Full text: Pharus - 16.1925 (16)

Bücherschau. 
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Rudolf Hildebrands geschrieben ist, der mit 
der Sprache auch den Inhalt der Sprache 
frisch und warm erfassen wollte. Wort und 
Sache mästen sich im Kopfe des Kindes 
vermählen. Dies erstrebt Werner nicht 
durch trockene Worterklärungen, sondern 
er füllt den Klassenraum mit der ganzen 
Fülle des Lebens, wenn er mit den Kin 
dern vom „Heim", vom „Hag", vom „Hel 
fen" usw. spricht und er bildet so Ver 
stand, Phantasie und Gemüt zugleich; den 
ganzen inneren Menschen bereichert er, 
worauf es doch in erster Linie ankommt. 
Daß solcher Unterricht auch die rechte Liebe 
zu Heimat und Vaterland weckt, braucht 
kaum eigens betont zu werden. Erteilen 
kann ihn freilich noch nicht, wer Werners 
wertvolles Buch gelesen hat; Voraussetzung 
ist eine gründliche Vertiefung in die Schätze 
der deutschen Sprache und Literatur. Aber 
Lust, Anregung und auch Aufschluß wird 
jeder, der im Sinne Rudolf Hildebrands 
unterrichten möchte, aus der vorliegenden 
Arbeit schöpfen. vr. Schmelzte. 
wen;, Di-. Gustav, Germanisch. Deutsche 
Sprachgeschichte bis zum Ausgang des 
Mittelalters. Leipzig 1924, Quelle u. 
Meyer. 59 Seiten. 60 Pfg. (Deutfchkund- 
liche Bücherei gew.) 
Weber, Dr. Ernst, Geschichte der epischen 
und idyllischen Dichtung von der Refor- 
mation bis zur Gegenwart. Leipzig 1924, 
Quelle u. Meyer. 60 Seiten. (Deutsch- 
kundliche Bücherei.) 
Bergmann, Professor Dr. Karl, Deutsche 
Wortkunde in Bildern aas der deutschen 
Kultur. Leipzig 1924, Quelle u. Meyer. 
48 Seiten. 60 Pfg. (Deutschkundliche 
Bücherei.) 
ttluge,Fr., Deutsche Namenkunde. 45 Seiten. 
50Pfg. Deutschkundliche Bücherei. Quelle 
u. Meyer, Leipzig. 
Deutschkundliche Bücherei. 
Die Vorzüge dieser Bändchen sind die 
gedrängte Kürze und doch erschöpfende Be 
handlung des Stoffes. Alleroings leidet 
darunter manchmal das eine oder andere 
Kapitel — so bei Weber die katholische Dicht- 
kunst, die auf knappen 4 Seiten behandelt 
Wird. Als kurze Zusammenfassung sind die 
Bändchen wohl geeignet für Arbeitsgemein 
schaften und Volkshochschulen, doch auch nur 
für Reife; denn was Bergmann in dem 
Bändchen „Deutsche Wortkunde" Seite 14 
„der geistliche Stand" bietet, das ist nicht 
objektive Berichterstattung, das grenzt nahe 
an „Verächtlichmachung". Jungwirth. 
Methodik. 
vohm, A., Das freie Unterrichtsgespräch im 
Dienste der freien geistigen Tätigkeit des 
Schülers. Langensalza 1925, Hermann 
Beyer u. Söhne. 37 Seiten. 50 Pfg. (Päd. 
Magazin. Heft 1009.) 
In einem Heftchen von 37 Seiten bringt 
der Verfaffer eine Fülle von beherzigens- 
werten Anregungen für eine freiere Unter 
richtsgestaltung im Dienste der geistigen 
Selbsttätigkeit des Schülers. Diese Grund 
sätze wurden bereits von namhaften Arbeits 
schulpädagogen betont und verwirklicht. Es 
ist letzten Endes nichts anderes, als was 
Willmann schon forderte: Obsich nun die 
geforderte Art des freien Unterrichtsge 
spräches immer so verwirklichen lasten wird, 
wie Verfasser fordert, möchte ich bezweifeln. 
In manchen Punkten scheint mir seine Art 
— Platzordnung, Erwiderungen usw. — 
eine Auflösung der unbedingt nötigen Ruhe 
und Ordnung zu unterstützen, die doch zum 
gedeihlichen Unterricht nötig ist. Wenn 
letzten Endes jeder Schüler Zwischenrufe 
machen kann, was ja eigentlich selbstver 
ständlich ist, wenn die Geister warm werden, 
dann erleben wir stürmische Sitzungen in 
unserer Klaffe und leisten den Schülern 
schlechte Dienste. Eine Verbindung der alten, 
mehr autoritativen mit dieser neuen, mehr 
demokratischen Form, wird sicherlich zum 
Segen unserer Schule sein und hierzu bietet 
das Heftchen mancherlei Anregungen, die 
ja immer höher gestellt sind als sie in der 
Praxis sich durchführen lasten. Jungwirth. 
Schnatz Franz, Messer August und Steuber. 
Albert, Methodik des Unterrichts an höhe - 
ren Schulen. I.Teil: Deutschkunde,Philo- 
sophische Propädeutik, Geschichte, alte und 
neuere Sprachen. Breslau 1925, Ferdi 
nand Hirt. 143 Seiten. Gebunden 3 Mk. 
Jedermanns Bücherei. Abteilung: Er 
ziehungswesen. 
Mit größerer Ausführlichkeit ist das päd- 
agogische Neuland „Deutschkunde" und 
„philosophische Propädeutik" behandelt. 
Deutschkunde bedeutet nicht ein neues Fach, 
sondern eine Bildungsidee, die ja in den 
Mittelpunkt der preußischen Schulreform 
gestellt ist und deren Verwirklichung die ein - 
trächtige Zusammenarbeit aller Lehrkräfte 
verlangt. Was über Behandlung, Auswahl 
und Gruppierung von deutschen Dichtungen 
gesagt ist, entspricht durchweg den modernen 
Anschauungen. Soweit die „Gliederung" 
aus der Beschäftigung mit dem Aufsatzstoff 
herauswächst und nicht etwa bis in die 
Einzelheiten festgelegt wird, sollte man sie 
nicht als unbequemen Schnürleib ablehnen, 
wie es Schnatz tut, zumal er selbst warm 
für logische Entwicklung der Gedanken im 
Aufsatz eintritt. Anregend für jeden Lehrer 
ist der Abschnitt über die philosophische 
Durchdringung des Gesamtunterrichtes. 
Auch die Arbeiten über Geschichte und
	        
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