im Osten 
und Westen und zur See bewähren, die 
alle durch die Lernschule gegangen sind. 
Hier handelt es sich lediglich um Fremd- 
wortsucht, die bekämpft werden muß, 
nicht nur als ein Uebel, sondern als 
gefährlich für die moderne Psychologie 
selber. Diese Wissenschaft soll uns weiter 
bringen in der Schularbeit, und sie soll 
Aufklärung schaffen über das oft son 
derbare Verhalten von Menschen, damit 
jedes Schulkind recht verstanden und be 
handelt, und jedem mit seelischer Krank 
heit behafteten Erwachsenen geholfen 
werden kann. Zur Verbreitung der 
modernen Psychologie mit ihren Ver 
suchen und Versuchsergebnissen und ihrer 
Betonung des innigen körperlich-seelischen 
Zusammenhanges aber dient ihre Dar 
stellung in gemeinverständlicher Sprache. 
Deutschreden ist keine so große Kunst, 
und unsere Sprache ist reich genug, um, 
abgesehen von unentbehrlichen und ein 
gebürgerten Ausdrücken, sagen und schrei 
ben zu können, was unsere menschliche 
Seele nach allem ihrem Tun und Leiden 
angeht. 
Um einen Einblick zu erhalten in die 
Sprache der modernen Psychologie, soll 
hier eine Probe gegeben werden aus 
dem Verzeichnis der Erläuterungen psy 
chologischer Kunstausdrücke in dem neuen 
Buche von W. I. Ruttmann: „Die 
Hauptergebnisse der modernen Psycho 
logie" (Verlag von Ernst Wunderlich, 
Leipzig). Das Buch soll damit nicht 
getroffen werden. Wer einen Blick werfen 
will in die Riesenarbeit der psycholo 
gischen Forschung, wer den ganzen Geist 
der modernen Psychologie erfassen will, 
ohne genötigt zu sein, die weitschichtigen 
Werke Wundts, Meumanns und das 
unendliche Heer der kleineren Bücher und 
Spezialschriften zu lesen, der verschaffe 
sich Ruttmanns Buch. Es kostet nur 
5 Mark. Er lernt da zugleich die ge 
samte Literatur der modernen Psychologie 
kennen. Hier handelt es sich nur um 
die Beseitigung unnützer fremder Fach 
ausdrücke. Es seien genannt: Abulie, 
Adaptation, Agoraphobie, Agglutination,
	        
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