Full text: Pharus - 4.1913, Halbjahrband 2 (4)

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Zur Stellung der Pädagogik auf den Universitäten. 
werden müssen. Die Errichtung pädagogischer Professuren und Seminare für 
die erweiterte Lehrerbildung ist mindestens ebenso wichtig, wie die Reform der 
Lehrer-Seminare als Mittel zum Eintritt des Volksschullehrers in die Universität. 
Zunächst muß überhaupt die Möglichkeit eines erfolgreichen Universitätsstudiums 
der Pädagogik in allen ihren Zweigen vorhanden sein, ehe die Forderung nach 
einem vollwertigen akademischen Studium des Volksschullehrers in Preußen erhoben 
werden kann. 
Da die Errichtung pädagogischer Lehrstühle und Seminare dem gesamten Lehrer 
stande, einschließlich der Oberlehrer an den höheren Lehranstalten, zugute kommen 
soll, muß diese Forderung der Lehrerschaft auch schließlich die Unterstützung weiterer 
Kreise finden, wofür das Eintreten des Abgeordneten Professor Eickhoff für diese 
Frage in der eingangs erwähnten Sitzung des Abgeordnetenhauses bereits den 
Beweis liefert. Die Zahl der preußischen Volksschullehrer, die durch Ablegung 
der Reifeprüfung an einer höheren Lehranstalt das akademische Bürgerrecht er 
worben hat, nimmt immer mehr zu, und doch finden diese Studierenden, wenn sie 
ihrem Berufsfache, der Pädagogik treu bleiben wollen, nicht die erhoffte Gelegen 
heit zum vertieften Studium dieser Wissenschaft. Hier ist in der Tat ein Mangel 
vorhanden, der dringend der Abhilfe bedarf, selbst wenn es sich nicht um die lang 
gehegten Wünsche eines Standes handelte, der unentwegt nach höherer Erkenntnis 
und Selbstvervollkommnung strebt. 
:: Uur Vergangenheit zur Gegenwart :: 
Uatholische Nnstaltspädagogik vor hundert Jahren. 
von Universitätsprofessor Or. Remigius Stö131c, tvürzburg. 
nsere Zeit sonnt sich so gerne im Glanz der erreichten Fortschritte. Besonders 
auf dem Gebiete der Pädagogik, wo wirklich hinsichtlich der Methodik und 
Technik des Lehrens Bedeutendes geleistet wurde, glaubt man manchmal mit einer 
gewissen Geringschätzung auf frühere Zeilen und Personen herabsehen zu können. 
Mit Unrecht. Denn auch in alten Zeiten gab es praktische Psychologen und seelen 
kundige Pädagogen, welche mit feinem Takte die Jugend zu leiten und zu fördern 
verstanden. Ich möchte heute als Beispiele solcher seelenvollen Pädagogik auf zwei 
Männer Hinweisen, welche im juliusspitälischen Studentenmuseum zu Würzburg, 
das vom Ende des 17. Jahrhunderts bis 1803 in Blüte stand/ mit Hingebung 
und Eifer an der Erziehung der ihnen anvertrauten Zöglinge wirkten. Es sind 
das der geistliche Spitalvorsteher Straulin0 und der weltliche Inspektor Nepf, 
der nachmals als Professor zu Bamberg starb. 
I. Geistliche Lrziehungrweisheit. 
Die Jahresberichte, die Straulino über Fortschritte und Betragen der 
Studenten für den Fürstbischof abfaßte, benützte der geistliche Vorsteher, um seine 
1 Vgl. darüber: Stölzle Pädagogische Einrichtungen und Stiftungen im Juliusspital zu 
Würzburg. Historisch-politische Blätter CXLI (1908), 287—292. — Darüber befindet sich im 
Druck ein Buch von mir: ,Erziehungs-und Nnterrichtsanstalten im Juliusspital 
zu Würzburg 1582 — 1803, erstmals aktenmäßig dargestellt' (Beck, München).
	        
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